Deutschland
Schröder wird zum russischen Wissenschaftler ehrenhalber

Der Kanzler a.D. hat sich die Aufnahme in die russische Akademie der Wissenschaften redlich verdient, meinen zumindest die Akademiemitglieder. Und Schröder? Der freut sich - und sieht die Auszeichnung als Ansporn für mehr.

dpa MOSKAU/BERLIN. Die russische Akademie der Wissenschaften hat Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (64) für seine Verdienste um die europäisch-russischen Beziehungen in ihre Reihen aufgenommen. Der SPD-Politiker sprach am Donnerstag von einer „großen Ehre“, wie sein Büro in Berlin mitteilte. Die Akademiemitglieder stimmten bei der Wahl mehrheitlich für den derzeitigen Aufsichtsratschef beim Ostseepipeline-Betreiber Nord Stream, wie die Agentur Interfax am Donnerstag meldete.

Schröder (SPD) habe sich „immer durch einen ausgewogenen Zugang zur Lösung schwieriger wirtschaftlicher und sozialer Fragen ausgezeichnet“, hieß es zur Begründung. Neben Schröder kamen etwa ein Dutzend Ausländer, unter ihnen auch vier US-Amerikaner, in Moskau zu akademischen Ehren. „Es freut mich, zumal diese Ehrung aus einem Land kommt, das mir sehr am Herzen liegt. Ich verstehe die Auszeichnung auch als einen Auftrag, mich für eine Verbesserung der strategischen Partnerschaft zwischen Europa und Russland einzusetzen“, ließ Schröder mitteilen.

Ausdrücklich lobten die Akademiemitglieder die Arbeiten Schröders zur Sozialdemokratie, unter anderem in dem gemeinsam mit dem früheren britischen Premierminister Tony Blair verfassten Papier „Der Weg nach vorne für Europas Sozialdemokraten“. Darin habe sich der SPD-Politiker mit wichtigen Fragen wie der Überalterung der Gesellschaft und der Migration auseinandergesetzt. Zudem habe Schröder noch als Regierungschef durch „unpopuläre Maßnahmen“ einen wichtigen Beitrag für die Gesundung der deutschen Wirtschaft geleistet.

In seiner auch auf Russisch erschienenen Biografie („Entscheidungen. Mein Leben in der Politik“) habe der frühere Bundeskanzler tiefgründige Gedanken geäußert über die weltweite Wirtschaftsentwicklung. Dabei habe Schröder Russland eine Rolle als „Global Player“ eingeräumt und darauf hingewiesen, dass Europa und die Welt ein starkes Russland bräuchten. Der russische Regierungschef Wladimir Putin, der mit Schröder befreundet ist, sagte auf der Sitzung, dass die Akademie enger mit den Medien zusammenarbeiten müsse, um Forschungsergebnisse zu veröffentlichen und über Pseudowissenschaft aufzuklären.

Russische Medien berichteten im Vorfeld der Jahressitzung unter Berufung auf Akademie-Vertreter, dass die Aufnahme von Politikern und Geschäftsleuten in die Organisation heftig umstritten sei, weil dies dem Renommee der Wissenschaft schade.

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