Schröder-Memoiren
Die Medien-Masche verfängt, das Marketing läuft wie geschmiert

In dieser Woche kommen die 544 Seiten starken Memoiren „Entscheidungen. Mein Leben in der Politik“ des Altkanzlers Gerhard Schröder auf den Markt. Im Vorfeld startet der Vermarktungsspezialist Schröder eine Kampagne, wie sie Deutschland bisher kaum gesehen hat.

DÜSSELDORF. Was haben Klamauk-Oldie Karl Dall und Altbundeskanzler Gerhard Schröder gemeinsam? Ihre Memoiren erscheinen im selben Verlag. Das über 200 Jahre alte Haus Hoffmann & Campe, eine Tochter der Verlagsgruppe Ganske („Feinschmecker“, „Merian), bringt das 544 Seiten starke Buch „Entscheidungen. Mein Leben in der Politik“ des Altkanzlers in dieser Woche zum Preis von 25 Euro auf den Markt. Doch während Karl Dall es bei der Vermarktung seines Buches nur zu Terminen wie dem zuschauerschwachen ZDF-Mittagsmagazin oder der angestaubten Pro-Sieben-Blödelshow „TV Total“ geschafft hat, startet der Vermarktungsspezialist Schröder eine Kampagne, wie sie Deutschland bisher selten sah.

Schröder ist in den nächsten Wochen überall: bei Reinhold Beckmann, bei Sabine Christiansen und natürlich bei Ulrich Wickert. Der frühere „Tagesthemen“-Chef darf auf dem Dokumentationskanal „Phoenix“ gleich drei Abende mit Schröder über seinen Widersacher Oskar Lafontaine, über US-Präsident George Bush oder schlichtweg über die verlorene Bundestagswahl sprechen. Schröder XXXL. Für den Autor und seinen Verlag sind kostenlose Vorabdrucke in „Bild“ und „Spiegel“ erst die Ouvertüre zum Reklamefeldzug.

Damit das Buch ein Erfolg wird, muss es polarisieren. Hinter der perfekten Inszenierung steht der PR-Berater Claus-Martin Carlsberg und seine Münchener Agentur Carlsberg & Schiller Communication. Der Strippenzieher, früher Pressechef der Verlagsgruppe Ullstein-Heyne-List, hat erst kürzlich mit großem Erfolg auch Eva Hermans Buch „Das Eva-Prinzip“ medial inszeniert. Kaum etwas hat die deutsche Öffentlichkeit in den vergangenen Wochen so entzweit, wie die provokanten und zugleich banalen Thesen der „Tagesschau“-Sprecherin zur Weiblichkeit. Nun soll das „Schröder-Prinzip“ folgen.

Die Grundlage für einen Markterfolg haben Schröder und seine Helfer am Wochenende gelegt. Mit der These, dass Gewerkschaften und die SPD-Linke für das Scheitern der rot-grünen Regierungskoalition verantwortlich seien, polarisierst Autor Schröder. IG-Metall-Chef Jürgen Peters reagierte empört. „Wer mehr als zehn Wahlen hintereinander verliert, sollte die Verantwortung nicht bei anderen suchen, sondern zumindest im Nachhinein seine Politik überprüfen“, polterte der Gewerkschafter. Schröders Buch spaltet, und das ist gut für den Verkauf.

Hoffmann & Campe bringt das Werk in einer Startauflage von 160 000 Exemplaren in die Buchläden; ursprünglich waren 120 000 geplant. Mit diesem fulminanten Start hat Schröder den früheren US-Präsidenten Bill Clinton und seine Startauflage in Deutschland in den Schatten gestellt. Nur beim Vorschuss musste sich Schröder bescheiden. Clinton bekam von der Buchtochter des Medienkonzerns Bertelsmann den einmaligen Vorschuss von zehn Mill. Euro für sein fast tausend Seiten starkes Buch „My life“. Hingegen seien es bei Schröder weniger als ein Zehntel gewesen, spekulieren Brancheninsider. Genaue Zahlen nennt Verleger Günter Berg nicht. Hoffmann & Campe hatte sich in einem Bieterkampf Ende des vergangenen Jahres gegen eine Reihe von Verlagen durchgesetzt, darunter der Branchenprimus Random House, Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann.

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