Schäuble-Berater
„Deutsches AAA-Rating in Gefahr“

Clemens Fuest wertet die Abwertung der Bonität Frankreichs als Warnsignal. Der Schäuble-Berater glaubt,  dass nun die Retter selbst an ihre Grenzen stoßen. Warum, erläutert der Finanzwissenschaftler im Interview.
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Oxford/BerlinNach Ansicht des Regierungsberaters Clemens Fuest zeigt die Abwertung der Kreditwürdigkeit Frankreichs, dass nun die Retter selbst an ihre Grenzen stoßen. „Dieser Prozess wird weitergehen, wir stehen vor einem wirtschaftlich wahrscheinlich nicht so tollen Jahr und das wird auch Deutschland und Frankreich nicht unberührt lassen“, sagte der an der Universität Oxford lehrende Wirtschaftsprofessor der Nachrichtenagentur dpa. Der Berater von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bezifferte die Chance, dass daher auch Deutschland seine Topbonität verlieren könnte, auf 50:50.

Herr Fuest, muss Deutschland nach der Abwertung für Frankreich damit rechnen, mehr Geld für den Euro-Rettungsschirm EFSF bereit stellen zu müssen?

Clemens Fuest: „Man muss sehen, dass sich nun das ganze Umfeld verändert, viele AAA-Staaten gibt es ja nicht mehr. Österreich ist wegen seiner Ausdehnung nach Osteuropa unter Druck geraten, in Frankreich ist die Verpflichtung auf einen Sparkurs bisher nicht so stark wie in anderen Ländern. Die Folgen für den EFSF sehe ich aber nicht so dramatisch. Was da passieren kann, sind etwas höhere Refinanzierungskosten, die treffen dann im Prinzip auch Deutschland. Ob das tatsächlich so kommt, ist aber noch unklar, weil ja die Regeln eigentlich besagen, dass die Finanzierungskosten von den Kreditnehmern, also Ländern wie Irland oder Portugal, getragen werden. Es könnte daher sein, dass die Finanzierungskosten für die Kreditnehmer etwas ansteigen. Da sie aber selber teilweise sehr, sehr hohe Refinanzierungskosten am normalen Kapitalmarkt hätten, sind die so immer noch besser bedient.“

Also alles kein Problem?

Fuest: „Das Hauptproblem ist, dass die Länder, die mit immer neuen Krediten retten wollen, nun selbst an ihre Grenzen stoßen. Dieser Prozess wird weitergehen, wir stehen vor einem wirtschaftlich wahrscheinlich nicht so tollen Jahr und das wird auch Deutschland und Frankreich nicht unberührt lassen.“

Dann muss also auch Deutschland weiter mit einem Verlust seiner Topbonität rechnen?

Fuest: „Die Chancen stehen 50 zu 50. Wenn sich die anderen Länder rasch erholen, gibt es eine Chance, dass Deutschland noch einmal drum herum kommt. Man muss aber auch sehen, so ein fürchterliches Drama wäre das auch nicht. Die USA sind ja auch herabgestuft worden. Deutschland würde dann etwas weniger als der ganz sichere Hafen angesehen werden. Und der Außenwert des Euro könnte stärker unter Druck kommen. Bei einem Szenario, wo selbst Deutschland nicht mehr seine Schulden zurückzahlen könnte, würde jedermann erwarten, dass die Europäische Zentralbank auf den Plan tritt und von der geldpolitischen Seite Entlastung geben wird, so wie in den USA oder in Großbritannien. Es wird sicher nicht zum Staatsbankrott kommen.“

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Asymmetrie zwischen Deutschland und Frankreich

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  • Dh diejenigen, die am meisten gegen die Maastricht-Kriterien verstoßen haben, werden belohnt? Und was machen die solideren Staaten mit ihrem "Bad-Fonds", wenn die Unsoliden sie erpressen, sie könnten dieses Jahr leider keinen Kapitaldienst leisten, sie hätten gerade Wahlen, naturkatastrophen, den falschen Koalitions-partner, kein Geld, keine Lust (wahlweise anzukreuzen)? Dann müssen in diesem Jahr die Solideren einspringen. Und was passiert nächstes Jahr? Sie sehen, das klappt einfach nicht - der moral hazard ist zu groß.

  • Die Ratingagenturen werden vom Investor gebraucht, weil Staatsfinanzierung so ziemlich das Intransparenteste ist, was es am Finanzmarkt gibt. Blicken Sie doch allein auf uns: Wir sind offiziell mit 82% des BIP verschuldet. Müßte der Staat jedoch eine Bilanz nach normalen Regeln aufstellen also incl Schatten-haushalten, zukünftigen Verbindlichkeiten (Rentenkasse, Pensionen) etc., dann streiten die Experten, ob es 280 oder 350% des BIP sind. Das heißt, wir verfrühstücken gerade die gesamte Wirtschaftsleistung des Jahres 2016...

  • Die Deutschen sind leider so dumm wie trockenes Brot, den diese Lügenwährung EUro wird Deutschland letztenendes in den Abgrund stürzen. Unverständlich wie sich die deutsche Bevölkerung von der EU und EUro Lügenpropaganda ruhigstellen läßt, es scheint als gehe es den Deutschen noch zu gut und der Großteil hat die Lügengeschichte vom EUro noch nicht begriffen oder kümmert sich nicht darum.
    Aber irgendwann werden sie es begreifen aber vielleicht schon zu spät, dann haben die Schmarotzerstaaten das deutsche Volksvermögen unter sich aufgeteilt. Zu irgendetwas muß das Geld der deutschen Sparer und Häuslebauer ja gut sein ...
    Die EZB druckt ja schon fleißig Lügenwährung um die Staatshaushalte der Schmarotzerstaaten zu finanzieren, einfach nur erbärmlich wie dies alles hingenommen wird.

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