Schröder: „Er wäre ein exzellenter EU-Außenminister.“
Fischer: Erst zögerte er - dann wollte er - nun bleibt er

Das Spiel lief zunächst über Monate nach nur einem Drehbuch: Wo immer Joschka Fischer vor Journalisten auftrat, wurde er nach seinen Ambitionen gefragt, der erste EU-Außenminister zu werden. Seine Antworten lautete stets: „Vergiss es! Ich bin gerne Außenminister“. Das war die offizielle Seite.

HB/dpa BERLIN. In den vergangenen Wochen herrschte in Berlin und Brüssel dann der Eindruck vor, Fischer spiele mehr denn je gedanklich mit dem Brüsseler Posten und suche eine rasche Entscheidung darüber. Wann immer er auf die schwache Stellung des künftigen EU-Chefdiplomaten angesprochen wurde, der ohne Veto-Recht zwischen bald 25 Ländern wird vermitteln müssen, schilderte der Grüne fast begeistert die Möglichkeiten des neuen Jobs: Er bringe gewaltige Chancen für die Stimme Europas in der Welt.

Dass sich Fischer nun letztlich auch mit Blick auf 2006 für die Fortsetzung des Wahltandems mit Bundeskanzler Gerhard Schröder entschieden hat, mag vor allem innenpolitische Gründe haben. Es häuften sich aber in jüngster Zeit auch die Zweifel an einem reibungslosen Wechsel Fischers nach Brüssel.

Den Posten des EU-Außenministers wird es frühestens Ende 2006 geben können. Denn erst dann wird die neue EU-Verfassung, die dieses Amt vorsieht, in allen Ländern ratifiziert sein. Dass Fischer so lange als „Dauerkandidat“ wartet - bei instabiler innenpolitischer Lage - glaubten inzwischen nur noch wenige. Hinzu kamen Signale aus der konservativen Mehrheit im EU-Parlament, die sich einen Grünen an der Spitze der künftigen EU-Regierung neben dem EU-Kommissionschef nach der Europawahl von 2004 nicht vorstellen kann.

Die offene Fischer-Personalie drohte aber auch, das notwendige Zusammenspiel der Außenminister auf EU-Ebene zu stören. Die Haltung Fischers bei Konfliktthemen wurde zunehmend unter dem Gesichtspunkt betrachtet, ob sie seiner Kandidatur nutzt oder schadet. Es drohte ferner eine Schwächung der anderen deutschen Kommissare, etwa von Günter Verheugen, der bei einem Wechsel Fischers in die Kommission seine Position als Erweiterungskommissar hätte räumen müssen.

So gesehen spricht vieles dafür, dass der Bundesaußenminister die Spekulationen um seine Zukunft jetzt beenden wollte. Und vielleicht war das von Anfang an von interessierter Seite auch so gewollt. Schröder hatte vor Monaten ohne Not die Debatte neu entfacht: „Er wäre ein exzellenter EU-Außenminister.“ Er wusste wohl, dass in der Politik niemand eine Position als Dauerkandidaten über eine so lange Strecke durchhalten kann.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%