Schäuble über Hoeneß: „Er hat mehr als großen Mist gebaut“

Schäuble über Hoeneß
„Er hat mehr als großen Mist gebaut“

Finanzminister Wolfgang Schäuble findet den öffentlichen Aufschrei wegen der Steueraffäre von Bayern-Präsident Uli Hoeneß nachvollziehbar. Das Thema schadet der Union. Hoeneß soll nun über einen Deal verhandeln.
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BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat Uli Hoeneß für dessen Steueraffäre ungewöhnlich heftig gescholten. "Er hat mehr als großen Mist gebaut. Steuerhinterziehung ist grundsätzlich eine Straftat", sagte Schäuble der Zeitung "Bild am Sonntag".

Mitleid mit dem Präsidenten und Aufsichtsratchef des FC Bayern München, der in einem Interview mit der "Zeit" über Schlafprobleme geklagt hatte, zeigte der CDU-Politiker nicht: "Ich empfände es als schwierig, wenn Uli Hoeneß sagen würde: Mir geht es prima, ich schlafe bestens."

Den öffentlichen Aufschrei wegen der Steuerhinterziehung des prominenten Fußball-Managers begründete Schäuble mit dessen herausgehobener Rolle und seinem sozialen Engagement. "Er muss jetzt mehr Kritik ertragen, als andere. Und darüber kann Uli Hoeneß sich kaum beklagen. Denn er ist ja jemand, der die Gesetze der Medienwelt kennt und sich in der Vergangenheit auch nicht durch große Zurückhaltung in der Öffentlichkeit ausgezeichnet hat."

Die Steueraffäre schadet den Regierungsparteien. Die Union ist in der aktuellen Emnid-Umfrage auf 37 Prozent und damit den schlechtesten Wert seit gut einem halben Jahr abgesackt, wie die "Bild am Sonntag" berichtet. CDU/CSU verlieren damit zur Vorwoche drei Punkte, wie die Umfrage im Auftrag der Zeitung ergab.

Die Steueraffäre um Bayern-München-Präsident Uli Hoeneß und die Beschäftigung von Familienmitgliedern durch Politiker in Bayern gelten dafür als Gründe. "Es hat in letzter Zeit eine Reihe von Ereignissen gegeben, die das Vertrauen der Bürger in wirtschaftliche Eliten erschüttert hat", sagte Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner dem Blatt. "Dazu gehört in gewissem Maße sicherlich der Fall Hoeneß und der Umgang mit Steuersündern, aber auch die Amigo-Affäre in Bayern. Weil die Union als besonders wirtschaftsnah gilt, bekommt sie den Unmut direkt zu spüren."

Die SPD verharrt in der Umfrage bei 27 Prozent, während es je einen Punkt aufwärts geht mit den Grünen auf 15, der FDP auf fünf und der Piratenpartei auf vier Prozent. Die Linkspartei liegt unverändert bei sieben Prozent, die Sonstigen Parteien bei fünf Prozent - davon zwei Prozent für die "Alternative für Deutschland".

Vor kurzem war bekanntgeworden, dass Hoeneß im Januar mit einer Selbstanzeige die Hinterziehung von Steuern eingeräumt hat. Er soll nach Medienberichten die Erträge von Kapitalanlagen in der Schweiz vor dem Fiskus verborgen haben.

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  • @@NoBailout,
    falsch was Sie hier erzählen, wenn Deutschland viele Hoeneße hätte währen die Steuereinahmen noch viel höher. Herr Hoeneß gibt Menschen Arbeit, er zahlte bereits 50 Mio. an Steuern, auch das Geld in der Schweiz war vorab versteuert, lediglich die Zinsen und ggf. der Gewinn aus den Spekulationen wurden nicht versteuert. Nur um ein Politikum daraus zu machen wir Herr Höneß jetzt angegangen, am Besten ist es den Sitz seiner Firma und seinen Wohnort in die Schweiz verlegen und dann können die Grünen mit der SPD erklären was künftig besser ist. Die ganzen Probleme hätten wir gar nicht erst wenn jeder mit seinem versteuerten Einkommen machen könnte was er wolle, denn beim Ausgeben fallen ja nochmals die MwSt. an, der Staat könnte auch viele Staatsdiener im Steuerbereich einsparen ganz abgesehen vom Kontrollwahn in Deutschland.
    Schafft endlich die Ausnahmen bei den Steuern ab, alle Einnahmen ob privat oder in der Wirtschaft gehören versteuert und ab diesem Zeitpunkt ist es egal was wer mit seinem Geld macht.

  • Veruntreuung von Steuergeldern steht, soweit mir bekannt, tatsächlich derzeit nicht groß auf der Agenda der Gerichte.
    Aber der ehemalige Bundespräsident, Herr Wulff, hat sich wohl demnächst für einen Kredit i. H. von einer halben Million Euro, der für den Kauf einer (der Einzigen?) Immobilie investiert wurde, zu verantworten.
    Vergleicht man diese beiden prominenten Fälle, sind an sich, zumindest für diejenigen, die im Fußball (oder männlich dominiertem Profisport allgemein) nicht den Heiligen Gral sehen, die Konequenzen, die Herr Hoeneß zu ziehen hat, offensichtlich.
    Da hilft weder das Gejammere, ja eigentlich das arme Opfer von irgendwas wie Spielsucht zu sein genau so wenig, wie die von seinen Befürwortern geforderte Amnesie wegen angeblich besonderer Bedeutung für die deutsche Gesellschaft.

  • Gnade vor Recht für einen der von denen die ihn am meisten bejubelt haben an den Rand des Selbstmords getrieben wird. Schadenfreude und Neid dürften hierbei die größte Triebfeder und weniger der Anspruch rechtsstaatlicher Bedürfnisse, Grund sein.

    Welche Gerichtsverhandlungen stehen aktuell für die Veruntreuung von Steuergeldern durch Politiker an?

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