Schäuble im Gespräch „Für Europa gibt es keinen bequemen Weg“

Im Handelsblatt-Interview erklärt Bundesfinanzminister Schäuble, warum Sparen und Wachstum kein Widerspruch ist und wo es bei der Euro-Rettung hapert. An der Kandidatur für den Chefposten der Euro-Gruppe hält er fest.
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Wolfgang Schäuble beim Interview. Quelle: Andreas Labes für Handelsblatt

Wolfgang Schäuble beim Interview.

(Foto: Andreas Labes für Handelsblatt)

BerlinHerr Minister Schäuble, angeblich werden in der Druckerei De La Rue in den Niederlanden bereits griechische Drachmen gedruckt, um den Austritt Athens aus der Euro-Zone vorzubereiten. Der Börsenkurs dieses Druck-Unternehmens steigt seit Tagen. Können Sie diese Meldungen bestätigen?
Ihre Angeblichkeiten sind Unsinn. Ich habe nicht die geringste Absicht...

...eine Mauer zu bauen?

... mich auf derartige Spekulationen einzulassen.

Sie halten ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro-Verbund demnach nicht für ein realistisches Szenario, das wir womöglich in den nächsten Monaten erleben könnten?

Griechenland muss selbst entscheiden. Ich halte jedenfalls nichts davon, dass in einer schwierigen Lage an den Finanzmärkten und in Griechenland selbst neue Spekulationen in die Welt getragen werden. Außerdem sind die großen Weltuntergangsszenarien noch nie bestätigt worden.

Es gibt inzwischen zwei Arten von Prognosen, die nicht eingetreten sind. Die eine ist das von Ihnen zitierte Weltuntergangsszenario - und das andere ist Ihre Prognose, dass der Rettungsschirm EFSF den deutschen Steuerzahler nie mehr als 210 Milliarden Euro kosten wird.

Wieso? Der EFSF ist nie aufgestockt worden. Wir haben immer gesagt, dass der EFSF 440 Milliarden Euro Ausleihvolumen enthält, für die wir Garantien von 210 Euro Milliarden bereitstellen. Wir waren uns aber immer einig, dass dieser kurzfristige Rettungsschirm möglichst schnell durch eine dauerhafte Finanzinstitution ersetzt werden muss. Sie erinnern sich vielleicht, dass der deutsche Finanzminister schon frühzeitig gesagt hat, wir brauchen so etwas wie einen europäischen Währungsfonds. Damals haben alle erschreckt reagiert. Der ESM kommt dem nun sehr nahe.

Mit dem neu geschaffenen permanenten Rettungsschirm und den weiterlaufenden EFSF-Hilfen hat sich die Gesamthaftungssumme für den deutschen Steuerzahler nochmals deutlich erhöht - auf nunmehr 280 Milliarden Euro.

Wie eben gesagt: EFSF und ESM sind getrennte Veranstaltungen.

Warum tun Sie sich so schwer, der deutschen Öffentlichkeit zu sagen, dass die Gesamtsumme der Euro-Rettungspolitik immer höher geworden ist?

Diese Aussage wird auch nicht richtiger, wenn manche Medien immer wieder versuchen, diesen Eindruck zu erwecken.

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Wortbruch gegenüber dem Steuerzahler?
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64 Kommentare zu "Schäuble im Gespräch: „Für Europa gibt es keinen bequemen Weg“"

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  • Ich kann das Gelalle von "Europa" nicht ertragen. Ich bin dafür, daß jeder, der (nach mir!) "Europa" sagt, fünfzig Peitschenhiebe auf die Fußsohlen bekommt und mit einem unbezahlten Praktikum in den CDUCSUSPDGRÜNLINKEFDP-Pöbelparteizentralen betraft wird.

  • 'abcdefg' sagt
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    Die Politik muss sich daher klar werden, ob sie eine politische Union will, oder nicht und sie muss vor allem beurteilen können, ob ihre Bürger das mittragen wollen, oder nicht. Ohne politische Union keine Zukunft des Euro.
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    Unsinn.

