Sahra Wagenknecht
Auf der Suche nach dem Feindbild

Sahra Wagenknecht nutzt die Gunst der Stunde: Nach der Spanien-Rettung und vor der Griechen-Wahl wirbt sie im Gespräch mit Handelsblatt-Online Chefredakteur Oliver Stock für linke Alternativen. Wen kann sie überzeugen?
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ChemnitzDie Feindbilder, sie sind ihr ausgegangen. Sahra Wagenknecht soll ihre Lieblingsgegner in der Politik benennen. „Ach wissen Sie“, sagt sie, „die Zeit der Originale, wie sie ein Ludwig Erhard darstellte, ist vorüber.“

Es ist ein Abend in Chemnitz.  Die Podiumsdiskussion in der Villa Esche, einem Prachtbau aus der Gründerzeit, in dem heute die Kultur und die politische Debatte gepflegt wird, ist seit Monaten ausgebucht. Sahra Wagenknecht, die Gallionsfigur der zerstrittenen Linken, die jüngst nicht Parteichefin geworden ist, die Kommunistin mit ruhender Mitgliedschaft in der kommunistischen Plattform ihrer Partei, die streitbare Politikerin, die die Mauer mal als „notwendiges Übel“ bezeichnet hat, zieht. Sie zieht, weil sie die Smarte unter den lamentierenden Linken ist. Sie zieht aber auch die Zuschauer an, weil sie in der Krise, in die uns ein übermütig gewordener Kapitalismus getrieben hat, scheinbar Alternativen anbietet.

„Freiheit statt Kapitalismus“ heißt ihr jüngstes Buch, aus dem sie vorliest. Es ist eine Abrechnung mit einem Bankensystem, das in den vergangenen 50 Jahren, so ihre polemische Analyse, außer dem Geldautomaten keine wirklich nützliche Innovation hervorgebracht hat.  Es ist ein Plädoyer für Umverteilung von oben nach unten. Alles, was wünschenswert, aber unbezahlbar ist – Wohlstand für alle, ein Bildungssystem, das alle abholt, ein Gesundheitssektor, der nicht die Reichen besser behandelt – all das soll möglich werden, in dem die Reichen in diesem Land stärker zur finanziellen Ader gelassen werden.

Die Menschen, ihre Zuhörer, sie gieren nach Alternativen. In dieser Zwischenwoche, in der sie erfahren haben, dass nun auch Spaniens Banken mit Geld aus Deutschland abgesichert werden, und bevor am Wochenende Griechenland letztlich darüber abstimmt, wie wahrscheinlich der Verbleib des Landes im Euro ist, in dieser Woche erfahren Andersdenkerinnen wie Wagenknecht besonderen Zuspruch.  Und weil ihr die Feindbilder in der Politik eben ausgegangen sind, sucht Sahra Wagenknecht sie bei den Bankern.  Bei jenen, wie sie es beschreibt, die sich vom Staat retten ließen und dann Zinsen für die Schulden verlangten, die der Staat ihretwegen machen musste.

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Die griechischen Linken als Vorbild

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  • @ Heiko2012,
    die etablierten Parteien sind schon fähig die Probleme zu lösen.
    Sie wollen aber lieber dass weiterhin; immer mehr für immer weniger immer mehr bezahlen müssen, damit immer weniger immer mehr erhalten können.

  • Na ja mein lieber Schwan oder Rene. Irgendwie stellen die heutigen Konservativen, wie Neoliberale die Ausrichtung unserer Gesetze in den ungebremsten Dienst des Kapitalismus. Haben Sie das einmal überlegt, daß dies nun wirklich keine linke Assoziationen sind? Ich fürchte nicht, sonst würden Sie ihrer eigenen Ideologie irgendwie entsagen müssen.

    Hätte es keine spd gegeben, sie wäre irgendwann erfunden worden, von denen, die zwar Gewerkschaften repräsentieren, jedoch aus "Gründen der Vernunft" zuerst an sich selbst denken. Wer schon immer Geld hatte, braucht keine neue Ideologie. Ich fürchte dazu gehören sie leider auch nicht.

    In schwierigen ZEITen verschwimmt der Blick fürs Wesentliche. Eine Regierung, die permanent gegen ihre Wähler regiert, der müßte schon längst von WählerINnen die rote Karte gezeigt worden sein. Ich rüchte, sie sind gerade beim ungebremsten Kauftrip einer Pizza fast durchs Internet gereicht. Noch muß er zuerst klingeln oder warten Sie schon. Läbe ischd was ganz Anderes. Hanoi.

  • Auch wenn ich hasse es zu sagen: Kreditschöpfung ist für Wachstum wichtig. Eine Bank "produziert" nichts, genausowenig wie ein Händler,der einfach Ware verkauft. Trotzde ist es in beiden Fällen Wertschöpfung

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