Schily hält an Italien-Plänen fest
Auch „General" Scholz sagt Italien-Urlaub ab

Die Absage des Italienurlaubs von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) löst nach wie vor ein lebhaftes Echo aus. Während die Mehrheit der Deutschen nach einer Meinungsumfrage die Entscheidung des Kanzlers für richtig hält, kam am Donnerstag Kritik aus den anderen Parteien.

HB/dpa/rtr BERLIN. Nach der Absage von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) verzichtet nun auch SPD-Generalsekretär Olaf Scholz darauf, seinen Sommerurlaub in Italien zu verbringen. Deutsche Reisekonzerne rechnen allerdings nicht damit, dass die SPD-Spitze damit einen Trend setzt.

Eine SPD-Sprecherin sagte am Donnerstag, Scholz habe sich entschieden, nach Frankreich zu fahren. Italien sei bei der Urlaubsplanung auch Kandidat gewesen. Weitere Einzelheiten nannte die Sprecherin nicht. FDP-Chef Guido Westerwelle ließ dagegen erklären, er erwäge nach der Absage Schröders, seine Ferien in Italien zu verbringen. Bei deutschen Reisekonzernen wie Thomas Cook und Tui hieß es, mit einer Stornierungswelle deutscher Italien-Urlauber sei nicht zu rechnen.

65 Prozent der Deutschen finden es richtig, dass der Bundeskanzler nach pauschal-diffamierenden Äußerungen des italienischen Tourismus- Staatssekretärs Stefano Stefani über deutsche Touristen seinen Urlaub nicht mehr in Italien, sondern im heimischen Hannover verbringt. Das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Nachrichtensenders N24, für die 1000 Bundesbürger befragt wurden. 27 Prozent der Deutschen lehnen diese Konsequenz ab. Die wenigsten Befürworter seiner Absage findet der Kanzler unter den Grünen mit 48 Prozent. Auch bei der aktuellen Online-Abstimmung bei handelsblatt.com spricht sich eine Mehrheit für die Absage des Italien-Urlaubs aus. Mehr als 70 Prozent sind dafür.

Kritik auch aus eigenen Reihen

Unterstützung erhielt Schröder vom SPD-Fraktions-Vize Gernot Erler. „Wenn eine solche Provokation von einem Regierungsmitglied passiert, würde es eine völlig falsche Wirkung erzielen, wenn man diese Urlaubspläne aufrechterhalten hätte“, sagte Erler dem NDR. Erler befürchtet eine ernsthafte Belastung der italienischen Ratspräsidentschaft, wenn Ministerpräsident Silvio Berlusconi diese Äußerungen nicht aus der Welt schaffe.

Vorsichtige Kritik übte dagegen der frühere EU-Parlamentspräsident Klaus Hänsch (SPD). Er warnte davor, die anti-deutschen Äußerungen von italienischen Regierungsmitgliedern zu ernst zu nehmen. „Ich setze doch nicht Berlusconi und irgendwelche anderen Leute, die da etwas sagen, mit dem italienischen Volk gleich“, sagte Hänsch am Donnerstag im ZDF. Natürlich fahre er noch nach Italien.

Nach Ansicht des Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Glos, hat Schröder einen „Sturm im Wasserglas“ entfacht. „Der Kanzler hat diese Chance genutzt, um abzulenken“, sagte Glos dem Sender „n-tv“.

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Schäuble (CDU) kritisierte Schröders Entscheidung als „völlig überzogen, albern und künstlich aufgeregt“. Natürlich seien die diffamierenden Äußerungen des italienischen Tourismus-Staatssekretärs Stefano Stefani über deutsche Touristen „unsäglich“ gewesen, sagte Schäuble am Donnerstag in Berlin. Schröder solle seinerseits nicht „aus dem dummen Gerede eines Staatssekretärs eine Affäre machen, als hätten wir jetzt im deutsch- italienischen Verhältnis große Probleme und als könne man als Deutscher nicht mehr nach Italien fahren“.

Schröder erhielt inzwischen zahlreiche Angebote für deutsche Urlaubsziele vom Allgäu bis zur Ostsee-Küste. Der Kanzler freue sich über diese Offerten, die alle beantwortet würden, hieß es in Berlin.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hat erklärt, an seinen Plänen für einen Italien-Urlaub trotz seiner Kritik an der italienischen Regierung festzuhalten. Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne), der seinen Urlaub mehrfach in Italien verbracht hat, hat sich noch nicht offiziell zu seinen Ferien-Plänen geäußert.

Tui erwartet keine Reaktionen deutscher Urlauber

Der Sprecher des größten europäischen Reisekonzerns TUI, Mario Köpers, sagte, die Auseinandersetzung sei überzogen. „Wir spüren jedenfalls bisher null Reaktion und erwarten auch keine.“ Ähnlich äußerte sich der Konzern Thomas Cook. „Unsere Kunden sagen keineswegs „Ciao, Bella Italia'“, sagte eine Sprecherin. „Weder in den Servicestellen noch in den Reisebüros gibt es kritische Anfragen.“

Deutsche Urlauber sind in Italien die mit Abstand größte Gruppe unter den ausländischen Touristen. 2002 kam jeder vierte der knapp 35 Millionen ausländischen Besucher in Italien aus Deutschland. Nach Spanien ist Italien für Deutsche wichtigstes ausländisches Reiseziel. Bei TUI wie auch bei Thomas Cook macht der Italien-Urlaub rund fünf Prozent des Gesamtgeschäfts aus.

Thomas Cook spricht derzeit von einer guten Nachfrage für Italien. Während in den vergangenen Jahren ein Trend zu Ferienhäusern bestand, sei jetzt wieder stärker Hotelurlaub mit Halbpension gefragt. Bei TUI sei die Nachfrage in diesem schwierigen Reisejahr etwas schlechter als bei anderen Zielen, sagte Köpers. „Italien-Reisen sind meist etwas teurer. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten schlägt sich das deshalb auch eher nieder.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%