„Schädigung der Demokratie“
Merkel hat für lästernde Banker nur Verachtung übrig

„Neuer Tag, neue Milliarde“ – ein Zitat aus den nun veröffentlichten Gesprächen irischer Banker. Kanzlerin Merkel will die Lästereien über die EU-Hilfen nicht auf sich beruhen lassen – und kritisiert die Manager scharf.
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BrüsselBundeskanzlerin Angela Merkel hat die Deutschland verhöhnenden und die EU-Hilfen ins Lächerliche ziehenden irischen Banker scharf kritisiert. „Das ist eine richtige Schädigung der Demokratie, der sozialen Marktwirtschaft und allem, wofür wir arbeiten“, sagte Merkel am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Sie habe für diese Menschen nur „Verachtung“ übrig.

„Ich kann nur sagen, die Tonalität scheint bankenübergreifend gleich zu sein“, sagte sie in der Nacht zu Freitag in Brüssel. „Und sie ist für Menschen, die ganz normal jeden Tag zur Arbeit gehen, die ihr Geld verdienen, einfach nur ganz, ganz schwer zu verkraften, um nicht zu sagen, gar nicht zu verkraften.“

Von irischen Bankern waren jüngst entlarvende Telefonmitschnitte aus dem Jahr 2008 veröffentlicht worden, die in Irland und Europa für viel Aufruhr sorgten. So gibt es das Zitat des damaligen Institutschefs der Anglo Irish: „Neuer Tag, neue Milliarde.“ Ein anderer Banker sang demnach am Telefon „Deutschland, Deutschland über alles“.

Irland hatte die Anglo Irish mit Hilfe seiner EU-Partner gerettet. Deutschland war größter EU-Geldgeber bei den Hilfen. EU und IWF hatten Irland mit 85 Milliarden Euro von der Pleite bewahrt.

Die Gespräche zwischen dem damaligen Chef der Anglo Irish Bank, David Drumm, und Topmanager John Bowe hat der „Irish Independent“ jetzt veröffentlicht. Sie dokumentieren den Übermut und die Verachtung, den die Banker gegenüber der Politik, den Aufsehern und ihren Kunden zeigten.

Den Bankern droht nach der Veröffentlichung der Telefonmitschnitte noch ein Nachspiel. Die irische Notenbank erklärte am Mittwoch, sie prüfe, ob Vorschriften verletzt worden seien. Zudem könnte Irland Regierungskreisen zufolge nun doch einzelne Manager für ihr Verhalten im Jahr 2008 zur Rechenschaft ziehen. Im Raum steht der Verdacht, dass Bank-Manager die Notenbank in die Irre führten, um sich von den Rettungshilfen von EU und IWF möglichst viel für ihr Institut zu sichern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " „Schädigung der Demokratie“: Merkel hat für lästernde Banker nur Verachtung übrig"

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  • Ich frage mich, wieso wurde Ackermann für seine Machenschaften niemals rur Rechenschaft gezogen? Wieso hat da kein Staatsanwalt ermittelt? Er hat schließlich in den Jahren 2007/2008 die nahezu nutzlosen Wertpapiere von den Amis nach hierher gebracht und die an ahnungslose Landesbanken für teures Geld verkauft? War das denn kein Betrug?

  • Bis Frau Dr. MERKEL das EURO-GAME versteht, haben die PIIGS unsere Hilfsmilliarden abgeräumt...

  • Merkel soll doch mal erklären, was bei der Rettung des dauer-komakranken Euros und der Diktat-EU demokratisch und bürgergerecht getan wurde!? Beides wäre bei einer Bürgerbefragung längst tot. Deutschland kann nicht das rote Kreuz für alle anderen Länder sein und sie retten. Wer rettet unsere Schulden? Haben andere Länder schon Geld für die deutschen Flutopfer überwiesen?

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