    Solange Währungen an den Goldstandard gebunden waren gab es jahrhundertelang eine internationale Währung. Dukaten, Florentiner etc. waren lediglich Denominationen des gleichen Wertträgers, so wie Euros und Cents.

    Funktioniert hat das auch ohne Weltregierung.

    Natürlich gab es da Blasen, Krisen und Staatsspleiten.

    Wie auch in Staaten mit ihrer eigenen Papierwährung - Großbritannien und Argentinien seien als Beispiel aus jüngerer Zeit erwähnt.

    ++++

    'abcdefg' sagt
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    Die Krise könnte längst beendet sein, wenn nicht zweitklassige und oft wenig integre Strategen statt echter Könner am Werk wären
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    Sollten Sie bei den "echten Könnern" an sich selbst denken? ;)

  • 'abcdefg' sagt
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    Es ist im Prinzip ganz einfach.
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    Das wünschen Sie sich vielleicht. Aber einfach genug für Sie ist es leider nicht.

    ++++

    'abcdefg' sagt
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    Die Krise wird so lange anhalten, wie der schon oft beschriebene Geburtsfehler des Euro besteht.
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    Welche "Krise" ?

    Portugal und Irland sind auf dem Weg der Besserung.

    Griechenland wird demnächst operativ entfernt.

    Italien und Spanien haben die Zinssätze die sie verdienen.

    Die müssen ihre Haushalte sanieren und Volkswirtschaften reformieren, wenn sie niedrigere haben wollen.

    Und was sollen diese "Geburtsfehler des Euro" sein?

    ++++

    'abcdefg' sagt
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    In einem Portfolio von 15 Euroländern werden niemals alle Staaten gleichzeitig die Konvergenzkriterien erfüllen.
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    Erstens sind es 17 und nicht 15. Und zweitens fehlt in jeder Schulklasse immer irgendeiner wegen Krankheit.

    Ohne daß daurch das Auseinanderbrechen des Klassenraums eingeläutet würde.

    ++++

    'abcdefg' sagt
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    Der Stabilitätspakt wirkt zukünftig krisenverschärfend, da ihn auch starke Länder wohl nur mit Problemen einhalten werden können udn die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit der gewählten Grenzen zu hinterfragen ist.
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    "Probleme" bei der Einhaltung der Schuldengrenzen gibt es nicht. Was es gibt sind Schmerzen, so wie bei einem Kater nach heftigem Alkoholgenuß.

    Was bei disziplinlosen Kandidaten zum Griff nach der Flasche führen kann.

    Oder, wenn Sie sich keinen Schnaps mehr leisten können, zu Betteltouren a la Samaras, Monti und Rajoy.

    Und die Schuldengrenzen haben sicher eine höhere "wirtschaftliche Sinnhaftigkeit" als grenzenlose Verschuldung.

  • Er hat den Überblick verloren. Und sollte sich aus der Politik zurückziehen. Was er erzählt und was Brüssel macht, da ist ein grundlegender Unterschied. Deutschland sollte sich endlich der Realität stellen. Deutschland soll nach EU-Meinung für alles zahlen. Und ansonsten den Mund halten! Mitreden in der EU darf es aufgrund der Mehrheitsverhältnisse nicht mehr. Nur sagt das niemand dem Volk!

  • @IIIoinen
    Bravo!!! Völlig richtige Feststellung.

  • @Boersenrat
    Wer hat den die maroden Banken retten müssen und sich dafür verschuldet? Die Staaten haben bisher 4,5 Billionen gezahlt. Es ist insoweit schon logisch falsch etwas, was nach den drohenden Bankenpleiten folgte für das vorangegangene verantwortlich zu machen. Die Finanzkrise hat im April 2008 mit der Lehman Brothers Insolvenz begonnen und dauert bis heute an. Dass die Finanzlobby es fertig gebracht hat, die Finanzkrise in eine Staatsschuldenkrise umzuwidmen, ist eine zwar propagandistisches Meisterleistung. Ändert aber nichts an den Fakten. Nicht die Staatsschulden sind das Problem, sondern der wiederum von der Finanzindustrie im Schulterschluss mit den Ratingagenturen hochspekulierte Zins. Hätte die Eurozone eine Zentralbank wie die USA oder Japan, gäbe es keine Schuldenkrise. Was es aber davon unabhängig gibt, ist die Finanzkrise, verursacht durch die Banken.

