Schottdorf-Prozess
Die belastende Aussage des LKA-Manns

Im Strafprozess gegen die Großlabor-Betreiber Schottdorf sagt einer der Hauptermittler aus - und bringt die Angeklagten weiter in Bedrängnis. Von deren Verteidigungstaktik scheint wenig übrig zu bleiben.

AugsburgFür Bernd und Gabriele Schottdorf dürfte Robert Mahler ein besonders rotes Tuch sein. Über Jahre hat der Beamte des Landeskriminalamts gegen das Ehepaar ermittelt, und Bernd Schottdorf hat mit seinen Anwälten nichts unversucht gelassen, ihm dabei Steine in den Weg zu legen. Persönlich begegnet sind sie sich dabei nie.

Am heutigen Mittwoch treffen sie deshalb erstmals aufeinander, im Strafjustizzentrum der Stadt Augsburg - weil Mahlers Arbeit und die seiner Kollegen von der Sonderkommission „Labor“ das Ehepaar wegen Betrugsverdachts vor Gericht gebracht hat. Und weil der 33-jährige Kriminalhauptkommissar nun vor dem Landgericht als Zeuge zu Wort kommt.

Mahler soll die Vernehmung von Labor-Arzt Dr. M. aus Bochum schildern, Betreiber eines Außenlabors, der in Verdacht steht, lediglich scheinselbstständig für die Augsburger Laborfirma der Schottdorfs tätig gewesen zu sein.

Dr. M., so Mahlers Bericht, habe nach seiner Einschätzung die „Funktion eines leitenden Angestellten“ der Schottdorfs gehabt. Auf die Frage etwa, ob Dr. M. unabhängig habe entscheiden dürfen, was genau im Labor untersucht werde, habe der gesagt: „Nur in Absprache mit Augsburg – das wird dort nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten entschieden“.

Es sind Aussagen wie diese, die die Schottdorfs auch an diesem Verhandlungstag in Bedrängnis bringen. Weil sie klar machen: Die Großlabor-Betreiber waren wohl nicht, wie sie bisher behaupten, bloße Partner von angeblich frei agierenden Außenlaboren gewesen. Im Gegenteil: Nach Mahlers Aussage hielten sie offenbar stets die Fäden in der Hand.

Das Schottdorf-Verfahren ist ein Mammut-Prozess. Von den ersten Ermittlungen 2006 bis zum Prozessbeginn dauerte es knapp 10 Jahre. Auch, weil die Staatsanwaltschaft Augsburg eine merkwürdige Verfolgungslethargie an den Tag legte. In der nach sechs Jahren dann vorgelegten Anklageschrift wirft sie den Schottdorfs vor, sie hätten von 2004 bis 2007 die gesetzliche Abstaffelung für Laborhonorare betrügerisch umgangen.

Die damals wohl größten Labor-Betreiber Europas sollen zahlreiche Außenlabore in ganz Deutschland mit der Abrechnung von Spezial-Laboranalysen beauftragt haben, deren Inhaber aber nur zum Schein selbstständig gewesen sein sollen. In Wirklichkeit, so die Ermittler, wurden sie wie abhängige Angestellte in „Zweigstellen“ der Schottdorf-Firma Syscomp behandelt.

124 Einzelfälle hat die Staatsanwaltschaft aufgelistet, Gesamtschaden knapp 79 Millionen Euro. Die Schottdorfs selbst sollen sich um knapp 13 Millionen Euro bereichert haben. Bewahrheitet sich dies, drohen ihnen wohl Haftstrafen ohne Bewährung.

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