Schröder für große Koalition
SPD und CDU pokern um die Macht

Im Berliner Machtpoker zwischen Union und SPD gibt es erste Zeichen der Annäherung. Dennoch bleibt die Frage, wer das Kanzleramt übernehmen soll. Merkel oder Schröder - oder gar ein Kanzler als Teilzeitkraft? Die Grüne bereiten sich unterdessen offenbar auf die Opposition vor.

HB BERLIN. Vor einer Woche hatte der Kanzler in der "Berliner Runde" von ARD und ZDF unmittelbar nach der Bundestagswahl Mill. Zuschauer verblüfft - Gerhard Schröder erhob den Anspruch, auch in einer großen Koalition die Führung zu übernehmen. "Wie soll das denn sonst funktionieren?", hatte Schröder Hinweise auf das dürftige SPD - Wahlergebnis leicht ruppig abgetan.

Auch an diesem Sonntag ging Schröder wieder in ein Fernsehstudio, um sich befragen zu lassen. Schon im Laufe der Woche hatte er eingestanden, sein Verhalten in der TV-Runde, in der ihm auch seine Kontrahentin Angela Merkel gegenüber saß, sei "suboptimal" gewesen. "War nicht gut, ich weiß", sagte er einer Wochenzeitung. Entsprechend trat er diesmal konzilianter auf. Vor allem entpuppte sich der Kanzler - jetzt, wo "alle anderen Möglichkeiten unwahrscheinlich sind oder gescheitert sind" - als Befürworter der großen Koalition.

Schröder ließ jedoch auch Raum für Interpretationen: Welchen Preis ist er bereit zu zahlen? Wird er auf die Kanzlerschaft, die er noch vor sieben Tagen für sich reklamiert hatte, verzichten? Der eine oder andere Satz ließ aufhorchen. Etwa: "Ich bin dafür, dass diese Koalition zustande kommt, ich werde alles dafür tun, damit sie zustande kommt." In einer anderen Passage beteuerte er, die Führungsfrage müsse gelöst werden. Nur wie, das sagte er nicht.

Das war auch nicht erwarten worden. Denn Union und SPD pokern derzeit. Frühestens nach der Nachwahl in Dresden am 2. Oktober wird es in den Gesprächen zwischen den beiden Volksparteien ernst werden. Nach diesem Wochenende ist noch nicht einmal klar, wie die beiden überhaupt an einen Tisch kommen sollen, um tatsächlich nach Sondierungsgesprächen Koalitionsverhandlungen aufzunehmen.

Gut eine Woche vor der Bundestags-Nachwahl in Dresden liegt die CDU in der Wählergunst knapp vorn. Wenn im Wahlkreis 160 (Dresden I) schon an diesem Sonntag gewählt würde, ginge das Direktmandat mit 32 % der Erststimmen an den Unions-Kandidaten Andreas Lämmel. Bei den Zweitstimmen käme die Union laut Umfrage im Auftrag der "Sächsischen Zeitung" (Samstag) auf 29 %, die SPD auf 28 %.

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