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21.08.2008 
Lohnsteigerung?

Schlagabtausch vor Metalltarifrunde

von Dorit Heß und Klaus Stratmann

Der Metallindustrie steht eine harte Tarifrunde bevor: Während Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser mit Hinweis auf die schlechte wirtschaftliche Lage die Lohnerwartungen schon mal vorab gedämpft hat, wehrt sich IG-Metall-Vize Wetzel gegen den "Pessimismus der Arbeitgeber" und sieht trotz Wirtschaftsflaute Spielräume für kräftige Lohnsteigerungen.

Detlef Wenzel sieht keinen Grund für eine Kehrtwende in der Lohnpolitik. Foto: apLupe

Detlef Wenzel sieht keinen Grund für eine Kehrtwende in der Lohnpolitik. Foto: ap

FRANKFURT / BERLIN. Der Vizechef der IG Metall, Detlef Wetzel, forderte von den Arbeitgebern bei den bevorstehenden Verhandlungen "realistischen Optimismus". Es gäbe keinen Grund für eine Kehrtwende in der Lohnpolitik, nur weil die Zuwächse bei Auftragseingängen, Gewinnen und Umsätzen nun nicht mehr ganz so kräftig ausfielen wie zuletzt - tatsächlich war die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal erstmals seit vier Jahren geschrumpft; für das dritte Quartal rechnen Ökonomen mit Stagnation.

Wetzel reagierte damit auf Aussagen von Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. Der hatte am Dienstag die Lohnerwartungen der 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche gedämpft: "Ebenso wie ich vor der letzten Tarifrunde erklären konnte, dass wir auf sehr ordentliche Lohnerhöhungen eingestellt sind, so sage ich jetzt, dass wir ein Stück abbremsen müssen, da die Lage riskanter und schlechter wird", so Kannegiesser.

Bei ihrer letzten Tarifrunde hatten sich die Metalltarifparteien auf eine zweistufige Erhöhung geeinigt: Am 1. Juni 2007 stiegen die Löhne um 4,1 Prozent, im Juni 2008 um weitere 1,7 Prozent. Die aktuellen Verhandlungen beginnen in wenigen Wochen - und damit in einer unsicheren Phase für die Konjunktur.

Der IG-Metall-Vorstand will nun am 8. September eine Forderungsempfehlung aussprechen. Nach der Diskussion dieser Empfehlung in den Bezirken soll dann am 23. September auf einer außerordentlichen Vorstandssitzung ein Forderungsbeschluss gefasst werden. Der zeitliche Druck ist groß: Die Tarifparteien hatten sich bei ihrer letzten Runde darauf verständigt, auf eine Friedenspflicht zu verzichten. Mit dem Auslaufen des Tarifvertrages am 31. Oktober könnten somit Warnstreiks beginnen.

Wetzel wandte sich gegen Schwarzmalerei: "Der vorauseilende Pessimismus der Arbeitgeber bekommt unserer Konjunktur überhaupt nicht." Wer den Menschen ständig einrede, es gehe mit der wirtschaftlichen Entwicklung bergab, leiste einen Beitrag zur Verschlechterung der Situation. "Die Arbeitgeber, die jetzt klagen, sollten im Hinterkopf behalten, dass die Hälfte der wirtschaftlichen Entwicklung rein psychologisch bedingt ist." Niemand könne ein Interesse daran haben, die Lage schlechtzureden.

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