Schily und Dückert mahnen Neuanfang in der IG Metall an
Zwickel hofft auf den Druck der Basis

IG- Metall-Chef Klaus Zwickel verlangt nach dem gescheiterten Krisengipfel der Gewerkschaftsspitze mehr Engagement von der Basis.

HANDELSBLATT, 10.7.2003 dc/gof DÜSSELDORF/BERLIN. Der amtierende Vorstand sei in der derzeitigen Patt-Situation nicht in der Lage, „die Krise zu lösen“, sagte Zwickel am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Er appellierte daher an Betriebsräte und Vertrauensleute, sich in die aktuelle Debatte um die neue Führungsmannschaft einzumischen.

„Die ehrenamtlichen Funktionäre in den Betrieben müssen sich stärker einbringen, um die politische Neuausrichtung der Gewerkschaft und die künftige Besetzung der Vorstandsspitze zu beeinflussen“, sagte er. Der scheidende Vorsitzende mahnte Betriebsräte und Vertrauensleute, sich nicht aus Frust aus der Debatte herauszuhalten.

Überwiegend zurückhaltend fielen am Mittwoch die Reaktionen der Politik auf den Ausgang der Sitzung aus. Man wolle sich in den Führungskampf nicht durch öffentliche Ratschläge einmischen, so die Sprachregelung der Regierungsparteien. Mit Überraschung wurde daher die Äußerung von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) vernommen, der sich für ein neues Spitzenteam bei der IG Metall aussprach. Es sei offenkundig, dass diejenigen, die sich in diesen Streit verbissen hätten, nicht mehr geeignet seien, sagte er im ZDF. Er bezeichnete die Auseinandersetzung als „Trauerspiel“.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Thea Dückert, forderte ebenfalls den Rücktritt von Peters. „Die IG Metall muss weg von ihrer zentralistisch-sozialistischen Organisationsstruktur“, sagte Dückert dem Handelsblatt. Dies sei mit Peters „wohl nicht mehr zu schaffen“. Das beste wäre, wenn die Mitglieder kurzfristig einen Sonder-Gewerkschaftstag ansetzten, um auch als Ansprechpartner für die Politik wieder handlungsfähig zu werden, betonte Dückert. Die IG Metall sollte sich von ihrer „reinen Gegenmacht-Strategie“ verabschieden und zu einer Modernisierungsstrategie übergehen, um an den notwendigen Reformprozessen wie etwa der Agenda 2010 überhaupt teilnehmen zu können, forderte sie.

In der Bundesregierung wächst die Hoffnung, dass Peters seinen Anspruch auf das Amt des Vorsitzenden nicht wird durchsetzen können. Peters, der als Ideologe und Traditionalist gilt, stößt auch bei Bundeskanzler Gerhard Schröder auf Vorbehalte. Mit ihm an der IG-Metall- Spitze werde es sehr schwer, das ohnehin belastete Verhältnis zwischen Sozialdemokratie und Gewerkschaften wieder in Ordnung zu bringen, heißt es in Regierungskreisen.

An der Gewerkschaftsbasis ist das Spektrum der Meinungen indes so breit wie im Vorstand selbst. Peters-Kritiker reagieren empört auf die Nachricht, dass es noch immer keine personellen Konsequenzen aus der Streikniederlage im Osten gebe. Andere hoffen, dass nun Zeit ist, eine Führung zu finden, die dauerhafte Stabilität verspricht.

„Wieso überweisen wir jetzt überhaupt noch Gewerkschaftsbeiträge nach Frankfurt?“, sei die erste Frage von Mitgliedern gewesen, berichtete Sieghard Bender, Chef der Verwaltungsstelle Chemnitz. Indem „Peters und Düvel personelle Konsequenzen verweigern, schieben sie die Verantwortung auf die Streikenden vor Ort“, meinte er. Bender hatte Peters und Ost-Bezirksleiter Hasso Düvel bereits in der vergangenen Woche scharf angegriffen.

Witich Roßmann, Chef der Verwaltungsstelle Köln, zeigte sich dagegen „relativ erleichtert“, dass „kein personeller Schnellschuss“ verabredet worden sei. Nun steige die Chance auf eine Lösung, die für die Gesamtorganisation auch auf Dauer tragbar sei. Die Kölner Metaller hatten zuvor darauf gedrängt, eine Personalfindungskommission einzusetzen, um die Anforderungen an die künftige Führungsspitze neu zu klären. Roßman meinte, es gebe in Köln auch Mitglieder, die Peters „für seine Nehmerqualitäten“ zunehmend bewunderten.

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