Sarrazin und die AfD: Der AfD-Versteher

Sarrazin und die AfD
Der AfD-Versteher

Für Thilo Sarrazin kommt der Siegeszug der AfD nicht überraschend. Hätten CDU und SPD seine Analysen zu den Themen der Partei ernst genommen, sagt er, wäre ein Erstarken der Rechtspopulisten wohl ausgeblieben.

BerlinThilo Sarrazin scheut die Nähe zur AfD nicht – auch wenn der Sozialdemokrat damit regelmäßig seine Partei gegen sich aufbringt. Als der Ex-Bundesbankvorstand vor anderthalb Jahren einer Einladung der niedersächsischen Alternative für Deutschland (AfD) folgte, forderte ihn die damalige SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi umgehend zum Parteiaustritt auf.

Solche Attacken pariert Sarrazin in der Regel mit Missachtung. Aus gutem Grund. Denn die SPD hat es bis heute nicht geschafft, ihn aus der Partei zu werfen. Mit der Konsequenz, dass Sarrazin weiter macht, was er am besten kann: aktuelle Themen schlagzeilenträchtig in Büchern analysieren, die dann zu Bestsellern werden. Oder seine „Expertise“ interessierten Zuhörern feilbieten.

Mit seinen Thesen zur Euro-Rettungspolitik im Buch „Europa braucht den Euro nicht“ oder zur „Überfremdung“ im Buch „Deutschland schafft sich ab“ trifft Sarrazin sicher das Gefühl vieler AfD-Mitglieder, während seine SPD immer noch keine Strategie zum Umgang mit der AfD gefunden hat. Den Umstand, dass die etablierten Parteien kein ausgefeiltes Anti-AfD-Konzept vorzuweisen haben, nimmt er heute schadenfroh zur Kenntnis. Denn seine Analysen, so meint er, hätten für ein solches Konzept wohl als Blaupause dienen können.

„Hätten die verantwortlichen Politiker der CDU und SPD diese Analysen ernst genommen“, sagt Sarrazin im Brustton der Überzeugung im Interview mit der „Bild“-Zeitung, „und entsprechend gehandelt, so wäre die AfD 2013 gar nicht erst gegründet worden oder hätte zumindest nicht diese Wahlerfolge.“ Dann legt der ehemalige Berliner Finanzsenator die Fehler von CDU und SPD im Umgang mit der AfD schonungslos offen.

Zwischen CDU, SPD, Grünen und Linken gebe es bundesweit bei der Flüchtlings- und Einwanderungspolitik „keine nennenswerten Unterschiede“, stellt Sarrazin fest. „De facto sah sich der Bürger in dieser Frage einer nationalen Einheitsfront gegenüber.“ Viele hätten zudem das Gefühl, ihre Meinung nicht offen sagen zu können. „So wählten sie in der Stille der Wahlkabine die einzige Alternative, die ihnen auf den Stimmzetteln angeboten wurde.“

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