Schuldenkrise

Altkanzler Schmidt fordert Solidarität mit Griechenland

Altkanzler Schmidt hat die Europäer davor gewarnt, Griechenland fallen zu lassen. Viel Sympathie äußert er für die Euro-Politik der Kanzlerin. Doch eine Führungsrolle für Deutschland in der Krise sieht er nicht.
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Altkanzler Helmut Schmidt unterhält sich mit der Moderatorin Sandra Maischberger (nicht im Bild). Quelle: dpa

Altkanzler Helmut Schmidt unterhält sich mit der Moderatorin Sandra Maischberger (nicht im Bild).

(Foto: dpa)

BerlinAltkanzler Helmut Schmidt (SPD) wirft den Europäern mangelnde Entschlusskraft bei der Bewältigung der Schuldenkrise vor. Die Krise sei nur der äußere Ausdruck der Handlungsfähigkeit, die gegenwärtig Europa kennzeichne, sagte Schmidt am Dienstagabend in der ARD-Sendung "Menschen bei Maischberger". Bereits Ende 2008 beim Einsetzen der Weltfinanzkrise habe es international Beschlüsse etwa zur Regulierung der Finanzmärkte gegeben, die besonders durch die USA, aber auch durch die Europäer nicht umgesetzt worden seien. Alle Rettungsschirme hätten sich als unzureichend herausgestellt. Es sei nicht die erforderliche Tatkraft aufgebracht worden.

Die mangelnde Entschlusskraft der Europäer erklärte Schmidt unter anderem mit der gescheiterten europäischen Verfassung. Wäre diese zustande gekommen, wäre die Lage jetzt nicht so ernst, befand Schmidt. Der Lissabon-Vertrag sei nur ein schwacher Abglanz der Verfassung. Es fehle an geregelten Rechtsgrundlagen für gemeinsames Handeln. Die Europäer hätten noch nicht wirklich begriffen, wie sehr sie auf gemeinsames Handeln angewiesen seien, wenn sie ihren Einfluss in der Welt halten wollen.

Für eine deutsche Führungsrolle sieht Schmidt die Geschichte als Handicap. Der fabrikmäßige Mord an Millionen Juden und der Zweite Weltkrieg - das wiege im Unterbewusstsein der europäischen Völker noch so schwer, dass es eine Führung Europas durch Deutschland ausschließe.

Die gegenwärtige Krise Europas wertete der Altkanzler als Schuldenkrise und nicht als Krise des Euro. Auch Deutschland habe sich stärker verschuldet, als es nach dem europäischen Stabilitätspakt gedurft hätte. Schmidt bescheinigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) taktisches Geschick in ihrer Politik, verwies aber zugleich darauf, dass sie erst nach 1989 zur Europäerin werden konnte. Anders sei dies bei Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). "Schäuble ist ein geborener Europäer, das ist Frau Merkel nicht", sagte Schmidt.

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76 Kommentare zu "Schuldenkrise: Altkanzler Schmidt fordert Solidarität mit Griechenland"

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  • Nein, Herr Schmidt! Denn Solidarität setzt auch solidarisches Verhalten desjenigen voraus, der sie begehrt. Und wer die Maastricht-Kriterien nicht eingehalten und seine Bilanzen frisiert hat, der hat keinen Anspruch auf Solidarität. Weil er die Gemeinschaft nämlich vorsätzlich und über Jahre betrogen hat!

  • Es wurde noch die Forderung vergessen, dass Deutschland freiwillig den Morgenthau-Plan umsetzen muss. Denn darauf läuft doch alles hinaus.

  • Gott ja, Schmidt ist ein alter Mann. Man sollte das was der sagt nicht ernst nehmen.

  • Ich habe mal viel von diesem Mann gehalten.
    Das hat sich aber in der letzten Zeit radikal verbraucht.
    Der scheint irgendwo im Staus Quo der Geschichte stecken geblieben zu sein.
    Einmal Sozi immer Sozi!!

  • @Schmidt

    [...] Genug Schaden haben sie schon angerichtet!

    Wie wäre es, wenn die reichen Griechen endlich mal Steuern zahlen und so ihre Solidarität mit Griechenland zeigen?

    Aber nein [...] Schon mal daran gedacht, wieso bei Daimler oder BMW keine 93-jährigen im Vorstand sitzen?

    Wenn sie dem betrügerischen griechischem Staat Geld geben wollen, dann bitte aus der eigenen privaten Kasse. Oder hört hier ihre Solidarität auf?

