Schäfer-Gümbel im Interview
SPD-Vize wünscht sich „bedeutende Börsengänge“

Die Sozialdemokraten wollen ihr Wirtschaftsprogramm stärker an der Digitalisierung ausrichten. Deutschland solle „nicht nur Filialist von US-Unternehmen werden“, sagt SPD-Vize Schäfer-Gümbel. Und hat einen Plan.
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BerlinDie SPD stellt bei der Modernisierung ihres Wirtschaftsprogramm die Digitalisierung der Industrie in den Mittelpunkt. „Es geht nicht nur um die Frage: funktioniert Breitbandverkabelung, ja oder nein, und bei welcher Geschwindigkeit“, sagte SPD-Vizechef Thorsten Schäfer-Gümbel in einem Interview mit dem Handelsblatt (Montagsausgabe). Es gehe sehr viel umfassender darum, welche Chancen sich aus der Digitalisierung aller Wirtschaftsbereiche ergeben, und darum, „was die Digitalisierung eigentlich mit unsrer Lebens- und Arbeitswelt macht“, sagte er.

„Ich kenne keine andere Partei, die sich außer uns für entschieden hätte, das Thema so umfassend anzugehen“, so Schäfer-Gümbel. Konkret wolle die SPD mit Wagniskapitalförderung erreichen, dass auch in Deutschland globale IT-Unternehmen entstehen können. „Wir müssen dafür sorgen, dass es auch hier wieder bedeutende Börsengänge gibt. Wir wollen ja nicht nur Filialist von US-Unternehmen werden“, sagte er.

Schäfer-Gümbel leitet gemeinsam mit Generalsekretärin Yasmin Fahimi die SPD-Arbeitsgruppe „Neues Wachstum“, die der SPD zu einem starken wirtschaftspolitischen Profil verhelfen soll. Fachkräftesicherung, Technologieförderung und die Sicherung der Stärke der deutschen Industrie nennt der Parteivize dabei als Schwerpunkte für das neue Programm. Die SPD will es allerdings nicht am Grünen Tisch entwickeln. „Wir wollen mit Wirtschaftsverbänden und Unternehmern ausführlich diskutieren, was in den nächsten Jahren für die Wirtschaft und Arbeit notwendig ist“, kündigte er an.

In der Steuerpolitik setzt sich Schäfer-Gümbel für den Abbau der kalten Progression ein. „Das ist eigentlich unser Thema, weil es sozial ungerecht ist, wenn Beschäftigten Lohnzuwächse zu einem größeren Teil wegbesteuert werden“, sagte er. Er sei aber nicht glücklich darüber, dass die Steuerdebatte nur an einzelnen Instrumenten geführt werde. „Es geht in der Steuerpolitik immer um Gerechtigkeit und die Balance zwischen öffentlichen Ausgaben und Einnahmen“, sagte er. Eine solch umfassende Diskussion über eine Steuerreform sei aber mit CDU und CSU nicht möglich. „Für die Union war in den Koalitionsverhandlungen jede Form der Steuererhöhung zur Gegenfinanzierung ein Ausschlussgrund“, sagte er. Die SPD wolle das Thema angehen. „Aber eben nicht auf Pump“, sagte er.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Schäfer-Gümbel im Interview: SPD-Vize wünscht sich „bedeutende Börsengänge“"

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  • geschäfte = gesetze

  • Börsengänge an sich schaffen keine Werte oder Arbeitsplätze.
    Die SPD muss Rahmenbedingungen erlauben, damit Menschen sich unternehmerische betätigen können und v.a. muss das Steuersystem ihnen von dem Risiko, das sie eingehen, die Früchte ernten lassen.
    Von der SPD hört man aber immer nur, "diese oder jenes geht nicht" , "das müssen wir verbieten" oder "so etwas muss begrenzt werden"
    Verbotsgeschäfte führen nicht zu einem Wirtschaftsprofil.

  • Schäfer-Gümbel im Interview SPD-Vize wünscht sich „bedeutende Börsengänge“
    Schäfer-Gümbel ist ein aufstrebender Spitzen-Mann der SPD für höhere Aufgaben, wie nur das Sommerloch zu füllen.
    Er ist genauso wie Frau Ypsilanti in ihrer Zeit, nämlich unfähig Politik für unser Land und deren Menschen zu machen.

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