Deutschland

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Schuldenabbau: Dank Niedrigzins spart Deutschland 41 Milliarden Euro

Die Bundesrepublik profitiert in zweistelliger Milliardenhöhe von der Euro-Krise. Vor allem wegen der gesunkenen Zinsen für Staatsanleihen spart Finanzminister Schäuble an Ausgaben für den Schuldendienst.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) muss weniger Geld für Kreditzinsen ausgeben. Quelle: dpa
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) muss weniger Geld für Kreditzinsen ausgeben. Quelle: dpa

HamburgDie anhaltenden Niedrigzinsen und die hohe Nachfrage nach Bundesanleihen bescheren dem Bund innerhalb von fünf Jahren zusätzliche Einnahmen von 40,9 Milliarden Euro. Damit profitiert Deutschland indirekt von der Eurokrise, die das Vertrauen in die Staatspapiere von Krisenländern sinken ließ und stattdessen Investoren für deutsche Bundesanleihen anlockte. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage des SPD-Parlamentariers Joachim Poß hervor, die dem Magazin „Der Spiegel“ vorliegt.

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Die Summe ergibt sich aus der Differenz zu den ursprünglichen Planzahlen für die Zinszahlungen für Staatspapiere und bezieht sich auf den Zeitraum 2010 bis 2014. Im Durchschnitt sank das Zinsniveau für alle Neuemissionen des Bundes um fast einen Prozentpunkt. Die Zinsen und Tilgung für Staatsschulden sind im Bundeshaushalt nach den Bereichen Arbeit/Soziales und Verteidigung der drittgrößte Posten.

Haushaltspolitik

Die Zinsersparnisse und unerwartet hohe Steuereinnahmen wegen der guten Konjunkturentwicklung in Deutschland drückten auch die Neuverschuldung: Von 2010 bis 2012 nahm Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dem Bericht zufolge rund 73 Milliarden Euro weniger an neuen Krediten auf als vorgesehen.

Den Ersparnissen stehen nach Angaben des Finanzministeriums Kosten durch die Eurokrise von bisher 599 Millionen Euro gegenüber. Hier drohen allerdings mögliche neue Belastungen: So könnte ein zweiter Schuldenschnitt für Griechenland, den die Bundesregierung jedoch ablehnt, nach Einschätzung von Ökonomen Einbußen im zweistelligen Milliardenbereich für Deutschland nach sich ziehen.

NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) wies darauf hin, dass die niedrigen Zinsen zwar dem Staat nützen, aber den Bürgern schaden. „Den Vorteil haben die öffentlichen Haushalte“, sagte er am Sonntag. Die Vermögen der Bürger schrumpften. „Und das trifft die kleinen Vermögen genauso wie die großen.“ Nur wenn man große Vermögen steuerlich belaste und dadurch die öffentliche Verschuldung und die Zinslast senke, führe dies zu einer Entlastung der meisten Bürger.

133 Kommentare

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  • 18.08.2013, 17:44 UhrBerndM

    Da freuen sich die Südländer aber!

  • 18.08.2013, 17:51 UhrOmarius

    Wen jedes Jahr per finanzieller Repression ca 13-20 Millarden pro Jahr verloren gehen, (Auswirkung des EZB zins, siehe Headlines in den letzen Wochen)
    kann das kein Gewinn volkswirtschaftlicher Art sein..... im Grunde vereinfacht ausgedrückt Saniert sich der Staat auf kosten der er die Eh kaum was haben...in der D Nahrungskette....tolles Konzept....

    Und Draghis fängt erst an zu wirken....auf die Niedriglöhner kommen noch harte Monate zu wenn die Politiker so weiter Retten...^^

    das das Finanzministerium das als Erfolg verkaufen will ist schon Dreist

  • 18.08.2013, 17:52 UhrCurley

    Wenn wir nicht im Euro wären, wie wäre die Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen denn dann ??? Ich denke, der Zinssatz für die deutschen Staatsanleihen wäre noch niedriger, weil wir nicht das "Risiko" der Eurorettung hätten. Die Zahlungsfähigkeit Deutschlands wäre wohl besser bewertet, was sich auch im Zinssatz der Staatsanleihen bemerkbar machen würde. Wir hätten noch mehr Geld gespart !!!
    Darüber schreibt man nichts. Und auch, dass wir nun mit 310 Milliarden für die Pleitestaaten haften (Aussage Schäubles) und die Target-2 Salden ca. 600 Milliarden betragen, das schreibt auch niemand !!! Ja, ja, ein ganz tolles Geschäft. Und selbst wenn, das so wäre !!! Wo landet diese Ersparnis !!! Ja, ganz genau. Herr Schäuble überweist das Geld frohen Mutes wieder an die Pleitestaaten !!
    Die Systempresse ruft kurz vor der Wahl wieder zum Endsieg auf.

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