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25.01.2005 
Kanzler spricht auf Holocaust-Gedenkfeier

Schröder bekundet Scham angesichts des Holocaust

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat in einer Rede zum Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz die besondere Verantwortung der Deutschen in Bezug auf die Spuren ihrer Vergangenheit betont und zum Kampf gegen Antisemitismus aufgerufen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder spricht in Berlin auf der Gedenkveranstaltung des Internationalen Auschwitz Komitees. Foto: dpaLupe

Bundeskanzler Gerhard Schröder spricht in Berlin auf der Gedenkveranstaltung des Internationalen Auschwitz Komitees. Foto: dpa

HB BERLIN. „Ich bekunde meine Scham angesichts der Ermordeten - und vor allem vor Ihnen, die Sie die Hölle der Konzentrationslager überlebt haben“ sagte Schröder am Dienstag in Berlin zum 60. Jahrestag der Befreiung des KZ durch die sowjetische Armee am 27. Januar 1945. Der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses, Israel Singer, forderte eine breitere Auseinandersetzung mit den Ursachen des Holocausts und beklagte, das Andenken an den Holocaust werde zunehmend eine Angelegenheit der Juden. Die Deutsche Bischofskonferenz erklärte, Auschwitz sei auch möglich geworden, weil zu wenige Deutsche den Mut zu Widerstand gehabt hätten. Auch die katholische Kirche müsse sich nach ihrer Mitverantwortung für den Holocaust fragen lassen.

Schröder betonte, es sei nicht selbstverständlich, dass ein deutscher Bundeskanzler eingeladen werde, zum Jahrestag der KZ-Befreiung zu sprechen: „Uns Deutschen stünde es gut an, angesichts des größten Menschheitsverbrechens zu schweigen.“ Aus der deutschen Geschichte, aus Nationalsozialismus und Holocaust, folge die Verpflichtung Deutschlands, die Erinnerung an die Geschehnisse zu bewahren und dem Antisemitismus und Rechtsextremismus entgegen zu treten. „Die überwältigende Mehrheit der heute lebenden Deutschen trägt keine Schuld am Holocaust. Aber sie trägt eine besondere Verantwortung.“ Die Erinnerung an Krieg und Völkermord sei Teil der gelebten Verfassung und nationalen Identität Deutschlands geworden, auch wenn sie für viele schwer zu ertragen sei. „Die Verlockung des Vergessens und des Verdrängens ist sehr groß. Doch wir werden ihr nicht erliegen.“

Ohne auf den Eklat im sächsischen Landtag durch das Verhalten der rechtsextremen NPD einzugehen, rief Schröder zu einer politischen Auseinandersetzung mit Rechtsextremisten, Alt- und Neonazis auf. „Es ist gemeinsame Pflicht aller Demokraten, der widerlichen Hetze der Neonazis und den immer neuen Versuchen, die Nazi-Verbrechen zu verharmlosen, entschieden entgegenzutreten.“ Zugleich bekräftigte der Kanzler: „Die jüdische Gemeinschaft ist und bleibt ein unersetzlicher Teil unserer Kultur und unserer Gesellschaft. (...) Vor dem Antisemitismus der Unbelehrbaren werden wir sie mit der Macht des Staates schützen.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Gedenken darf sich nicht in Errichtung von Mahnmalen erschöpfen"

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