Deutschland
Schmidt-Berater spricht von wirtschaftlichen Reserven in Krankenhäusern

Der Kölner Ökonomie-Professor und Berater von Sozialministerin Ulla Schmidt, Karl Lauterbach, ist der Ansicht entgegengetreten, die Umsetzung des EuGH-Urteils zum Bereitschaftsdienst von Ärzten bedeute automatisch sehr hohe Kosten für die Neueinstellung von Ärzten. Noch gebe es erhebliche wirtschaftliche Reserven, sagte Lauterbach dem Handelsblatt (Mittwochausgabe).

BERLIN. "In deutschen Krankenhäusern liegt jeder Patient immer noch im Durchschnitt fast doppelt so lang für eine Krankheit wie im europäischen Ausland. Außerdem ist die Zahl der Krankenhauseinweisungen nirgends höher als in Deutschland. Da gibt es also noch erhebliche Wirtschaftlichkeitsreserven. Sie sollten gehoben werden, bevor nach frischem Geld gerufen wird", sagte Lauterbach.

Ein erheblicher Druck in diese Richtung gehe schon vom neuen Vergütungssystem der Krankenhäuser aus. Danach zahlten die Krankenkassen nur noch einen festen Geldbetrag für jeden Krankheitsfall, so genannte diagnosebezogene Fallpauschalen, statt für jeden Tag der Behandlung. Dies dürfte in wenigen Jahren zu deutlich kürzeren Verweildauern führen, erläuterte Lauterbach.

Ein Problem ist nach seinen Worten allerdings, dass die strenge Trennung zwischen der ambulanten ärztlichen Versorgung in den niedergelassenen Arztpraxen und der stationären Behandlung am Krankenhaus dazu geführt habe, dass die Kassenärzte mehr Patienten als notwendig ins Krankenhaus einwiesen. Ein Grund dafür sei, dass die Ärzte für jeden Patienten, den sie ambulant behandeln, nur begrenzte Honorare bekämen.

Deshalb müssten die Krankenhäuser sich konsequent für die ambulante Behandlung öffnen. "Nur wenn sie das tun, werden sie mit den neuen Fallpauschalen zu Recht kommen. Nur dann haben sie eine Chance, ihre Wirtschaftlichkeitsreserven zu heben. Dann können sie auch die Mehrkosten durch das EuGH-Urteil verkraften", sagte Lauterbach.

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