Schröder und Merkel treten zum Fernsehduell an
Er will, sie will – nur Guido will nicht

Guido Westerwelle ist ein Mann mit Gedächtnis. 2002, das hat der FDP-Chef in guter Erinnerung, hatte sich Kanzler Gerhard Schröder seine Wiederwahl mit den drei "F" gesichert: Flutwelle, Friedensappelle und Fernsehduelle.

HB BERLINUnions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber, darin waren sich die meisten Meinungsforscher einig, hatte in den Live-Diskussionen damals den Kürzeren gezogen. Damit sich eine solche Schlappe für eine schwarzgelbe Koalition 2005 nicht wiederholt, hat Westerwelle der Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel vorsorglich einen gut gemeinten Rat gegeben: Sie solle auf ein Fernsehduell mit dem Kanzler verzichten, weil dieser ein "internationaler meister im Flirt mit den Kameras" sei. Schröders Einladung sei "vergiftet".

Ganz uneigennützig war der Vorschlag freilich nicht. Denn die FDP hat das Problem, neben einer vor Kraft strotzenden Union im Wahlkampf kaum wahrgenommen zu werden. Ein Fernsehduell der beiden Kontrahenten um den Kanzlerposten verstärkt das Problem für kleine Parteien noch. Deshalb hatte sich Westerwelle 2002 ja selbst zum "Kanzlerkandidaten" der FDP ernannt - ohne jedoch aus dem TV-Duo ein Fernseh-Trio machen zu können. Westerwelles Problem in diesem Jahr: Schröder will das Duell, Merkel will nun auch - und die große Mehrheit der Bürger ohnehin. Der CDU-Chefin blieb nach dem leicht vergifteten Westerwelle-Rat auch kaum etwas anderes übrig. Schließlich schwang bei diesem die Einschätzung mit, sie könne es nicht. Merkel betont nun, sie vertraue auf die Kraft der Argumente. Und die Fernsehanstalten freuen sich, weil ihnen die zwei Rededuelle zwischen Schröder und Stoiber gute Zuschauerquoten bescherten.

Die politische Duell-Premiere "Mann gegen Frau" hat zudem ihren besonderen Reiz. Zumindest schließt sie eine Panne von 2002 aus: Im zweiten Rededuell trugen Kanzler und Herausforderer beide rotgelb gestreifte Krawatten zum schwarzen Anzug.

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