Schließung bei Schieflage
Ruf nach deutlich schärferer Bankenregulierung

Das Welt-Finanzsystem ist noch immer kaum gegen neue Krisen gewappnet. Diese Einschätzung des IWF wird von Ökonomen geteilt. Sie fordern schärfere Regeln - genauso wie die Politik.
  • 5

DüsseldorfDer Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, plädiert für ein hartes Vorgehen gegen Banken, die durch Missmanagement zu einem Risiko für die Finanzmärkte werden. "Die sinnvollste Regulierung ist der Marktaustritt bei Insolvenz", sagte Schäffler Handelsblatt Online. "Dies muss gemeinsam mit einer marktwirtschaftlichen Geldordnung die Antwort auf die Krise sein."

Kritisch äußerte sich Schäffler in diesem Zusammenhang zu einer Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF), in der ein Neustart bei der Bankenregulierung, insbesondere eine Größenbeschränkung für Kreditinstitute, vorgeschlagen wird. "Der IWF verwechselt Ursache und Wirkung der Überschuldungskrise von Staaten und Banken", sagte Schäffler.

Die Ursache liege vielmehr im derzeitigen Geldsystem, das Banken erlaube, mit Hilfe der Notenbanken, Kredite und damit Geld aus dem Nichts zu schaffen. "Die Notenbanken sind durch ihre Politik des billigen Geldes die Verursacher für die Vermögensblasen, die jetzt den Banken Probleme bereiten", sagte der FDP-Politiker und fügte hinzu: "Derzeit werfen sie mit billigen Zinsen immer neue Brandbeschleuniger ins Feuer."

Auch deutsche Ökonomen fordern eine deutlich schärfere Bankenregulierung, um das Welt-Finanzsystem gegen neue Finanzkrisen zu wappnen. Eine absolute Größenbeschränkung von Kreditinstituten, wie das der IWF am Donnerstag in einer Studie vorgeschlagen hatte, reiche nicht aus. Vielmehr müsse das Geschäftsgebaren der Banken "erheblich strikter" reguliert werden, sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, Handelsblatt Online. "Spürbar höhere Eigenkapitalunterlegung, Beschränkung des Leveraging (Verschuldung der Banken; d. Red.) und massive Beschränkungen auf den Derivatemärkten müssen die Geschäfte von Banken sicherer machen", verlangte er.

Horn hält es für wahrscheinlich, dass vor diesem Hintergrund damit auch eine Schrumpfung des Bankensektors insgesamt wie auch einzelner Banken, die sich besonders stark in riskanten Geschäften engagiert haben, einhergeht. "Auch die Schattenbanken müssen stärker reguliert werden, beispielsweise durch die Beschränkung von Leveraging und auch von Leerverkäufen", fügte der IMK-Chef hinzu: "Aber sie können durchaus höhere Risiken eingehen als Banken, werden dafür aber im Notfall nicht vom Staat gerettet."

Der renommierte Krisenökonom Max Otte pflichtete dem IWF bei. "Weder bei der Eigenkapitalausstattung, noch bei den Größenbeschränkungen oder den Schattenbanken sind Lösungen entwickelt worden, die über oberflächliche Kosmetik hinausgehen", sagte der Wirtschaftsprofessor an der Fachhochschule Worms Handelsblatt Online. Regulierungsseitig laufe das System prinzipiell genauso weiter wie vor 2008, nur seien die Akteure selber kurzfristig aufgrund des Schocks der Finanzkrise etwas vorsichtiger geworden.

Seite 1:

Ruf nach deutlich schärferer Bankenregulierung

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Schließung bei Schieflage: Ruf nach deutlich schärferer Bankenregulierung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Für jedes Problem gibt es eine lösung, die einfach, elegant - und falsch ist. Das system hat viele Jahre gut funktioniert, also sollte der Ansatz sein, das Gute zu retten, die Rahmenbedingungen zu normalisieren und Übertreibungen zu verhindern. Dass daran nicht gearbeitet würde ist unrichtig. Die Rechtslage in Deutschland ist seit Ende letzten Jahres insoweit neu geordnet - was international keine Lösung ist, aber ein konstruktiver Schritt. Weiter so!

  • Was heisst "...gegen Krisen gewappnet" sein wollen? Dass keine neuen entstehen? Das wäre ein etwas dümmlicher Wunsch, weil keinerlei Aussicht au Erfolg besteht. Zum Glück! Das würde sonst bedeuten, das der Fortschritt auf den verschiedensten Gebieten (also nicht nur Wirschaft) zum Stillstand käme, da gerade Krisen und Probleme die Kreativität des Menschen und der Natur fordern. Beispiel: Katastrophen und Evolution (wir hätten sonst heute noch die Saurier).

  • Was ist denn da los? Haben die Lobbyisten der Finanzbranche etwa die Meinungsführerschaft verloren?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%