Salafisten in Dinslaken
Die deutsche Wiege der Extremisten

Aus Dinslaken-Lohberg stammen 22 gewaltbereite deutsche Salafisten, die in Syrien und im Irak für den Islamischen Staat kämpfen. Warum radikalisieren sich dort so viele Jugendliche? Eine Spurensuche.

DinslakenDer Förderturm steht still, der Asphalt bröckelt und die Farbe an den Fassaden der alten Bergarbeiterhäuschen blättert ab. Die alte Zeche hat schon lange keine Kohle mehr gefördert. Überall auf dem Gelände wuchert das Moos. Die Scheiben der alten Industriehallen sind eingeworfen, die Graffitis an den Wänden erinnern mehr an Schmierereien von Jugendlichen als an Kunst.

Die Zeche Lohberg am Niederrhein verfällt. Und trotz des kürzlich eingerichteten „Kreativ-Quartiers“ verfällt der Dinslakener Stadtteil vor den Zechentoren gleich mit. Der Stadtteil hat nach der Schließung der Zeche im Jahr 2006 einen rapiden wirtschaftlichen Abstieg erlebt. Mehr als 400 Ausbildungsplätze fielen auf einen Schlag weg. In Lohberg lebt jeder Fünfte von Hartz IV.

Eine Situation, mit der gerade im Ruhrgebiet viele Kommunen kämpfen. Doch Lohberg hat noch ein anderes großes Problem: NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) nannte Dinslaken jüngst einen „Brennpunkt der salafistischen Szene“. Salafisten sind nicht immer gewaltbereit, dennoch rekrutieren terroristische Vereinigungen wie der Islamische Staat (IS) in den Reihen der deutschen Salafisten Kämpfer. Bundesweit sollen laut der Bundesregierung bislang mehr als 320 deutsche Dschihadisten ins IS-Kampfgebiet ausgerückt sein – darunter sieben Prozent Frauen und rund zehn Prozent Konvertiten. Rund 120 davon stammen aus NRW. Allein 22 IS-Kämpfer kommen aus Dinslaken-Lohberg.

Warum ausgerechnet Lohberg zu einer Hochburg der gewaltbereiten Szene wurde, darauf hat niemand wirklich eine Antwort. Ratlosigkeit auch im örtlichen Rathaus: „Die Radikalisierung in Lohberg hätte überall im Ruhrgebiet stattfinden können“, sagt Stadtsprecher Horst Dickhäuser.

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