Schavan und Brüderle: Plagiat sticht Sexismus

Schavan und Brüderle
Plagiat sticht Sexismus

Die Mechanik der Politik ist unerbittlich. Die Medien stürzen sich auf den Fall Schavan – andere Aufreger rücken aus dem Fokus. Wer spricht denn noch über Brüderle? Und er ist nicht der einzige, der profitiert.
  • 12

BerlinFür Annette Schavan sind es schwierige Tage: Just als sie in Südafrika weilte, wurde ihr von der Universität Düsseldorf der Doktortitel aberkannt. Seitdem tobt eine Debatte darüber, welche Konsequenzen der Titel-Entzug noch haben muss – vor allem für die CDU-Politikerin und ihren Spitzenjob als Bundesbildungsministerin.

Der Rücktritt der Ministerin wäre „möglicherweise doch die richtige Konsequenz“, sagte der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Prof. Bernhard Kempen. Erwartungsgemäß sieht das die Opposition nicht anders. Von Schavan ist überliefert, dass sie kämpfen will – für ihren Titel, für ihre Integrität und natürlich für ihr politisches Amt. Das provoziert nolens volens erst recht ihre Kritiker. Die Debatte köchelt damit weiter. Andere Aufreger-Themen rücken in den Hintergrund.

Der Fall Schavan hat dazu geführt, dass kaum noch über die Sexismus-Vorwürfe gegen FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle gesprochen wird. Das Thema ist regelrecht zum Erliegen gekommen. Allenfalls Schmonzetten wie diese, dass das Fremdgeh-Portal Ashley Madison Brüderle als Werbefigur für ein riesiges Plakat auserkoren hat, erregt noch die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit.

Das mag vielleicht auch daran liegen, dass Brüderles angebliche anzügliche Bemerkungen gegenüber einer „Stern“-Journalistin wenig mit seinem politischen Alltagsgeschäft im Bundestag zu tun haben. Und vielleicht hat es auch damit zu tun, dass Brüderle in keiner Form auf die Kritik an ihm einsteigt. Seine Reaktion, sofern er darauf angesprochen wird, ist immer dieselbe: „Ich kommentiere das nicht“, „Dazu äußere ich mich nicht“.

Schavan kann sich hingegen nicht wegducken. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland dürfte sie mit Fragen bombardiert werden, wie es denn jetzt für sie weiter geht. Und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird wohl das Gespräch mit ihrer Vertrauten suchen. Ende offen. Damit ist der Fokus für die Berichterstattung der nächsten Tage gesetzt. Davon profitiert dann nicht nur Brüderle. Auch Peer Steinbrück könnte Glück im Unglück haben, wenn das Medieninteresse sich vor allem auf die Bildungsministerin beschränkt und ihn und sein – mittlerweile eingestellten – „PeerBlog“ weitestgehend in Frieden lässt.

Seite 1:

Plagiat sticht Sexismus

Seite 2:

Belastung für Merkel

Kommentare zu " Schavan und Brüderle: Plagiat sticht Sexismus"

Alle Kommentare
  • wenn nun der Rösler tatsächlich ebenfalls ein plagiatsträger sein soll, dann geht es wieder von vorne los. hahaha.

  • Diese beiden Themen haben wieder mal gut gezeigt, wo den Deutschen der Schuh drückt!
    Aber ich fand die Sex-Debatte lustiger!

  • Rösler?
    üble Nachrede?

    http://www.mmnews.de/index.php/politik/11989-roesler-dr-auch-erschwindelt

  • "Es war nicht nur die Schulter"
    Genauso wenig wie Hermann von Martin ist.

    "Die Wahrheit offenbart sich in der Abwesenheit ihrer Verschleierung".
    "Der Holzweg mündet in die Lichtung seiner eigenen Illumination".

  • Das Zitat ist korrekt.

    Hannah Arendt
    (in memoriam Martin Heidegger)

  • Schavan war mit ihrer von keiner Sachkompetenz getrübten Gentechniklastigkeit, die innovative Alternativen geblockt und verhindert hat, und ihren in sämtlichen Entscheidungs- und Forschungsmittelempfängergremien immer wieder auftauchenden Seilschaften ohnehin eine Katastrophe für Deutschland, dessen Ansehen als Wissenschaftsstandort sie schwer geschadet hat. Und was für ein Aufreger - zwei längst verblühte alte Knacker betatschen sich.

  • "Ach hab´ sei ja nur
    Auf die Schulter geküsst,
    Hier hab ich den Schlag verspürt
    Mit dem Fächer im Gesicht,
    Alle Himmeldonnerwetter
    Heiliges Kanonenrohr,
    Mir ist manches schon passiert
    Aber soetwas noch nicht."

    Korrektes Zitat "Der Bettelstudent"
    Karl Millröcker?

  • Welch ein Glück für für Merkel&Co.
    So rücken wirklich wichtige Themen wieder mal aus dem Rampenlicht des "unabhängig kritischen", öffentlich finanzierten Rundfunks.

  • Mich würde interessieren, wer der Doktorvater von Fr. Dr. Sch. war. Hat dieser Mensch gepennt, als er die Arbeit abgenommen und die Benotung für richtig befunden hat?

    Der Doktorvater sollte in erster Linie zur Rechenschaft gezogen werden. Der Name sollte veröffentlicht werden.

    Nachdem in der Presse bisher nur die Aberkennung des Doktorgrads von Politikern veröffentlicht wurde, darf folgende Frage erlaubt sein:

    Warum werden die Dissertationen von anderen Personen in Deutschland nicht auf den Prüfstand gestellt?
    Zum Beispiel: Dr. Mathias Döpfner (Springer), Dr. Hubert Burda etc.

    So kurz von der Wahl hat die Überprüfung von Dissertationen einen faden Beigeschmack.

    Fein heraus sind die Damen und Herren ohne Doktor-Grad, die mussten sich früher und heute keinem Stress aussetzen und tun so, als seien sie Ehrenmänner/-frauen, wenn sie ihre Kritik im Fernsehen bei den Abendnachrichten absetzen.

    Das ganze System mit der weitgehenden Förderung der Professoren, die seltsame Rolle der Doktorväter etc. gehört auf den Prüfstand und muss entschlackt werden. In diesem althergebrachten und verstaubten System haben sich Seilschaften aufgebaut. Viele Ärzte und Rechtsanwälte sind aus diesem System ausgestiegen.

    Das Schummeln haben die Professoren in ihrer Rolle als Doktorväter etc. zugelassen. Daher müssen die Doktorväter ebenfalls vor Gericht gestellt werden.

    Wenn aufgeräumt wird, dann bitte richtig und nicht halbherzig.

    Schummeln geht nicht an.

  • Sieht man auf diesem Bild nun eine "sexistische" Anmache und Betätschelung des Herrn Brüderle in Richtung Annette Schavan oder ist es nur eine freundschaftliche Berührung an der Schulter unter Koalitonskollegen. (Ach, ich hab sie doch nur auf die Schulter geküsst.)
    Wir werden es nie wissen.LOL

Serviceangebote