Schäuble bei Beckmann

„Frankreich und Italien wanken nicht“

Die Euro-Krise, Griechenland und der umstrittene Hitler-Vergleich: An brisanten Themen mangelt es der ARD-Talkshow „Beckmann“ nicht, denn Finanzminister Wolfgang Schäuble ist ein Freund der klaren Worte.
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble: „Ich bin doch nicht so blöd, dass ich Hitler mit jemandem vergleiche.“ Quelle: dpa

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble: „Ich bin doch nicht so blöd, dass ich Hitler mit jemandem vergleiche.“

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BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble befürchtet durch die Euro-Schwergewichte Frankreich und Italien keine neuen Turbulenzen in der Währungsunion. „Frankreich und Italien, die wanken nicht“, sagte Schäuble in der ARD-Sendung „Beckmann“, die am Donnerstagabend ausgestrahlt werden sollte.

Frankreich habe gerade eine schwierige politische Situation, aber gute Wirtschaftszahlen, die besser seien als erwartet. „Frankreich bleibt ein starkes Land“, sagte der CDU-Politiker. Italien müsse vor allem die Leistungsfähigkeit seiner Verwaltung und Justiz verbessern und bei den Lohnstückkosten wettbewerbsfähig bleiben.

Schäuble ließ erneut offen, ob für Griechenland ein drittes Hilfspaket geschnürt werden muss. Es könne nicht ausgeschlossen werden. Gegenwärtig sage die griechische Regierung aber, sie könne es allein schaffen. Das Land könne in diesem Jahr erstmals wieder ein reales Wirtschaftswachstum schaffen. Es gebe Fortschritte und Griechenland sei auf dem richtigen Weg, aber nicht über den Berg. Kürzlich sagte Schäuble, in der zweiten Jahreshälfte werde man sehen, ob Griechenland noch einen Bedarf habe oder nicht.

Zugleich warnte Schäuble die Märkte, sich zu sehr an eine lockere Geldpolitik zu gewöhnen. „Wenn man sich an billiges Geld gewöhnt, ist es für eine Volkswirtschaft nicht immer ganz leicht, den Entzug zu verkraften“, sagte er bei der Aufzeichnung der Sendung. Derzeit seien die großen Notenbanken dabei, die alle ein Stück auf dem Wege der ultralockeren Geldpolitik gegangen seien, diese vorsichtig zurückzuführen.

Was den Bankensektor angeht, so ist man mit dessen Regulierung in Europa schon „ganz gut vorangekommen“, sagte Schäuble weiter. „Das Finanzsystem ist doch sehr viel krisenfester geworden“, unterstrich er. Dennoch sei auf diesem Felde der Regulierung noch Einiges zu tun. So werde man sich am Rande der IWF-Frühjahrestagung in der kommenden Woche mit den Schattenbanken beschäftigen.

Wegen seiner umstrittenen Äußerungen zur Ukraine-Krise sieht sich der Finanzminister zu Unrecht am Pranger. Er habe niemanden mit Adolf Hitler verglichen. „Ich bin doch nicht so blöd, dass ich Hitler mit jemandem vergleiche.“ Dies könne man nicht vergleichen. Er habe Schülern die Situation rund um die Krim-Krise erklärt, woraus dann ein Satz isoliert veröffentlicht worden sei.

Schäuble hatte bei der Veranstaltung zu Wochenbeginn Parallelen zwischen Russlands Vorgehen auf der Krim und der Annexion des Sudetenlandes 1938 durch Nazi-Deutschland gezogen. Mit Blick auf ein mögliches Szenario hatte er den Schülern gesagt: „Das kennen wir alles aus der Geschichte. Mit solchen Methoden hat schon der Hitler das Sudetenland übernommen – und vieles andere mehr.“ Zugleich hatte er betont, die Russen würden mit niemandem verglichen.

Braune Ausrutscher
Schäuble stellt Bundeshaushalt 2014 vor
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Dann Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte auf einer Veranstaltung vor Schülern: Wenn die Regierung in Kiew die Polizei nicht mehr bezahlen könne, „dann nehmen natürlich irgendwelche bewaffnete Banden die Macht in die Hand. Dann sagen die Russen, das geht gar nicht, jetzt haben wir irgendwelche Faschisten an der Regierung, die bedrohen unsere russische Bevölkerung.“ Eine solche Situation könne Russland dann zum Anlass nehmen um zu sagen: „Jetzt müssen wir sie schützen, das nehmen wir zum Grund um einzumarschieren.“ Dann zog er den Vergleich: „Das kennen wir alles aus der Geschichte. Solche Methoden hat schon der Hitler im Sudetenland übernommen – und vieles andere mehr.“ Hitler hatte die Zerschlagung der Tschechoslowakei und die Eingliederung des Sudetenlandes in das Deutsche Reich mit dem Schutz der dort lebenden drei Millionen Deutschen begründet.

