Schleswig-Holstein
Der lange Schatten des Heide-Mörders

SPD-Mann Torsten Albig will sich im Norden mit denkbar knapper Ein-Stimmen-Mehrheit zum Ministerpräsidenten wählen lassen. Das ging an der Küste schon einmal schief - und wird nun zum grundsätzlichen Problem der SPD.
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DüsseldorfNach dem ersten Wahlgang ist die Welt noch halbwegs in Ordnung. 34 Stimmen für Heide Simonis, sie bräuchte 35, um Ministerpräsidentin zu werden. Ihr fehlt die eine, die entscheidende Stimme. Denn die SPD-Politikerin will mit den Grünen im März 2005 in Schleswig-Holstein eine rot-grüne Minderheitsregierung bilden, toleriert von der Dänen-Partei SSW. Ein Denkzettel im ersten Wahlgang, das kommt vor. Da wollte wohl einer seinen Unmut loswerden, der Heide einen Schuss vor den Bug verpassen.

Nach dem zweiten Wahlgang werden die Gesichter länger, die Lage brenzlig. Wieder keine Mehrheit. Häme und Applaus auf den Rängen von CDU und FDP, besonders beim konservativen Gegenkandidaten Peter Harry Carstensen, er darf Hände schütteln. Der Denkzettel erreicht bedenkliche Größe, schon jetzt ist die mögliche künftige Ministerpräsidentin stark beschädigt.

Aber Heide Simonis gibt nicht auf. Dritter Wahlgang, jetzt muss es klappen. Es klappt nicht, wieder ein Patt, 34 zu 34. Tosender Beifall bei CDU und FDP, Bestürzung bei Roten, Grünen und der Dänen-Minderheit. Spätestens jetzt ist klar: Das ist kein Denkzettel, das ist ein Messer im Rücken der beliebten SPD-Politikerin. Bei den Sozialdemokraten fließen erste Tränen. Unter dem Pult von Grünen-Politikerin Anne Lütkes liegt ein Strauß Blumen und welkt vor sich hin. Zu Gratulationen wird es heute nicht mehr kommen.

Spätestens jetzt hätte Heide Simonis verstehen müssen, hätte es sein lassen müssen. Pause im Landtag, Beratungen der Fraktionen, dann wagen SPD und Grüne einen weiteren verzweifelten Versuch. Vierter Wahlgang, viertes Patt. Heide Simonis ist gemeuchelt, und ein unbekannter Abtrünniger aus den eigenen Reihen geht in die Geschichte ein.

Die Erinnerung an dieses unrühmliche Kapitel der Politikgeschichte drängen sich nach der Landtagswahl in Schleswig-Holstein an diesem Sonntag auf. Erneut will sich SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig auf nur eine Stimme Mehrheit stützen. Politiker von SPD und Grünen werden nicht müde, den Fluch des Heide-Mörders wegzureden.

Albig hatte sich schon für den Wahlabend einen Spruch zurechtgelegt, mit dem er die erwartbaren Fragen der Journalisten nach dem Heide-Mörder wegschmunzelte „Ich heiße Torsten und habe da keine Angst vor“, erklärte Albig in jede Kamera. Geschickt gekontert. Auch die alte schwarz-gelbe Regierung habe nur eine Stimme zur Mehrheit gehabt.

Kommentare zu " Schleswig-Holstein: Der lange Schatten des Heide-Mörders"

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  • mazi,

    "Die Wahlerfahrung hat gezeigt, dass nicht jeder Stoiber auch Stoiber heißt."

    Ach wie süüüsss. Was aber die Erfahrung als solche zeigt: Man kann ein Euroskeptiker vor dem Herren sein - wenn man dann aber mit Europa praktisch befasst ist, man anfängt zu verstehen, worüber man vorher nur populistisch herumgefaselt hat ... taj, dann kann es schon mal passieren, daß aus einem "Skeptiker" ein großer Freund wird.

    Von Stoiber lernen, werte EuroNeurotischen, heisst DENKEN lernen. Er jedenfalls hat's ja gelernt ;-D

    Verdammt, warum gibt's bloß kein ASCII Zeichen für eine drei Meter lange Zunge, wenn man mal eins bräuchte?

  • "SPD-Mann Torsten Albig will sich im Norden mit denkbar knapper Ein-Stimmen-Mehrheit zum Ministerpräsidenten wählen lassen."

    Für die Pension reicht's. Ob es auch zum Regieren reicht, wird man sehen.

    Die Wahlerfahrung hat gezeigt, dass nicht jeder Stoiber auch Stoiber heißt.

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