Schlechter Ruf wegen Pegida: Hoffnung auf mehr Gegenwehr

Schlechter Ruf wegen Pegida
Dresdens letzte Chance

Hoffnung auf mehr Gegenwehr

Am härtesten trifft es jedoch die Hoteliers. Im Juli 2016 verbuchten die Hoteliers gar ein Minus von zehn Prozent im Vergleich zu 2015. „Uns fehlen die Gäste, damit der Umsatz und deswegen brechen Arbeitsplätze weg“, sagt Thomas Gaier von der Dresdner Hotelallianz. Neben Pegida sei daran die Bettensteuer schuld. Nach Ergebnissen einer internen Umfrage könnten Gaier zufolge dadurch Hunderte Arbeitsplätze wegfallen. „Pegida betrifft ja nicht nur die großen Hotels: Gästeführer, kleine Pensionen, Souvenirläden, Dampfschifffahrt, die leiden alle darunter.“

Während die Tourismusbranche den Pegida-Effekt direkt spürt, wirkt der ramponierte Ruf für Dresdner Forschungsinstitute und die Mikroelektronik- und Halbleiterindustrie wie ein langsames Gift. Der Halbleiterhersteller Globalfoundries findet derzeit noch genügend gute Mitarbeiter. „Wir merken aber auch, dass Mitarbeiter verstärkt darüber nachdenken, intern an einen anderen Standort oder zu Wettbewerbern in anderen Städten zu wechseln“, sagt Sprecher Jens Drews.

Ähnliches beobachtet die Technische Universität Dresden. Seit dem Beginn der Pegida-Bewegung sagen dort ausländische Forscher plötzlich Besuche ab. Die Bewerberzahlen aus den alten Bundesländern brechen ein. „Es hat 20 Jahre gedauert, Dresden zu einer der attraktivsten Städte Deutschlands zu entwickeln – und dann kommen ein paar Hundert Unbelehrbare und machen einen erheblichen Teil dieser Reputation in zwei Jahren zunichte“, sagt Rektor Hans Müller-Steinhagen.

Um dem schlechten Image etwas entgegenzusetzen, hat Globalfoundries Stammtische eingerichtet, an denen die Kollegen aus mehr als 50 Ländern von ihren Erfahrungen im Alltag erzählen. Das Unternehmen hat Infostände in der Altstadt organisiert. Viele Mitarbeiter gehen zu Demonstrationen gegen Pegida. Die Universität engagierte sich als eine der ersten öffentlichen Einrichtungen bei Gegendemos, schaltete Zeitungsanzeigen, warb mit Ausstellungen am Neumarkt für eine offene und tolerante Stadt.

Das Bürgerfest am Montagabend löste in der Stadt eine neue Diskussion aus. Manche Aktivisten kritisierten, Oberbürgermeister Dirk Hilbert kapere damit eine bereits zuvor angemeldete Veranstaltung anderer Gegenaktivisten. Viele hielten die Positionierung der Stadt für schlicht zu spät. Eric Hattke nahm die Einladung, auf dem Fest zu sprechen, trotzdem an. „Das Bürgerfest ist ein Anfang“, sagt er. „Aber ich hoffe auf mehr.“

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