    [+++Beitrag von der Redaktion editiert+++]

  • @Martin

    Die Gefahr, dass die Nichtkorrektur dieses Fehlers Deutschlands Untergang bedeuten kann, ist groß.
    http://www.welt.de/wirtschaft/article108400004/Rating-Agentur-haelt-deutsche-Pleite-fuer-moeglich.html

    Die Achtung vor Altbundeskanzler Schmidt schlägt zunehmend in Verachtung um. Wenn er so weitermacht wird wohl in den Geschichtsbüchern stehen, dass er sich ein Mitverdienst am Untergang Deutschlands erworben hat. Was Deutschland am dringendsten bräuchte wäre Solidarität und Freunde. Die Hoffnung liegt bei Ländern wie Finnland, Niederlande, Österreich… Die vorläufige Rettung liegt beim BVerfG.

    Helmut Schmidt schätzt seine Kompetenz in Wirtschaftsfragen ja selbst nicht sonderlich hoch ein. Wenn man von einer Sache nichts versteht, dann sollte man besser still sein, und nicht noch Schaden für Deutschland anrichten. Alter schützt vor Torheit nicht.

    Es ist nicht zwingend, dass man mit zunehmendem Alter den Verstand verliert. Wir haben in Deutschland hervorragende Wirtschafts- und Währungsexperten, die dies unter Bewies stellen. Falls Herr Schmidt sich noch eine geringfügige Lernfähigkeit bewahrt hat, dann sollte er sich diese Experten in Ruhe anhören.
    http://www.youtube.com/watch?v=iiQ8n55gosE
    http://www.youtube.com/watch?v=OJqmP0Fpm5w
    http://www.youtube.com/watch?v=3-cyI7WUDtE

    Herr Schmidt, wir kämpfen für die Zukunft unseres Landes, für unsere Zukunft und die unserer Kinder und Enkelkinder. Zudem wollen wir den Frieden in Europa retten, denn auch dieser ist in Gefahr, allerdings nur in der Euro-Zone. Der Euro hat dieses ganze Desaster bewirkt, und es ist absolut nicht hilfreich, wenn Sie uns in den Rücken fallen.

  • Nur so nebenbei!

    Und was Sie vorschlagen, das ist ein einfaches "weiter so", das in einem gigantischen Umverteilungsstaat endet, der letztendlich explodieren wird. Sehen Sie sich doch die Probleme in Belgien an oder in Deutschland mit dem Länder-Finanzausgleich. Hier in deutschland funktioniert es mit der Solidarität doch auch schon nicht mehr richtig, und das in dem kleinen und noch weitgehend solidarischen Deutschland mit einem Steuersystem, einer Sozialversicherung und einem weitgehend gleichen Steuereintreibung. Wie soll das in dem großen Europa funktionieren? Mit den unterschiedlichen Einstellungen zum Staat, zur Korruption, Bestechung, zur offenen Kriminalität wie der Mafia? Das endet im Chaos. Aber vorher sind die solide wirtschaftenden Euro-Länder von der Südschiene ruiniert worden. Erst wenn die Zahlerländer pleite sind, dann wird der Euro auch von den Nehmer-Ländern abgelehnt und alles kehrt zurück zu nationalen Währungen. Oder glauben Sie, dass Griechenland und Co. jemals Deutschland finanzieren könnten oder würden? Dann also die wohl weniger aufwändige Version des Endes! Nachdem alles sehr viel Kosten wird gilt der alte Spruch: Ein Ende mit Schrecken ist besser als ein Schrecken ohne Ende. Setzen Sie für Schrecken einfach Zahlungen.

  • Helmut Schmidts seniles Gesülze, es sei zwar ein Fehler gewesen, Griechenland in die Euro-Zone aufzunehmen, nun müsse man aber die Konsequenzen tragen und sich solidarisch zeigen, erinnert mich an Hitlers Forderung an das deutsche Volk, bis zum Endsieg zu kämpfen. Wie wir heute wissen, war das Ende nicht der Endsieg, sondern Deutschlands Untergang.

  • @kvogeler
    Was schlimmer ist, ist die Tatsache, dass - zumindest was die genannten Zierden der Grünen angeht - diese von 13 % der Wahlberechtigten gewählt würden, wenn am 05.08.2012 Bundestagswahlen gewesen wären. Kann mir das mal einer erklären ?

  • @blinse

    Sehr interessanter Typ (Wirtschaftswurm). Ein schönes Beispiel dafür, dass Lesen in Bloggs auch zu interessanten Hinweisen führen kann.
    Zum Artikel im "Wirtschaftswurm" selbst: Sehr anschaulich und nachvollziehbar - man sollte es einfach mal probieren. Der evtl. Lerneffekt hieraus, könnte in der Tat zu Nacheiferern führen. Ich würde das begrüßen.

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