Schick und Fitschen
„Renditedenken hat alles überschattet“

Gerhard Schick kontra „Marktwirtschaft“: Der Grünen-Finanzexperte legt sich mit seinem neuen Buch mit der versammelten Finanzelite des Landes an. Deutsche-Bank-Co-Chef Fitschen stellte sich der Diskussion.
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BerlinDer Zoff scheint programmiert: Der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick präsentiert in Berlin ein Buch mit dem Titel „Machtwirtschaft, Nein Danke!“. Darin fordert er, den allein auf Rendite fixierten „Finanzkapitalismus“ zu zerschlagen und eine soziale Marktwirtschaft im Dienste der Menschen aufzubauen. Vorgestellt und kommentiert wird das Buch von Jürgen Fitschen, dem Co-Chef der Deutschen Bank.

Doch zu dem vom Verlag angekündigten Streitgespräch zwischen den beiden kommt es am Donnerstag nicht. Stattdessen versucht sich Fitschen im Deutschen Theater auf dem glatten Parkett der Ethik, während Schick einiges Verständnis für die Branche aufbringt, die seit der Finanzkrise mit einer Regulierungswelle kämpft. Es scheint so, als wären Politik und Finanzbranche wieder im Gespräch.

Das war in den vergangenen Jahren nicht wirklich der Fall, jedenfalls nicht offiziell. Im Finanzministerium heißt es hinter vorgehaltener Hand, Wolfgang Schäuble treffe sich lieber „außerhalb des Kalenders“ mit Bankern. Auf einer Bühne mit den als „Bankster“ verrufenen Bank-Managern wollten sich viele Politiker lange Zeit nicht sehen lassen. Nicht so Schick, der Fitschen kurzerhand anrief und fragte, ob er nicht sein Buch vorstellen wolle. „Ich habe spontan gesagt, ich will mich dem Thema stellen“, sagt der Top-Banker. Die Zusage zeigt auch, dass die jahrzehntelang von den Mächtigen hofierte Deutsche Bank heute einiges tun muss, um im Dialog mit der Politik zu bleiben.

Einerseits ist Schick unbequem für Fitschen: Der Grünen-Politiker kennt sich blendend aus mit den Daten und Fakten der Finanzbranche. Den Inhalt seines Buches fasst er am Rande salopp mit den Worten zusammen: „Ich will das Big Business zerschlagen.“ Andererseits ist Schick auch ein dankbarer Gegner. Denn wer sachlich argumentiert, dem kann man auch als Deutsche-Bank-Chef sachlich antworten, was bei der komplizierten Materie von Vorteil ist.

Er habe „das Buch selbstständig gelesen und nicht lesen lassen“, schickt Fitschen bei der Buchvorstellung voraus. Es gehe um Banken, um Energie und um soziale Gerechtigkeit. Etwas hölzern formuliert er: „Diese Dinge sind angesprochen worden unter Zuhilfenahme von Beobachtungen, denen ich nicht immer zustimme.“ Schick ist ein Verfechter der ordoliberalen Denkweise in der Ökonomie: Ein starker Staat setzt dem Markt Leitplanken, respektiert innerhalb dieses Rahmens aber die Freiheit der Akteure. Das Ziel ist eine menschenwürdige und funktionierende Ordnung, die politische und wirtschaftliche Freiheit vereint. Monopole, kaum beherrschbare Finanzriesen, eine aus der engen Verbandelung von Politik und Wirtschaft entstandene „Machtwirtschaft“ sind dem Grünen ein Dorn im Auge.

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Was tun mit der Deutschen Bank?

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