Schüler-Ingenieur-Akademie
Ein Modell macht Schule

Studienfächer wie Elektrotechnik, Maschinenbau oder Informatik sind unter Schülern nicht sonderlich beliebt. Doch die meisten haben gar keine rechte Vorstellung, was in einem naturwissenschaftlichen Studium auf sie zukommt.. Die Schüler-Ingenieur-Akademie weckt bei Jugendlichen Interesse für die Naturwissenschaften.

HEIDENHEIM. Heidenheim an der Brenz, tief im kargen Osten Württembergs: Menschen, die hier leben, wissen schon seit Jahrhunderten, dass sie es nur mit Fleiß und Einfallsreichtum zu etwas bringen. Über die Grenzen hinaus ist vor allem das Familienunternehmen Voith ein Begriff, heute unter anderem einer der weltgrößten Hersteller von Papiermaschinen. Die Firma dominiert die Stadt.

Hier soll aber die Geschichte einer Lehrerin erzählt werden, die ganz persönlich die Vorbehalte gegenüber den Naturwissenschaften bekämpft. Als treibende Kraft hat es Marianne Gerny geschafft, aus einem kleinen Wettbewerb erst einen Modellversuch und dann die landesweite Bildungsinitiative SIA Schüler-Ingenieur-Akademie zu schaffen. „Mir war klar, dass ich versuchen musste, Voith für unsere Ziele zu gewinnen“, sagt Gerny.

Die Mathematik- und Physiklehrerin am Max-Planck-Gymnasium in Heidenheim hatte schon in den 90er-Jahren das ungute Gefühl, dass „meine Schüler nur bis zum Abitur denken“. Als dann ein Wochenmagazin einen Wettbewerb „Schulen ans Netz“ ausschrieb, platzte der Knoten. Gemeinsam mit den Schülern entwickelte sie ein Modell für Bewerbungen via Internet beim größten Unternehmen des Ortes. Der Personalchef von Voith, Klaus Wolf, war sofort bereit, die engagierte Lehrerin zu unterstützen. Die Heidenheimer räumten bei der Ausschreibung glatt den ersten Preis ab. Aber gleich danach kam das beklemmende Gefühl „Was kommt danach?“ Auch Wolf dachte, dass daraus mehr zu machen sei. Zur gleichen Zeit hielt der damalige Bundespräsident Roman Herzog seine berühmte Berliner Rede, von der vor allem der „Ruck“ in Erinnerung geblieben ist, den Deutschland brauche. Wolf war durch Zufall unter den Zuhörern im Berliner Dom. „Die Rede hat sehr auf mich gewirkt“, erinnert er sich.

Und so ging 1999 der Ruck von Berlin bis nach Heidenheim. Eineinhalb Jahre setzten sich Gerny, Wolf und der emeritierte Maschinenbau-Professor Herbert Bauer der HTW Aalen zusammen, um ein Konzept für einen Modellversuch zu schmieden, bei dem Schüler in der Oberstufe einmal pro Woche in einem Projekt Kontakt zu Betrieben und Hochschule bekommen, um sich schon frühzeitig ein konkretes Bild darüber machen zu können, ob ein naturwissenschaftliches Studium etwas für sie ist.

Im Jahr 2000 ging es los. Die theoretischen Inhalte wurden im Gymnasium unterrichtet. Aalen machte den Maschinenbau-Part, die Berufsakademie in Heidenheim übernahm den Informatikteil. Voith stellte die Lehrwerkstatt. Eigentlich sollte auch die Universität in Ulm mitmachen, um den Bereich Elektronik abzudecken. Aber da der Weg dann doch zu weit war, sprang kurzerhand Gerny ein – besser gesagt: ihr Ehemann, ebenfalls Gymnasiallehrer und passionierter Hobbyelektroniker. Er übernahm den Elektronik-Part, entwickelte einen Lehrplan und glich die Inhalte mit dem Lehrstuhl in Ulm ab. Und die Hochschule gab grünes Licht. „Besser hätten wir es auch nicht machen können“, antwortete der zuständige Ulmer Professor.

Bei dem Projekt bauen die Schüler im ersten Jahr ein Netzgerät. Dafür erstellen sie selbst die Platine mit Ätzen und Löten und schreiben ein Simulationsprogramm. Die Schüler belegen extra einen Kurs in Computer Aided Design (CAD). Auch das Metallgehäuse wird in der Lehrwerkstatt von Voith selbst hergestellt. Im zweiten Jahr kommt Netzwerktechnik mit der Steuerung von Lego-Robotern und Sensortechnik dran. Berührung, Temperatur, Licht, Schall – jede Wahrnehmung wird digitalisiert. Bewegungsmuster werden programmiert.

Seite 1:

Ein Modell macht Schule

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%