Schröder will im Amt bleiben
Der Leitplanken-Kanzler

Egal ob in Frankfurt, Recklinghausen oder Berlin - wo Gerhard Schröder in den letzten Tagen vor der Wahl aufgetreten ist, hat er gekämpft wie nie zuvor. Sein Problem: Stets mehr zu wollen als die SPD.

Egal ob in Frankfurt, Recklinghausen oder Berlin - wo Gerhard Schröder in den letzten Tagen vor der Wahl aufgetreten ist, hat er gekämpft wie nie zuvor. Doch wenn der Kanzler sprach, dann oft in der Vergangenheitsform - als ahne Schröder, dass sich die Zeit seiner rot-grünen Regierung dem Ende zuneigte. Zumindest dieses Kapitel des untypischsten aller SPD-Bundeskanzler endete am Sonntag tatsächlich. Anders als vor allem Willy Brandt und mit Abstrichen auch Helmut Schmidt ist Schröder mit seiner Partei nie wirklich warm geworden. Den Parteivorsitz hatte er im Jahr 1999 notgedrungen nach dem Rückzug Oskar Lafontaines übernommen. Die Stabübergabe an Franz Müntefering 2004 war für ihn deshalb Signal des Scheiterns als auch der Erleichterung.

Denn prägend für Schröders Regierungsstil ist eine tief sitzende Verachtung für Parteitagsbeschlüsse und Lehrbuchweisheiten. Für ihn gilt: Ich bin das Programm, die Partei hat zu folgen. Das klingt nicht nur arrogant, sondern entspringt seiner Weltsicht. Tatsächlich ist der frühere Juso-Vorsitzende undogmatischer als viele seiner Genossen. Mehr als einmal hat Schröder betont, dass es in einer sich so schnell wandelnden Welt keine Patentrezepte mehr geben könne. Stets sah er sich deshalb dem Vorwurf ausgesetzt, keine rote Linie zu haben, zu sprunghaft zu sein.

Für den unsteten Eindruck seiner Kanzlerschaft sorgte aber nicht nur er selbst, sondern eine Vielzahl anderer Faktoren: 1998 trat Schröder zwar als rot-grüner Kanzler neben SPD-Parteichef Oskar Lafontaine an - gewählt worden war er aber als "Kanzler der Mitte". Stets war er reformfreudiger als seine im Prinzip strukturkonservative Partei. Erst musste er mit Lafontaine über wirtschafts- und finanzpolitische Konzepte streiten. Danach schoss der Kanzler mit dem "Schröder-Blair-Papier" so weit in Richtung moderne Sozial- und Wirtschaftspolitik voraus, dass ihn eine entsetzte Partei und die Grünen wieder bremsten. Ökosteuer und die Erhöhung der Pendlerpauschale im Jahr 2001, die "Agenda"- Rede und im Wahlkampf 2005 die Reichensteuer - die Widersprüche blieben dem "Genossen der Bosse" erhalten.

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