Schützenhilfe für SPD und Gewerkschaften
Schrempp verteidigt Arbeitnehmer-Mitbestimmung

Bei der Verteidigung der Mitbestimmung in Deutschland haben SPD und Gewerkschaften von Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp Beistand erhalten. Dem Magazin "Stern" sagte Schrempp, dass er „alles in allem mit der Mitbestimmung sehr gute Erfahrungen gemacht“ habe.

HB BERLIN.Sowohl als Chef von Daimler-Chrysler als auch zuvor als Chef der Dasa habe er es auf der Arbeitnehmerseite insgesamt immer mit sehr kompetenten Menschen zu tun gehabt, die mit dem Unternehmen und dessen Erfolg eng verbunden gewesen seien. „Ich bin damit gut gefahren“, sagte Schrempp.

Mit dem Hinweis auf die Krisen bei KarstadtQuelle und Opel sagte FDP-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Gerhardt: „Fast alle Entscheidungen der vergangenen 20 Jahre in beiden Unternehmen sind von Management und Gewerkschaftsseite einvernehmlich getroffen worden.“ Die paritätische Mitbestimmung habe sich nicht bewährt, meinte der FDP-Politiker.

Gerhardt kündigte Initiativen seiner Partei zur Änderung des Mitbestimmungsrechts an. Notwendig sei eine Verkleinerung der Aufsichtsgremien sowie einer Reduzierung der Zahl der Gewerkschaftsvertreter in den Aufsichtsräten.

BDI-Chef drängt auf Ende der paritätischen Mitbestimmung

Der Grünen-Spitzenpolitiker Fritz Kuhn regte eine verstärkte Berücksichtigung von Verbraucherinteressen in den Aufsichtsräten an. „Die entscheidende Gruppe der Verbraucher fehlt bislang tatsächlich in den Aufsichtsräten. Wir sollten darüber nachdenken, wie wir sie in die Kontrollstrukturen einbinden können“, sagte Kuhn der in Berlin erscheinenden „tageszeitung“ (Donnerstag). Die Gewerkschaften ermunterte er, auch Leute in die Aufsichtsräte zu schicken, die sich „als Vertreter der Verbraucherinteressen verstehen“.

SPD und Gewerkschaften hatten die Mitbestimmung in einer bereits am Dienstagabend unterzeichneten Erklärung als unverzichtbar für das europäische Sozialmodell bezeichnet. „Wir wollen, dass dieses Mitbestimmungselement europaweit ausgebaut wird“, hieß es. Das Ziel der EU, zur führenden Weltregion für Innovation und wissensbasierte Produktion zu werden, lasse sich nur mit motivierten und mitdenkenden Beschäftigten erreichen.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, hatte vergangene Woche auf ein Ende der paritätischen Mitbestimmung gedrungen und die Einführung der Mitbestimmung im Aufsichtsrat als „Irrtum der Geschichte“ bezeichnet. Auch Rogowskis designierter Nachfolger, Jürgen Thumann, ging auf Distanz zu dem Modell: „Die deutsche Mitbestimmung versteht im Ausland niemand.“

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