Schmidt-Kritik
Helmut Schmidt rechnet mit Angela Merkel ab

Während in Brüssel die EU-Finanzminister um Wege aus der Schuldenkrise ringen, rechnet Helmut Schmidt im Handelsblatt-Interview grundsätzlich mit dem Krisenmanagement der Regierung und der Bundesbank ab. Vor allem mit Bundeskanzlerin Angela Merkel geht Schmidt hart ins Gericht.
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DÜSSELDORF. Ohne ihn gäbe es keinen Euro: Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt hat gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing das europäische Währungssystem gegründet, aus dem später dann die gemeinsame europäische Währung, der Euro, entstanden ist.

Jetzt, auf dem Höhepunkt der Euro-Krise, stellt Schmidt sich mit seiner moralischen und politischen Autorität hinter das Jahrhundertprojekt – und rechnet mit den europäischen Krisenmanagern ab. „Generell würde ich sagen: Europa fehlen Führungspersönlichkeiten – Personen in hohen Ämtern der Nationalstaaten mit genügendem Überblick über nationale wie internationale Fragen und ausreichender Urteilskraft. Es gibt wenige Ausnahmen wie Jean-Claude Juncker, den Premierminister von Luxemburg, aber sein Land ist zu klein, um eine substanzielle Rolle zu spielen“, sagte Schmidt in einem Interview, das der Handelsblatt-Kolumnist und Währungsexperte David Marsh führte.

Vor allem mit Bundeskanzlerin Angela Merkel geht Schmidt hart ins Gericht. Die Bundeskanzlerin agiere in der Krise „nicht sehr geschickt“. Auch Finanzminister Schäuble muss sich von Schmidt Kritik vorhalten lassen. „Haushalts- und Steuerprobleme versteht er gut. Doch die internationalen Geld- und Kapitalmärkte, das Bankensystem oder die Aufsicht über die Banken und Schattenbanken sind neu für ihn.“

„Wir brauchen Personen in den Spitzenämtern, die ein Verständnis von der heutigen Wirtschaft haben“, sagte Schmidt im Interview, das sich wie das europapolitische Vermächtnis des früheren Regierungschefs liest.

Schmidt stört sich wie viele Europa-Experten an der zögerlichen Haltung der Bundesregierung bei der Unterstützung Griechenlands im Mai dieses Jahres.

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  • Tja, man sieht wes Geistes Kind Schmidt ist: ein höriger Transatlantiker und willfähriger bankenhandlanger. Wir erinnern uns, was die von Schmidt geforderten "bailouts" in Wirklichkeit sind: die Rettung bankrotter banken durch Steuergelder und die Garantie, daß banken die sich verzockt haben, keinerlei Risiko dafür tragen müssen. Schmidt bekräftigt somit die Scheinrealität, daß die Nationen den banken zu dienen haben, statt umgekehrt. Auch sind ihm die bundesbanker zu national und zu wenig liberal: Wir wollen uns auch hier ins Gedächtnis rufen, was LibERAL eigentlich heißt: die uneingeschränkte Kontroller privater Strukturen über die Menschen, Nationen und Völker. Liberal heißt Freihandel im Namen der internationalen Finanz-Oligarchie sowie der anhängenden Handels-Trusts. Alte EMPiRE-Strategie eben... Danke für die Auskunft Herr Schmidt!

  • Natürlich hat Schmidt nicht in allen Punkten Recht, so meitne ich das auch nicht.
    Aber es waren damals noch Politiker die handelten. Heute haben wir doch die reinste Laienspielgruppe.

    [22] Systemling
    Sie ahben es sehr gut auf den Punkt gebracht

  • Tja, Herr Altkanzler, alles richtig und trotzdem falsch. Wenn das Wasser nun mal nicht den berg hinauf fließt, dann fließt es eben nicht hinauf. Es staut sich höchstens an einer barriere und steigt so lange nach oben, bis es überläuft oder der Damm bricht. Und dann ist es besser, der Damm bricht so bald wie möglich, denn dann sind die Schäden geringer. Oder, wie es der Altkanzler selbst mit blick auf Afghanistan sagte: Einen Krieg, den man nicht gewinnen kann, muss man beenden. Und zwar so klug, wie irgend möglich.

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