Schul- und Kitaverpflegung
Körner für Kinder

Der Markt für Schul- und Kitaverpflegung wächst rasant, doch die Qualität des Essens droht auf der Strecke zu bleiben. Immer mehr Schüler haben einen unnatürlichen und vor allem ungesunden Bezug zu Nahrungsmitteln – Schoko, Chips und Limonade sind fester Bestandteil ihres Frühstücks. Inzwischen praktizieren erste Einrichtungen Selbsthilfe.

VELBERT Mit einer Pflaume fing alles an. Kaum hatte Conny Wagener die Frucht vom Baum gepflückt, empörte sich der Knirps neben ihr: „Baah, was machst du denn da!“ Ein denkwürdiger Dialog folgte: „Ich esse eine Pflaume.“ „Aber doch nicht die da.“ „Welche denn?“ „Die aus dem Supermarkt.“ – „Da wusste ich, dass unsere Kinder einen unnatürlichen Bezug zu Nahrungsmitteln haben“, erzählt sie.

Das war im Herbst 2003 – und die Leiterin der Awo-Kindertagesstätte Casa Phantasia in Velbert begann, sich Gedanken zum Thema Ernährung zu machen. Zum Frühstück brachten die Kinder Schokobrötchen, Kartoffelchips und Limonade mit. Was mittags auf den Tisch kam, ließ die Geschmacksnerven kalt: lau, laff, matschig. „Wir haben mehrere Caterer ausprobiert“, erinnert sich Wagener. „Alle waren schlecht, der eine mehr, der andere weniger.“

Kost für die lieben Kleinen ist ein schwieriges Geschäft. Zwar wächst der Markt für Verpflegung in Schule und Kindergarten, doch die Qualität hält oft nicht Schritt. Jedes sechste Kind in Deutschland ist zu dick, gleichzeitig kommen viele Kinder ohne Frühstück in die Schulen oder haben nur Süßigkeiten dabei. Gute Ernährung kostet Geld, oft zu viel für Hartz-IV-Eltern. Politiker wollen mit neuen Regeln helfen, propagieren „Fit statt fett“, planen, bei den Schulen anzusetzen, und wissen doch nicht wie. Derweil greifen Schulen und Tagesstätten zur Selbsthilfe, so wie die Casa Phantasia.

Hier kocht zwar nicht die Chefin selbst für die 42 Kinder, dafür aber zwei Köchinnen auf 400-Euro-Basis und einige engagierte Erzieherinnen nach den Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährung, von der sie eine Auszeichnung erhalten haben. Ob im Kräuterbeet, beim Getreidemahlen oder beim Möhrenraspeln, wann immer es geht, helfen die Kleinen mit. „So bekommen sie ein Gefühl für das Wachstum der Zutaten bis zur Zubereitung“, sagt Wagener. Doch Initiativen wie die in der Casa Phantasia sind Einzelfälle.

„Allzu oft prägt Gedankenlosigkeit das Bild“, klagt der Ernährungswissenschaftler Helmut Heseker von der Universität Paderborn. Zu viel Fleisch, zu wenig Gemüse. Mal versalzen, mal zu fad und mit falschen Fetten. Die Speisepläne vieler Ganztagsschulen und Kindertagesstätten lassen laut Experten zu wünschen übrig. In der Regel kommen die Mahlzeiten von Caterern und aus Großküchen. Das heißt: Die Speisen werden meist frühmorgens gekocht und lange warm gehalten – „auf Kosten des Geschmacks und der Vitamine“, moniert Holger Pfefferle von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Dabei wächst kaum ein Bereich bei den Caterern derart rasant wie die Verpflegung von Kindern. Knapp die Hälfte der 45 umsatzstärksten Catering-Unternehmen in Deutschland tummelt sich im Schulmarkt; der Sektor „Education“ mit den Bereichen Kindertagesstätten, Schulen und Mensen wächst rasant: Betrug das Nettoumsatzvolumen 2004 noch rund 96 Millionen Euro, lag es im Folgejahr schon bei 130 Millionen Euro. Tendenz steigend. Denn auch die Zahl der Ganztagsschüler wächst, allein in den Klassen 1 bis 9 sind es 1,1 Millionen Schüler, und die Bundesregierung will die Ganztagsbetreuung ausbauen. Seit 2003 hat sie 6



000 Schulen beim Aufbau eines Ganztagsschulangebots mit Milliarden gefördert; 10 000 sollen es mal sein. Und auch die Verkürzung der Schulzeit in manchen Ländern auf zwölf Jahre bedeutet mehr Nachmittagsunterricht. Auch da müssen die Schüler mittags versorgt werden.

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