Schäuble soll eingreifen
Politiker wollen Gehaltsexzess von Commerzbank-Chef kippen

Der Commerzbank-Chef steigert sein Gehalt um 160 Prozent und erntet dafür harsche Kritik. SPD und Grüne werten den Vorgang bei der teilverstaatlichten Bank als inakzeptablen Exzess und fordern Konsequenzen.
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BerlinDass der Chef der teilverstaatlichten Commerzbank Martin Blessing 2012 wieder ein Millionengehalt bekommt, stößt auf massive Kritik in der Politik und bei Aktionärsschützern. „Es gibt skandalös niedrige Löhne und skandalös hohe Gehälter. Beides muss geändert werden“, sagte der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, Handelsblatt Online. “Vorgänge wie dieses überdimensionierte Banker-Einkommen  fördern die Politik- und Demokratieverdrossenheit“, warnte das SPD-Bundesvorstandsmitglied . Es entstehe der Eindruck, dass Banken gerettet, die Arbeitnehmer zahlen und die Bosse kassieren abkassieren würden. „Das ist der Stoff, der radikalen Parteien Zulauf bringt.“

Auch die Grünen halten das Ende der Gehaltsbegrenzung für Blessing für nicht hinnehmbar. Selbst wenn die Aufhebung des Gehaltsdeckels den Vorgaben des sogenannten Restrukturierungsgesetzes entspreche, sei die Steigerung um 160 Prozent auf 1,3 Millionen Euro „exzessiv“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, Handelsblatt Online. „Sie passt nicht in die Zeit, in der Aktionäre weltweit die Gehälter von Vorständen kritisch hinterfragen.“

Die Gehaltssteigerung sei vor allem auch „unangemessen“, solange die stille Einlage des Bundes nicht verzinst werde, weil im Abschluss laut deutschem Handelsgesetzbuch (HGB) kein Gewinn ausgewiesen wird. Schick rief daher Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zum Handeln auf. „Solange die gegenwärtige Rechtslage gilt, fordere ich die Bundesregierung auf, für den Bund als größten Anteilseigner im Interesse des Steuerzahlers einzugreifen“, sagte er.

Der Grünen-Politiker machte Schwarz-gelb für das Millionengehalt verantwortlich, da jetzt die Gesetzesänderung greife, die die Koalition 2010 extra mit Blick auf die Commerzbank vorgenommen habe. Damals wurde das Finanzmarktstabilisierungsgesetz so geändert, dass die Gehaltsdeckelung von 500.000 Euro bei geretteten Banken entfällt, wenn das gestützte Unternehmen mindestens die Hälfte der Rekapitalisierung zurückgezahlt hat. Das ist bei der Commerzbank mit der Rückzahlung von stillen Einlagen im Jahr 2011 der Fall gewesen. „Die Verantwortung für die Gehaltssteigerung von Herrn Blessing trägt also die schwarz-gelbe Koalition“, sagte Schick. „Sie darf jetzt die Verantwortung nicht an den Aufsichtsrat abschieben.“ Die Gesetzesänderung zugunsten des Commerzbank-Vorstands sei auch heute falsch. „Wir fordern die Koalition auf, diese Gesetzesänderung zurückzunehmen.“

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  • @Anleger: Zur Leistung des Coba-Vorstands habe ich eine klare Meinung, wie in einem früheren Beitrag von mir gut nachlesbar ist. Wo die Parallelen zur DB liegen sollen, ist mir aber nicht klar, auch wenn deren Aktionäre ebenfalls nicht glücklich sein dürften.

  • Seit Jahren halten wir Commerzbank Mitarbeiter den Kopf hin für viele Probleme und Fehler die das Management verursacht hat und müssen uns von den Führungskräften erklären laasen, das Gehaltserhöhungen aufgrund der schlechten Lage der Bank nicht möglich sind. Auch hier ist wie überall der Kleine ist der Dumme und die ober Führungskräfte stopfen sich zu lasten der vielen Mitarbeiter die Tasche voll.

  • Bleiben Sie auf dem Teppich, Delta. Wer, wenn nicht der Vorsitzende, hat den Rückgang der Coba-Aktie von über 25€ auf nunmehr 1,54 € denn zu verantworten? Und inwiefern qualifiziert eine hohe Bilanzsumme die Fähigkeiten des Vorsitzenden? Sehen Sie, Nullen gibt es überall, in Politik und Wirtschaft.

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