Schlüsseltechniken
Nordrhein-Westfalen will Elektroautos fördern

Das Bundesland Nordrhein-Westfalen will die Entwicklung neuer Technik rund ums Elektroauto besonders fördern. „Wir wollen Akteure aus dem Umfeld der Elektromobilität landesweit vernetzen und zielen damit vor allem auf die Anwendung in innovativen Produkten ab“, sagte Wirtschafts-Staatssekretär Jens Baganz in Tokio dem Handelsblatt.

TOKIO. Kommende Woche werde die Landesregierung Details zu dem geplanten Programm vorstellen. Baganz warb am Dienstag in Tokio auch um japanische Investoren im Zusammenhang mit dem Projekt. „Uns ist klar, dass wir beispielsweise nur wenig Erfahrung in der Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus haben, da liegen Anbieter aus Japan und Korea weit vorne“, sagte Baganz. Die Förderung des Landes stehe Unternehmen aus der ganzen Welt offen. Einheimischen Anbieter könnten einige dringend nötige Schlüsseltechniken einfach nicht bereitstellen. Diese fehlenden Bindeglieder sollen aus Asien kommen.

Die Landesregierung will jedoch in erster Linie die Forschungseinrichtungen an Rhein und Ruhr untereinander in Kontakt bringen und zur Zusammenarbeit mit Industrieunternehmen bei der Entwicklung von konkreten Anwendungen bewegen. Elektroautos gelten als Schlüsselprodukt der Zukunft. Sie könnten nicht nur benzingetriebene Fahrzeuge komplett ablösen. Ihnen kommt auch eine besondere Rolle bei der Nutzung von Wind- und Sonnenkraft zu. Die starken Batterien in den Elektroautos lassen sich dann laden, wenn die alternative Energie wetterbedingt gerade zur Verfügung steht und bilden damit einen Puffer für die Stromversorgung.

Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium hat 99 Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft identifiziert, die es vernetzen will. An der Uni Münster soll beispielsweise ein Kompetenzzentrum für Lithium-Ionen-Akkus unter Federführung des Batterieforschers Martin Winter entstehen. Die Fachhochschule Bochum hat kürzlich bereits eine Professur für Elektromobilität eingerichtet.

Die japanischen Unternehmen zeigen vergleichsweise großes Interesse an einer Zusammenarbeit. Deutschland gilt in Nippon neben dem eigenen Land als führend in Umwelttechnik. Außerdem gilt die EU generell als wichtiger Markt für Energiesparprodukte der eigenen Industrie. Aus Verhandlungskreisen war zu höhren, dass sich bei der Investitionsförderung des Landes Nordrhein-Westfalen bereits eine ganze Reihe von Interessenten für ein Engagement im Rahmen des Elektroprojekts gemeldet haben. NRW hat in dem Inselreich in Fernost einen besonders guten Ruf als Standort: Allein in Düsseldorf sitzen über 500 Tochtergesellschaften japanischer Unternehmen, die zusammen auf einen Umsatz über 35 Mrd. Euro kommen. Es gibt eine japanische Schule und einen Tempel.

Baganz kündigte überdies an, dass Nordrhein-Westfalen an einem bundesweiten Förderplan für die Einführung umweltfreundlicher Autos teilnehmen wolle. Ziel sei es, in den kommenden Jahren 250 000 Elektro- und Hybridfahrzeuge auf die Straßen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes zu bringen. Das Wirtschaftsministerium in Berlin plant die Einrichtung von acht Modellregionen zur stärkeren Verbreitung von Elektroautos.

Auch Japan fördert derzeit Elektroautos auf allen Ebenen. An den Unis laufen Forschungsprojekte zur Batterie- und Antriebstechnik. Wer derzeit ein Hybridauto mit Benzin- und Elektromotor kauft, muss keine Anschaffungs- und Tonnagesteuer zahlen. Die derzeit neu antretende Regierung hält zudem an dem Wahlkampfversprechen fest, den Treibhausgasausstoß des Industrielandes bis 2020 um 25 Prozent im Vergleich zu 1990 zu verringern.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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