Scharfe Kritik aus der SPD
FDP umwirbt Clement

Führende SPD-Politiker haben den früheren Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement wegen seiner Austrittsdrohung und dessen Klage über den Umgang mit den Linken heftig kritisiert. Die FDP bot sich dem Ex-Minister prompt als neue politische Heimat an – und wurde dafür von ihrem eigenen Nachwuchs gerügt.

HB BERLIN. Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Joachim Poß wies Clements Eindruck, die SPD schwenke immer weiter nach links, zurück. „Es ist unverständlich, dass Wolfgang Clement die Glaubwürdigkeit von Kurt Beck in Zweifel zieht“, sagte Poß der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ vom Freitag. „Kurt Beck hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass wir auf Bundesebene nicht mit den Linken koalieren wollen.“

Clement hatte vor einer Annäherung an die Linke gewarnt und mit einem Parteiaustritt gedroht. Der künftige Chef des Forums Demokratische Linke, Björn Böhning, sprach von einer „absurden Debatte zur Unzeit“. Der „Passauer Neuen Presse“ sagte er: „Clement war und ist Teil der Sozialdemokratie, er sollte diese Querschüsse unterlassen. Seine Politik als Wirtschaftsminister hat auch vielen nicht gefallen, ohne dass sie mit Austritt gedroht hätten.“

SPD-Vorstandsmitglied Hermann Scheer sagte dem Blatt: „Ich glaube nicht, dass Clement großen Anlass hat, den Mund aufzumachen. Er sollte lieber darüber nachdenken, warum die SPD eine Menge Wähler und Mitglieder verloren hat - nicht zuletzt wegen einer von ihm vertretenen Politik.“ Auch Umweltstaatssekretär Michael Müller schloss sich der Kritik an und erklärte: „Wir brauchen Clement als konstruktiven Berater, nicht als Störenfried.“ Seine Äußerungen seien nicht nachzuvollziehen. „Ich hoffe, es liegt nicht daran, dass er nicht damit fertig wird, kein Minister mehr zu sein“, meinte Müller.

Der stellvertretende FDP-Chef Rainer Brüderle bot Clement einen Wechsel zu seiner Partei an. „Wolfgang Clement gehört zu den pragmatischen und marktwirtschaftlich orientierten Politikern in der SPD“, sagte er der „Rheinischen Post“. „Wenn er sich in einer vom Lafontaine-Virus infizierten SPD nicht mehr wohl fühlt, ist er bei den Liberalen jederzeit willkommen.“ Brüderle nannte es „bezeichnend, dass ein solcher marktwirtschaftlicher Hilferuf nicht aus der verstummten Union kommt, sondern von einem früheren SPD-Wirtschaftsminister“.

Die Jungen Liberalen übten indes scharfe Kritik an Brüderles Offerte. „Clement ist nun der x-te Politiker, der von der FDP zum Überwechseln angesprochen wird. Allerdings sind weder der Christdemokrat Friedrich Merz, noch der ehemalige Grüne Oswald Metzger zur FDP gewechselt. Dieses peinliche Anbiedern bei Politikern anderer Parteien muss endlich aufhören“, fordert der Chef des FDP-Jugendverbandes, Marcel Hafke.

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