Scharfe Kritik an CDU-Chefin Merkel
Seehofer droht mit Rückzug

CSU-Sozialexperte Seehofer hat CDU-Chefin Merkel fehlenden Teamgeist vorgeworfen. Union und FDP haben bei einer Infratest-Umfrage ihre Mehrheit verloren.

HB BERLIN. Unions-Fraktionsvize Horst Seehofer (CSU) hat die Kritik an der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel verstärkt. Angesichts des Rückzugs von Friedrich Merz bemängelte Seehofer gegenüber dem Nachrichtenmagazin «Focus» Merkels Führungsstil. Außerdem drohte er wegen des Streits in der Gesundheitspolitik indirekt mit seinem Rückzug.

Seehofer warf Merkel mit Blick auf Merz einen wenig sensiblen Umgang mit Kollegen vor. «Ohne Teamgeist geht es nicht. Führung ist die Kunst, unterschiedliche Charaktere zusammen zu führen», sagte der CSU-Politiker.

Er unterstrich nochmals seine Ablehnung der von der CDU favorisierten Kopfpauschale in der Krankenversicherung. «Ich kann nicht mitverantworten, was ich für fundamental falsch halte», so Seehofer.

Die Union gefährde damit ihren Erfolg bei der Bundestagswahl 2006. Außerdem müsse die Gegenfinanzierung stehen. «Ich mache keinen Wahlkampf mehr nach dem Motto: wir finanzieren das über Wirtschaftswachstum», sagte Seehofer.

Merkel forderte ein geschlossenes Auftreten. Alle in der Union müssten zur Kenntnis nehmen, dass nur einheitliche politische Aussagen honoriert würden, sagte die CDU-Chefin dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Im Streit mit der CSU müsse ein «kluger Weg gefunden werden, der sachlichen Überprüfungen standhält und jeder Seite ihr Selbstbewusstsein erhält».

CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer räumte deutliche Defizite bei dem Erscheinungsbild der Union ein. Die CDU bekäme von den Menschen als Zeugnisnote «zur Zeit wohl eher eine Vier als eine Zwei», sagte Meyer der «Bild»-Zeitung. Seine Partei müsse bis zum Parteitag Anfang Dezember «Unklarheiten aus der Welt schaffen».

In der vierteljährlichen Umfrage des Instituts TNS Infratest für das Magazin «Spiegel» haben Union und FDP zum ersten Mal seit zwei Jahren ihre Mehrheit verloren. Die Union käme derzeit auf 40 Prozent der Stimmen (minus 5 Punkte im Vergleich zum Juli), wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. Die FDP bliebe bei sieben Prozent. Die SPD gewinnt gegenüber Juli sieben Prozent und würde jetzt 30 Prozent erhalten. Die Grünen würden 13 Prozent wählen.

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