  • Im Zweifel sind immer die Anderen Schuld? Auch Deutschland trägt eine gewaltige Mitschuld an dieser Eurokrise. Da ja Deutschland nach der Euroeinführung, den größten Niedriglohnsektor in Europa eingeführt hat,(und Deutschland ist ja auch noch stolz) wurde die Wettbewerbsfähig anderer Länder massiv untergraben. Deutschland als größte Volkswirtschaft in Europa, trägt also eine Mitschuld der Probleme vieler kleinen Länder in der EU. Dies wird hier aber überhaupt nicht erwähnt. Noch nie hat sich ein Land durch kaputt sparen erholt. Schon vergessen das Brünnigsche Sparpaket und dessen Folgen?

  • Ich frage mich, wieso es immer mehr Blogger gibt, die lieber werten, statt irgend einen sachlichen Beitrag zur Lösung bei zu steuern.

  • @mondahu
    ist Ihnen bekannt wie viel Geld in die reale Wirtschaft weltweit investiert wurde und wird? Und wie viele in Spekulationen weltweit? Wenn nur ein Bruchteil dieser Spekulationen in die Realwirtschaft gesteckt worden wäre, hätten wir nicht diese Massenarbeitslosigkeit!Warum kann ein Millardär, dank der vielen Internationalen Möglichkeiten, sich ganz legal "arm" rechenen? Haben die vielen Taglöhner, Arbeitslose und die Milliarden von Hungerden weltweit wirklich über "ihre Verhältnisse" gelebt"? Oder ist es nicht in Wirklichkeit so, dass die die Massen von Menschen durch Verarmung und Versklavung, einige wenige super reich gemacht hat?

  • @Illoinen

    Oh ja, man muß die Dinge imgrößeren Zusammenhang sehen. Zum Beispiel so:
    Alle reden von der Globalisierung. Sie ist real und technologiegetrieben, insofern also unumkehrbar. Jeder erwartete sich davon Vorteile, was theoretisch ja auch stimmt. Nur das Tempo ist zu hoch und nicht steuerbar. Der rasche Schwerpunktwechsel vom Westen in den Osten führt zu einer relativen Verarmung des Westens. Als vor etwa zwanzig Jahren sich die ersten volkswirtschaftlichen Folgen im Westen zeigten (fehlendes Wachstum, zunehmende Arbeitslosigkeit, klamme Staatshaushalte), wurde dies als eine Konjunkturdelle angesehen und als solche behandelt, nämlich mit Aktionismus und leichtem Geld (Gruenspan und FED). Niemand sah es oder wollte es dem Wahlvolk eingestehen, daß sich ein grundsätzlicher Wandel anbahnte. Die Folge war der kollektive Marsch in die falsche Richtung: billiges Geld, Konjunkturprogramme, Blasen aller Art in rascher Folge (die nächsten stehen schon hinter der Tür), soziale Umverteilung auf Pump (um wenigstens den status quo des Lebensstandards zu halten und den Wähler ruhig zu stellen). Das ist im Kern der Grund für die allgemein katastrophale Verschuldung der westlichen Industriestaaten. Langfristig gesehen ist damit deren (relativer) Niedergang besiegelt. GR ist nur das schwächste Glied in der Kette und macht den Anfang. Alle anderen, die PIFIGS, selbst die USA und UK werden folgen, hinhaltend zwar wegen der immensen Substanzwerte, die erst verzehrt werden, aber letzten Endes doch.

    Herr Schäuble ist da nur ein kleines Rädchen im Getriebe, das sich eben so mitdreht.

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