Schäuble verteidigt Krisenbank
HRE-Boni wegen „hoher Arbeitsbelastung“ der Banker

Das Bundesfinanzministerium hat die umstrittenen Bonus-Zahlungen von 25 Mio. Euro an Mitarbeiter der inzwischen verstaatlichten Pleitebank Hypo Real Estate (HRE) gerechtfertigt. Der Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble, Michael Offer, sagte am Montag in Berlin, die einmaligen Ausgleichszahlungen seien notwendig und „nicht unangemessen“, um erfahrene Spezialisten im Unternehmen zu halten.
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HB BERLIN. Das Geld solle zudem die „hohe Arbeitsbelastung“ während des akuten Krisenmanagements im Jahr 2009 kompensieren. Offer sagte, eine Abwanderung hochqualifizierter Fachleute würde die Bankgeschäfte und damit auch die milliardenschweren Hilfsgelder der Steuerzahler gefährden. Man brauche das Know-How dieser Mitarbeiter, um in einer „hochkomplexen Aktion“ wie geplant Risikopositionen und Geschäftsbereiche im Volumen von 200 Mrd. Euro in eine „Bad Bank“ abzuspalten. Zudem werden laut Offer mit der Auszahlung der 25 Mio. Euro weitaus höhere Bonus-Ansprüche aus den Arbeitsverträgen einzelner Banker abgegolten.

Beschlossen wurden die Bonus-Zahlungen bereits im Juni vom HRE-Vorstand. Mitgetragen wurde der Beschluss nach den Worten Offers auch vom Finanzministerium, das im Aufsichtsrat sitzt. Auch der Bankenrettungsfonds Soffin hat den umstrittenen Vorgang geprüft.

Offer sagte, die Kritik an den Bonus-Zahlungen sei nur auf den ersten Blick verständlich, nun hoffe er aber darauf, „dass sich die Diskussion versachlicht“. Regierungssprecher Chistoph Steegmans ließ erkennen, dass Kanzlerin Angela Merkel die Bonus-Zahlung kritisch sieht. „Wenn Menschen sagen: Uns fällt es schwer, das zu verstehen, kann die Bundesregierung dies gut nachvollziehen“, sagte Steegmans. Fraglich sei, ob bei der HRE das notwendige „Maß an Zurückhaltung“ herrsche. Die HRE hatte den Zusammenbruch der Finanzmärkte im Herbst 2008 nur durch massive staatliche Garantien überstanden.

Die HRE hatte nach einem „Spiegel“-Bericht am Wochenede mitgeteilt, es seien rund 1 400 Mitarbeitern, nicht aber dem Vorstand, für 2009 einmalige Zahlungen angeboten worden. Die Zusagen von 25 Mio. Euro entsprächen „einem Bruchteil“ der Bonuszahlungen im Konzernverbund vor der Krise. „In keinem Fall“ überstieg die Summe aus Festgehalt für 2009 und Bonus den Betrag von 500 000 Euro, betonte die Bank in ihrer Stellungnahme.

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  • Die bonizahlung ist eine Schutzmaßnahme der bundesregierung um zu verhindern das hochqualifizierte HRE Mitarbeiter zu anderen banken abwandern und das gleiche Chaos auslösen.
    Ausserdem sind diese banker systemrelevant und verhalten sich auch dementsprechend und schreiben keine bücher.

  • Seit gut 2 Jahre hören wir Steuerzahler immer wieder, dies und das sind alternativlos, wir müssen so handeln.
    Selbst wenn die HRE eine so genannte systemiosche bank sein soll, so haben dort alle komplet versagt. Und jetzt werden sie mit unseren schwer verdienten Geldern noch von beamten und Ministern gerettet. Da alternativlos.
    Wenn die Politik seit 2 Jahren die banker/Verursacher entsprechend behandelt hätten, dass sie an dem Dilemma mitbezahlt hätten, dann wären genügend auf der Strasse, die den HRE-Mist aufgesammelt hätten. Stattdessen ist alternativlos, man muss sie behalten und für den Mist entlohnen.
    Außerdem werden sie uns € 185 Mrd. Schrott hinterlassen, den wir auch noch abbezhlen müssen. D.h. vermutlich unsere Nachkommen.

  • Lieber Finanzminister,

    Die haben doch völlig den Realitätsbezug verloren, und Sie jetzt anscheinend auch. Das ist doch ganz einfach, eigentlich hätte diese bank abgewickelt werden müssen, wie jede andere insolvenz. Dann hätten die Herrschaften mit viel Glück ihr Salär bekommen, aber auch nur das quotenmässig, oder gar nichts. Es war ja nichts mehr zum Verteilen da.

    Von nichts kann man also keine boni zahlen.

    Wenn ich nichts auf dem Konto habe, kann ich mir ja auch nichts kaufen, so einfach ist das. So was nennt man common sense, oder auch gesundes Verhältnis zum Geld. ich komme ja auch nicht auf die idee, meinen Nachbar zu fragen, ob der mir meinen nächsten Luxusurlaub oder meinen Ferrari finanziert, nur weil ich mein Geld nicht ordentlich verwalten konnte, eben mit common sense, bzw weil ich gemeint habe, ich müsste in kuriose Anlagen investieren. ich habe nicht das Recht, auf diese Weise meine Probleme auf anderen abzuladen und mich meiner Verantwortung zu entziehen, das entspricht weder dem Verantwortungsprinzip noch ethischen Grundwerten unserer Gesellschaft.

    Lieber Finanzminister, liebe Manager der bank, für sie darf da erst recht nichts anderes gelten. Ein institut, das nicht bereit ist, Verantwortung für die Vergangenheit zu übernehmen und fremde Gelder für bonizahlungen missbraucht, hat sich selbst disqualifiziert.

    Lieber Finanzminister, ich erwarte von ihnen einen verantwortungsvollen Umgang mit fremden Geldern,und damit die Übernahme einer Modellfunktion für zukünftige Fälle dieser Art. bitte werden sie dieser Aufgabe gerecht und verhalten Sie sich mindestens so verantwortungsvoll wie Otto Normalverbraucher beim Einkaufen, der eben auch nur das ausgibt, was er im Geldbeutel hat.

    Mit freundlichen Gruessen
    trottellumme

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