Schattenbanken
„Wir können uns mit der Regulierung keine Zeit mehr lassen“

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) warnt davor, Schattenbanken unbeaufsichtigt zu lassen: So bergen etwa Hedge-Fonds gefährliche Risiken für das Finanzsystem, sagte Bafin-Chefin Elke König.
  • 1

BonnHandelsblatt: Frau König, fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise verliert die US-Großbank JP Morgan Milliarden durch Handelsgeschäfte. Haben die Banken ihre Lektionen nicht gelernt?

Elke König: Es wird immer wieder passieren, dass Handelsstrategien entwickelt werden, die nicht aufgehen. Wer große Räder dreht, sollte auch über die nötige Bremsleistung verfügen, sprich, die Fähigkeit haben, Risiken durch ausreichendes Kapital abzufedern. Und wenn man noch einen Schritt zurückgeht: In den Banken sitzen intelligente Leute, die Modelle entwickeln und Annahmen treffen. Aber das haut eben nicht immer hin, es gibt auch ein Modellrisiko. Das weiß ich auch aus meiner Erfahrung in der Versicherungswirtschaft.

Welche Konsequenzen sehen Sie für die deutschen Banken?

Wir schauen uns den Fall an und sehen dann, ob er für die von uns beaufsichtigten Institute mit den internen Risikomodellen und gesetzten Limits beherrschbar gewesen wäre. Natürlich heizen die Vorgänge um JP Morgan die Diskussionen über Derivate und den Eigenhandel an. Aber ich sage Ihnen auch: Sie können nie für jede Eventualität Regeln schaffen.

Also keine Panik?

Nein. Warum denn auch? Natürlich prüfen wir, ob das bei deutschen Instituten hätte passieren können. Aber, seien Sie sicher: Die nächste Krise, das nächste Problem entsteht wieder an einer anderen Ecke.

Befürchten Sie negative Auswirkungen auf die Banken durch einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion?

Das würde aus Sicht der Aufseherin für Banken und Versicherer kein größeres Ereignis darstellen. Aber dann stellte sich natürlich gleich die Frage nach dem möglichen nächsten Dominostein beziehungsweise dem Zweitrundeneffekt.

Womit wir bei der spanischen Bankenkrise wären. Erwarten Sie Ansteckungseffekte?

Wir wissen, wie stark deutsche Banken und Versicherer in Spanien engagiert sind und wie sie ihre Engagements abgesichert haben. Weniger klar ist, wer diese Absicherung zur Verfügung gestellt hat. Ich bin aber momentan nicht beunruhigt. Spanische Banken haben Probleme mit den Folgen der Immobilienblase.

Sehen Sie in Deutschland Anzeichen für eine ähnliche Entwicklung?

Die Immobilienpreise sind in bestimmten Ballungsgebieten gestiegen, aber wo kommt man her? Im internationalen Vergleich gibt es in Deutschland definitiv keinen überhitzten Immobilienmarkt.

Kommentare zu " Schattenbanken: „Wir können uns mit der Regulierung keine Zeit mehr lassen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Euro wackelt, die Banken müssen gestützt werden und Frau König will ihr Aufgabengebiet auf die Schattenbanken ausweiten.

    Süss ist sie! Oder?

    In den letzten 20 Jahren hatten wir im Finanzsektor 5 Jahrhundertereignisse und die BAFin hat die Schattenbanken nunmehr als das Problem ausgemacht. Bei dieser Betrachtung der Dinge muss man sich fragen, wann es da mal wieder richtig ins Kontor hagelt.

    Mit Finanzaufsicht hat das jedenfalls nichts zu tun. Das ist eher eine Blindekuhspiel mit verbundenen Augen unter Blinden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%