Schleichwerbung: Politiker fordern Geldstrafen – und eine Art TV-Beichte
Marienhof-Skandal lässt ARD schwitzen

Wenn es um Schleichwerbung geht, dann kennen Deutschlands TV-Manager manchmal keine Skrupel. Besonders bei den privaten Sendern läuft oft bezahlte, aber versteckte Reklame.

FRANKFURT. Einen Höhepunkt markierten zwei Sendungen auf RTL2. Dort waren jüngst „Nutella – die Geburtstagsshow“ und „Die kultige Handy-Show – 0 2 can do“ zu sehen. Schon die Titel machen deutlich: Hier geht es um Dauerwerbung. Deshalb haben sich jetzt auch die Landesmedienanstalten eingeschaltet.

Öffentlich-rechtlichen Sendern drohen bisher keine Sanktionen

Der Grund: Laut Rundfunkstaatsvertrag ist Schleichwerbung absolut tabu. Sowohl bei den privaten, als auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Während allerdings RTL 2 und Co. mit Bußgeldern von 250 000 Euro rechnen müssen, bleiben die Verstöße für ARD und ZDF ohne Sanktionen.

Damit könnte bald Schluss sein. Auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern müsse man über Strafzahlungen nachdenken, sagte jetzt Martin Stadelmaier dem Magazin „Spiegel“. Er ist Chef der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Kurt Beck, der wiederum die Medienkommission der Länder leitet.

Angestachelt werden solche Aussagen sicher vom Skandal um Schleichwerbung in der ARD. Konkret geht es dabei um die Produktionsfirma Bavaria, die mehrheitlich dem WDR, SWR und MDR gehört. Nach Medienberichten soll Bavaria über Jahre Geld von Unternehmen kassiert haben, wenn deren Produkte oder Dienstleistungen in Erfolgssendungen wie dem „Marienhof“ zu sehen waren.

Der bereits wegen unzulässiger Schleichwerbung abgemahnte Bavaria-Geschäftsführer Thilo Kleine musste wegen der Vorwürfe am Freitag gehen. Er sei mit sofortiger Wirkung suspendiert, teilte der Aufsichtsratsvorsitzende Reinhard Grätz (WDR) mit. Insgesamt soll es bei den Bavaria-Serien „Marienhof“ und „In aller Freundschaft“ 117 Mal zu verbotener Schleichwerbung gekommen sein. Zudem gibt es Hinweise auf versteckte Reklame in Folgen der Krimireihe „Tatort“. Pikant dabei: Auch hinter diesen Produktionen steckt Bavaria.

Nach Presseberichten nahm das Unternehmen bis zu 3,5 Millionen Euro über so genannte „Product Placements“ ein. Eingeworben wurden sie offenbar von zwei Münchener Privatfirmen. Für ein Paket von zehn versteckten Werbungen im „Marienhof“ sollen sie 175 000 Euro verlangt haben.

Skandal könnte für die ARD unangenehme Folgen haben

Mit der Beurlaubung von Kleine versucht die ARD, den Skandal schnell aus der Welt zu räumen. Auch, um weiteren Druck aus der Politik zu vermeiden. Selbst wenn ihr die Strafgeld-Freiheit weiterhin erhalten bleibt, könnte der Skandal dennoch unangenehme Folgen haben. Im „Spiegel“-Gespräch brachte Stadelmaier auch eine Art TV-Beichte ins Gespräch. Dann müsste der Sender immer an der Stelle im Programm, an der zuvor Schleichwerbung zu sehen war, eine Entschuldigung senden.

Quelle: »NEWS Frankfurt

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