Schienenverkehr: Ramsauer hofft auf Bahnerfolg in Frankreich

Schienenverkehr
Ramsauer hofft auf Bahnerfolg in Frankreich

Deutschland und Frankreich wollen die Kooperation im Schienenverkehr verbessern und dazu eine „hochrangig besetzte“ Arbeitsgruppe einrichten. Das erklärte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Mittwoch.
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BERLIN/PARIS/DÜSSELDORF. Am Dienstag Abend hatte sich Ramsauer mit seinem französischen Kollegen Dominique Bussereau in Berlin getroffen. An der vertraulichen Runde nahmen später auch die Bahnchefs Rüdiger Grube (Deutsche Bahn) und Guillaume Pepy (SNCF) teil.

In den vergangenen Wochen hatten sich beide Seiten heftig attackiert. Vor allem die Bahn kritisiert, dass der deutsche Regionalverkehr für ausländische Anbieter geöffnet ist, der französische aber nicht. Zudem will die Bahn Züge durch den Eurotunnel nach London anbieten, was die französische Seite blockiere.

Frankreich indes bestreitet die Vorwürfe. Es gebe keine EU-Richtlinie, die die Marktöffnung des regionalen Schienenpersonenverkehrs erzwinge, heißt es in SNCF-Kreisen. Der internationale Personenverkehr hingegen sei sehr wohl für den Wettbewerb geöffnet. Vielmehr verhalte sich Deutschland nicht EU-konform. Denn die Deutsche Bahn AG sei immer noch Eigentümer des Bahnnetzes, aus dem sie einen Großteil ihres Ergebnisses beziehe.

Ramsauer erklärte, dass Frankreich den Regionalverkehr „möglicherweise in sehr naher Zukunft“ öffnen wolle. Auch habe Bussereau eine Testfahrt der Bahn mit dem ICE durch den Eurotunnel für den 19. Oktober zugesagt. „Das ist eine Voraussetzung dafür, dass wir ab 2012 die Zulassung erhalten“, sagte Bahnchef Rüdiger Grube. Er rechnet damit, dass ab 2013 jährlich mehr als eine Million Menschen das Angebot nutzen würden.

Allerdings wird dies weit schwieriger werden, als es klingt. Bei den bisher bestehenden Verbindungen von Frankreich nach England gibt es in Brüssel, Paris, Lille und auf der britischen Seite umfangreiche Sicherheitskontrollen wie auf einem Flughafen – inklusive Passkontrollen. Bei Zugfahrten ab Frankfurt etwa müssten dann zu Beginn der Fahrt und zudem an Haltepunkten wie Köln und Aachen Kontrollstellen eingerichtet werden. Dies halten Experten für wenig realistisch.

Wie ernst es Frankreich mit der Öffnung ist und ob dies mit dem Verkauf des Deutschlandgeschäfts der von der Deutschen Bahn übernommenen britischen Arriva zusammenhängt, war gestern nicht zu erfahren. Zumindest zeigten sich Grube und Ramsauer versöhnlich. Die Atmosphäre sei „ausgesprochen freundschaftlich“ (Grube) und „gut“ (Ramsauer) gewesen.

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