Schröder stellt Buch vor
„Basta“ kann er immer noch

Großer Auftritt für den Altkanzler: In Berlin stellte Gerhard Schröder sein neues Buch vor. Vor allem war es eine Show des Lobes und des Selbstlobes – inklusive einer schmeichelnden Rede des Co-Chefs der Deutschen Bank.
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BerlinHerr Bundeskanzler – rein protokollarisch ist diese Anrede für Gerhard Schröder korrekt. Wer aus dem Amt ausgeschieden ist, darf den Titel „Bundeskanzler a.D.“ führen. Und so begrüßen Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, sowie Manuel Herder, Geschäftsführer des Herder-Verlages, Gerhard Schröder am Freitagmittag in Berlin als „Herr Bundeskanzler“.

Schröder ist für die Präsentation seines Buches „Klare Worte“ in die Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Bank gekommen. Auch der Publizist Michael Naumann, unter Schröder Kulturstaatsminister im Kanzleramt, setzt zu der förmlichen Begrüßung an, unterbricht sich aber umgehend selbst: „Herr Bundeskanzler darf man nicht sagen. Das mag er gar nicht“, erklärt Naumann, der die Veranstaltung moderiert, süffisant. Schröder nickt. Diese Buchpräsentation dreht sich um ihn – ergo sollen alle auch nach seinen Regeln spielen.

Doch Nauman will nicht so recht mitspielen und versucht Schröder schon mit seiner ersten Frage aufs Glatteis zu führen. Ob Oskar Lafontaine im Nachhinein nicht als Prophet bezeichnet werden müsste? Immerhin habe der sich gegen die Deregulierung der Finanzmärkte gewehrt als er noch Finanzminister unter Schröder war.

Der Altkanzler ist sichtlich begeistert. Bei der Präsentation seines eigenen Buches soll er über seinen früheren Intimfeind sprechen. „Wir sollten hieraus jetzt keine Diskussion über das Wirken von Oskar Lafontaine machen“, lautet Schröders kühle Antwort. Lafontaine sei zwar einer der begabtesten Politiker, die er kenne. Aber leider wolle er immer geliebt werden. Rums. Thema beendet. Basta kann Schröder immer noch – auch als Bundeskanzler a.D.

Naumann versucht es mit einem anderen Thema: Staatsschulden. Seiner Meinung nach seien Staaten stabiler, wenn sie Schulden machten und nicht zu sehr sparen würden, führt Naumann aus. „Das ist ein geschichtlicher Fakt.“ Dann wendet er sich zu Schröder: „Ich weiß, dass Du Karl Marx nicht gelesen hast, aber …“. Schröder lässt die Frage nicht zu und antwortet sofort: „Marx habe ich in Exzerpten gelesen.“ Der Saal lacht. Schröder, der sich aus ärmlichen Verhältnissen ganz nach oben geboxt hat, lässt sich nicht vorführen – schon gar nicht, wenn es um sein Lebenswerk gehen soll. Das hat nun jeder begriffen.

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  • Schröder ist beim Deutschbanker so beliebt, weil er den Honorarkonsul der Bankster und sonstiger "Elitegruppen" gibt und deren Regeln durchgesetzt hat. Der gibt den Politzampano mit Durchblick und ist nur ein Lakai des Sytems vom Koruption und Machtgrößenwahn. Wenn man überlegt, wo ein Herr Schröder herkommt wird mir schlecht, wenn ich sehe, wohin der sich entwickelt hat !

  • Der Schröder, hätte längst im knast sitzen müssen wegen der Steuerschenkung an den russen.

  • Schröder war der einzigste Politiker der ein bischen pro russische Politik gemacht hat und den Amerikanern nicht in den Allerwertesten gekrochen ist.

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