Schärfere Sanktionen befürchtet
Ukraine-Eskalation alarmiert deutsche Wirtschaft

Die militärische Eskalation in der Ost-Ukraine alarmiert nicht nur die Bundesregierung, auch die deutsche Wirtschaft ist höchst beunruhigt über die Lage. Top-Ökonom Fratzscher vom DIW warnt schon vor Marktturbulenzen.
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BerlinFührende Wirtschaftsverbände in Deutschland sehen die aktuelle Lage in der Ukraine mit großer Sorge. Der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Rainer Lindner, warnte vor diesem Hintergrund vor einer Verhängung von Wirtschaftssanktionen gegen Russland. „Die derzeitige Entwicklung in der Ostukraine ist alarmierend“, sagte Lindner Handelsblatt Online. „Die deutsche Wirtschaft befürchtet jetzt rasche Sanktionen gegenüber Russland und im Ergebnis der Auseinandersetzungen erhebliche wirtschaftliche Folgeschäden in der östlichen Ukraine.“

Die Kosten möglicher Sanktionen ließen sich derzeit nicht beziffern, da die Art und der Umfang nicht klar seien, sagte Lindner weiter. Aber schon jetzt litten die deutschen Unternehmen unter der angespannten Lage. „Der Ost-Ausschuss ist nach wie vor gegen Wirtschaftssanktionen und für eine diplomatische Lösung, wird aber natürlich die Entscheidung der Politik akzeptieren“, so Lindner.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, fürchtet konjunkturelle Rückschläge in Europa, sollten gegen Russland Wirtschaftssanktionen verhängt werden. „Ein größeres Risiko sind mögliche Verwerfungen in Finanzmärkten - vor allem durch Turbulenzen und Verluste für die noch immer angeschlagenen Banken in Europa“, sagte Fratzscher Handelsblatt Online. „Dies würde die schwache und noch immer fragile Erholung der Wirtschaft der Euro-Zone gefährden.“

Ein weiteres großes Risiko für Deutschland sieht Fratzscher in der Abhängigkeit von russischem Gas. Knapp ein Drittel des Erdgasbedarfs decke Deutschland aus russischen Quellen. „Diese Abhängigkeit wird sich nicht kurzfristig reduzieren lassen und es könnte daher massive, negative Folgen haben - sowohl für Energiepreise und das Wirtschaftswachstum - wenn Russland seine Lieferungen reduziert und Absprachen nicht einhält“, sagte der DIW-Präsident. Auch einige deutsche Exporteure wären dann negativ betroffen.

Fratzscher betonte jedoch auch, dass die konkreten wirtschaftlichen Folgen von Wirtschaftssanktionen gegen Russland für Europa und Deutschland „enorm schwierig vorherzusagen“ seien, da sei von einer Reihe von Faktoren abhingen – „vor allem wie lange sie anhalten werden und wie Russland darauf reagieren wird“. Zeitlich beschränkte Sanktionen würden „nur geringe Auswirkungen haben, da sie lediglich zu Verzögerungen von Handelsströmen und Transaktionen führen werden“, sagte der DIW-Präsident.

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  • "Die Wirtschaft", dass ich nicht lache:

    Was ein für ein Euphemismus für gierige, korrupte, scheinheilige Geschäftemacher

  • Der Kapitalabfluss aus Russland setzt sich fort. Sehr gut. Liebe Amis, frackt was das Zeug hält und flutet den Markt mit Öl und Gas!
    Die Weltanschauung Putins gehört auf's Trockendock und abgewrackt.
    Der Kriegstreiber kommt hier aus Moskau.
    Und was die Zähne klappernden Wirtschaftskapitäne betrifft, so werden auch sie die Lektion lernen, dass zum Handel Vertrauen gehört, was wiederum Putin zerstört hat. Suchen Sie sich gefälligst vertrauenswürdigere Handelspartner und heulen sie nicht angesichts sinkender Boni herum! Steigende Arbeitslosigkeit? Wir hatten Ende der 90er über 5 Millionen Arbeitslose und haben es überlebt. Auch die Hartz IV-Empfänger.

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