Schröder präsentiert Memoiren in Russland
Dissident Gerhard

Pünktlich zu Beginn der Moskauer Buchmesse erscheinen die Memoiren von Altkanzler Schröder auch in Russland: Das Vorwort für die russische Ausgabe hat kein geringerer als der stellvertretende russische Ministerpräsident und Gazprom-Aufsichtsratschef Dmitri Medwedew verfasst. Bei einer Signierstunde gibt der Geschäftsmann Schröder Autogramme.

MOSKAU. Gerhard Schröder hat viele Freunde in Russland – daran besteht kein Zweifel: Es ist Samstagmorgen um viertel vor zehn. Die Moskauer Bürgersteige sind um diese Zeit noch hochgeklappt. In der Buchhandlung Moskwa auf der Prachtstraße Twerskaja herrscht dennoch Betrieb. Der Altbundeskanzler ist zu einer Signierstunde eingetroffen. Seine Autobiografie „Entscheidungen, mein Leben in der Politik“ erscheint nun auch auf Russisch.

Gerhard Schröder hat hinter einem Tischchen im hellblauen, in Neonlicht getauchten Verkaufsraum Platz genommen. Vor ihm die lange Reihe der Kameras und eine Schlange von weit über hundert russischen Fans, die für sein Autogramm anstehen. Schröder, der sei doch ein echter Freund Russlands, ist der Tenor. Später wird der Exkanzler dann mit der ihm eigenen Bescheidenheit von einem „kleinen Rekord“ sprechen: Noch nie in der Geschichte der bekannten Buchhandlung hätten so viele Leute um die Signatur eines Buches angestanden.

Schröder ist bei einem seiner raren öffentlichen Auftritte in Russland entspannt. Der Teint gut, das Kanzlerlächeln an. Er soll ja öfter in Moskau sein, heißt es – meist machen die Gerüchte die Runde, wenn er schon wieder weg ist. Er ist ja heute nicht mehr Politiker, sondern Geschäftsmann.

An diesem Samstag lässt sich beides schön verbinden. Seine Erinnerungen versprechen auch in Russland ein Erfolg zu werden: Diese Woche beginnt die Moskauer Buchmesse, Schröder und sein Werk wurden in den russischen Medien heftig beworben. Niemand Geringeres als der stellvertretende russische Ministerpräsident und Gazprom-Aufsichtsratschef Dmitri Medwedew hat das Vorwort für die russische Ausgabe geschrieben.

Und weil es ja um Politik geht und Schröder nach wie vor ein verlässlicher Freund Russlands ist, bekommt der Altbundeskanzler auch einen würdigen Raum, um sich dem Politischen zu widmen: Im Hotel President, ein noch zu späten Sowjetzeiten für Staatsgäste errichteter Prachtbau, haben sich führende Politologen, echte Politiker und Journalisten versammelt, um mit Schröder vor laufenden Kameras über sein Werk zu „diskutieren“.

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