Julia Timoschenko
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Julia Timoschenko entgleist verbal – und sorgt damit für Wirbel: In einem „Bild“-Interview wirft die frühere ukrainische Regierungschefin dem russischen Präsidenten Putin vor, die Welt zerstören zu wollen. Er versuche, den Status Quo nach dem Zweiten Weltkrieg aufzubrechen und die Weltordnung durcheinander zu bringen – die „Neuzeichnung von Weltkarten durch Kriege, Massenmord und Blut wird zu seinem 'Mein Kampf'“. Der indirekte Vergleich mit dem deutschen Diktator Adolf Hitler ist bei weitem nicht die erste prominente Äußerung dieser Art. Selbst in der Krim-Krise wurde ein ähnlicher Vergleich angewendet.

Hillary Rodham Clinton
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Die ehemalige amerikanische First Lady und Außenministerin Hillary Clinton hatte bei einer Rede zur Krise in der Ukraine das Handeln des Kremlchefs Putin mit dem Satz kommentiert: „Wenn einem das bekannt vorkommt, es ist das, was Hitler damals in den 30er Jahren tat.“ Später relativierte die 66-Jährige ihre Äußerung: „Ich stelle sicherlich keinen Vergleich an, aber ich empfehle, dass wir aus dieser Taktik, die schon mal genutzt wurde, lernen können.“

DAEUBLER GMELIN
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Herta Däubler-Gmelin stolperte über einen Artikel des „Schwäbischen Tagblatts“: Die SPD-Politikerin soll während des Bundestagswahlkampf 2002 den damaligen US-Präsidenten George W. Bush attackiert haben, in dem sie ihm vorwarf, wie „Adolf Nazi“ mit der Außenpolitik von innenpolitischen Problemen abzulenken. Die frühere Justizministerin wurde danach bei der Kabinettsbildung nicht mehr mit einem neuen Amt bedacht.

Eva Hermann
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Ihre Äußerungen zur Familienpolitik der Nazi-Zeit kostete die Fernsehmoderatorin Eva Herman ihren Job beim NDR. Als sie 2007 ihr Buch "Das Eva Prinzip" vorstellte, sagte sie: „Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das - alles, was wir an Werten hatten - …; es war „ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle. Aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben…“

Der NDR-Programmdirektor Volker Herres reagierte und sagte: "Frau Hermans schriftstellerische Tätigkeit ist aus unserer Sicht nicht länger vereinbar mit ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin und Talk-Gastgeberin."

Director Von Trier poses during an interview with Reuters in Mougins
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Der dänische Regisseur Lars von Trier sorgte beim Film Festival in Cannes mit seinen Nazi-Aussagen für Aufruhr. Bei einer Pressekonferenz erklärte der 55-Jährige, dass seine Familie deutsche Wurzeln habe und sagte wortwörtlich „Ich bin ein Nazi“. Außerdem fügte er hinzu: „Ich verstehe Hitler. Ich glaube, dass er ein paar schlechte Dinge gemacht hat, klar, aber ich kann ihn mir in seinem Bunker vorstellen, am Ende.“ Auch halte er Israel für eine Plage. Von Trier wurde daraufhin vom Festival in Cannes offiziell zur „unerwünschten Person“ erklärt.

Electronic copy of front page of The Sun newspaper shows Britain's Prince Harry wearing swastika armband
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Mit einer mehr als unpassend gewählten Verkleidung schockierte Prinz Harry im Jahr 2005. Auf einer Kostümparty erschien er als Nazi verkleidet und empörte damit nicht nur das Königshaus, sondern auch die Vertreter der jüdischen Gemeinde. Der Bruder von Prinz William entschuldigte sich öffentlich für den peinlichen Auftritt.

  • dpa
  • rtr
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1 Kommentare zu "Schäuble bei Beckmann: „Frankreich und Italien wanken nicht“"

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  • ...von wegen Wanken...

    hofften "Don-Kommandeure" ebenfalls im Tausendjährigen Reich, als sich iberisch und rumänische Einheiten moralisch auflösten.
    Irgendwie erinnert Schäuble immer wieder mit seine Diktion an ollen Geschichten, unser lieber ewig gestriger Gesell aus Kohls Satrapenersatztruppe.

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