Schröders schwerster Gang
Feixen und Johlen - aber kein Vertrauen

Historische Momente muss man am richtigen Ort erleben. Deshalb hat sich Karl A. Lamers schon um 8 Uhr morgens im Bundestag eingerichtet - in der vierten Reihe im Block der CDU-Fraktion. Ein Stuhl mit Tisch, ein Platz sichtbar für die Kameras. Zufrieden lehnt sich der CDU-Abgeordnete aus Heidelberg zurück.

HB BERLIN. Doch als Punkt 10 Uhr der Gong im mittlerweile prall gefüllten Bundestag ertönt und der Bundeskanzler ans Pult tritt, wird auch Lamers schnell klar: Er erlebt zwar ein historisches Ereignis, aber nicht unbedingt eine denkwürdige Debatte. So ungewöhnlich es ist, dass erst zum fünften Mal in der Geschichte der Bundesrepublik ein Kanzler eine Vertrauensfrage stellt - kaum ein Redner findet den angemessenen Ton. Viele Hinterbänkler von Union und SPD johlen wie im Komödienstadel.

Längst hat der Wahlkampf für eine noch nicht beschlossene Wahl begonnen. Am deutlichsten macht dies Außenminister Joschka Fischer mit seiner frechen Rede, die wie eine Bewerbung um die Rolle des künftigen Oppositionsführers wirkt.

Doch zunächst beginnt Bundeskanzler Gerhard Schröder mit ernster Stimme und erklärt, warum er den Weg für Neuwahlen frei machen will. Dies ist sein schwerster Gang in der siebenjährigen Amtszeit, der selbst inszenierte Abgang - um dann erneut anzutreten. In den rot-grünen Fraktionen haben ihm am Morgen nochmals einige Abgeordnete klar gemacht, dass sie den Weg für falsch und problematisch halten. Der Grüne Werner Schulz wird ihm später "absurdes Schmierentheater" vorwerfen.

Aber Schröder begründet, wieso er seine Reihen nicht mehr hinter sich glaubt. Dann geht er zu einer Bilanz der rot-grünen Regierung über und spricht von "einer guten Zeit für Deutschland". Die nötige staatstragende Kürze geht verloren.

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