Schuldenkrise: Koalitionspolitiker glauben nicht an Griechen-Rettung

Schuldenkrise
Koalitionspolitiker glauben nicht an Griechen-Rettung

Dass die Rettung Griechenlands vor der Pleite für die Euro-Partner immer teurer wird, sorgt für Unmut in Berlin. Politiker von CDU und FDP sehen nicht ein, noch mehr Geld in den Mittelmeerstaat zu pumpen.
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BerlinDas schwer angeschlagene Griechenland wähnt sich auf der sicheren Seite. Sollten die privaten Gläubigerbanken des Landes sich nicht in dem Umfang beteiligen, wie erhofft, müssten die Länder der Währungszone die dadurch aufgerissene Finanzlücke schließen, sagte am Donnerstag der griechische Finanzstaatssekretär Filippos Sachinidis dem Radiosender Skai. Aus hochrangigen Kreisen der Euro-Ländern erfuhr Reuters, dass dort nach Wegen gesucht wird, um von unwilligen Gläubigern einen Forderungsverzicht zu erzwingen. Eine Option sei die nachträgliche Einfügung von Umschuldungsklauseln (CACs) bei griechischen Staatanleihen, sagten drei Vertreter. Gläubiger können dann per Mehrheitsentscheidung bewegt werden, sich an Entlastungen für Griechenland zu beteiligen.

EU-Kommissionspräsident Juan Manuel Barroso forderte die Euro-Länder in Kopenhagen auf, ihre Hilfsinstrumente für angeschlagene Staaten aufzustocken und damit bei Investoren für mehr Vertrauen in die Bemühungen zur Krisenlösung zu sorgen. Dabei geht es um den vorläufigen Euro-Rettungsschirm EFSF, der ein effektives Kredithilfevolumen von 440 Milliarden Euro hat, und den geplanten dauerhaften Hilfemechanismus ESM, der bis zu 500 Milliarden Euro zur Verfügung haben soll.

Der Euro-Gipfel im Dezember hatte beschlossen, die Einführung des ESM auf Mitte dieses Jahres vorzuziehen. Eine Entscheidung wollen die Länder des Währungsraumes in dieser Frage im März treffen.

Doch ob das Hilfsvolumen aufgestockt wird, ist noch nicht entschieden. Denn Deutschland, das als größte Volkswirtschaft in der EU den höchsten Beitrag leisten muss, tritt hier bislang auf die Bremse. Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Fuchs, wandte sich gegen noch höhere Zahlungen. „Ich glaube kaum, dass Griechenland im jetzigen Zustand noch zu retten ist“, sagte er Reuters. Selbst wenn die Beteiligung des Privatsektors im erhofften Maße zustande komme, trage das Land noch eine viel zu hohe Schuldenlast. Für den Fall eines höheren Bedarfs, wenn sich nicht alle Gläubiger an einer Entlastung des Mittelmeerlandes beteiligen, betonte Fuchs: „Irgendwo muss ein Schlussstrich sein.“ Griechenland dürfe kein Fass ohne Boden werden.

Der Finanzexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, nannte es „pikant“ , dass mit Fuchs nun auch ein Mitglied des Unions-Fraktionsvorstands die Kritik an der Griechenland-Politik der Bundesregierung teile. „Die Frage, was aus dieser Kritik folgt, lässt Herr Fuchs allerdings unbeantwortet.“

Kommentare zu " Schuldenkrise: Koalitionspolitiker glauben nicht an Griechen-Rettung"

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  • Wenn man schon über den Holocaust spricht, dann kann man das auch auf diesem Level machen

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/01/13/drk_20120113_0721_8392876e.mp3

    Haben Sie ein klitzekleines bißchen Geduld mit dem Autor, er nähert sich dem Punkt bedächtig und vielleicht zu Beginn etwas "verwirrend" - aber er bringt da einiges auf den Punkt.

  • "Hören sie doch endlich auf mit dieser
    Büßerhemdmasche"

    Ich denke mal, Sie unterliegen einer Projektion, was meine Sicht auf die Dinge betrifft - ich finde Philosemitismus ebenso schädlich und falsch wie Antisemitismus - und vor allem: ich sehe nicht, daß wir Schuld mit Geld ablösen kann.

    Wenn Sie sich noch einmal ein bißchen nach oben hangeln, sehen Sie den Ausgangspunkt (jedenfalls von meiner Seite). Ich habe auf die Frage, warum wir Griechenland helfen sollen auf einen Artikel verlinkt, in dem erzählt wird, wie Griechenland in den 50ern reagierte, als es darum ging, den Deutschen zu helfen.

    Der Rest ist Ihre Projektion. Ich habe kein "Büßerhemd" - ich habe Lebenserfahrung. Zu denen gehört auch eine Situation, in der ich noch jugendlich am Tisch eines französischen Juden saß, in dessen Enkelin ich mich verliebt hatte - und der sich weigerte, mit mir zu reden.

    Mein Argument damals: Wir sind die Jugend. Wir haben nichts getan. Wir müssen miteinander reden, damit es nach vorne geht und nicht immer nur nach hinten. Nicht gerade das "Büßerhemd", oder?

    Wogegen ich mich allerdings auch wehre: Es darf keinen "Schlusstrich" geben, jedenfalls so lange nicht, bis diese ganze Chose aufgearbeitet wurde. Sagen Sie nicht, daß das alles schon längst passiert ist, ist es nicht.

    Vom Verhalten der deutschen Mitbürger beim Abtransport der badischen und saarländischen Juden wissenw ir zb. erst seit letztem Jahr (Sie gingen in die leeren Wohnungen und räumten sie leer).

    Da waren einfach noch zu lange Menschen am Werk, die noch selbst Dreck am Stecken hatten und die Aufklärung verhinderten. Das reicht bis in den Spiegel hinein.

    Ein weiteres Thema: War der Nationalsozialismus nun eine politische Bewegung oder eine okkulte Religion?

    Wir haben keine (persönliche) Schuld, meine Familie eh nicht (mein Großvater saß im KZ als Angehöriger der Vitus Heller Bewegung), aber wir tragen _Verantwortung_, unsere Kinder so zu erziehen, daß sie verstehen, was war.

  • hardy
    @Hans_Maulwurf-
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    Dass man solche Gedanken und Ansichten heute noch lesen muß, da kocht die blanke Wut über.
    Die Kriegsgeration ist weggestorben--
    die Kriegskinder sind heute bereits schon Großeltern Deren Kinder haben schon Kinder, die Enkel der Kriegskinder und heutigen Altengeneration-Großeltern, wachsen schon heran .
    Wenn ich da ihren Beitrag lese, dann versteh ich das nicht mehr. Diese Generationen sollen immer noch zahlen, für etwas was mal war, was sie nicht verursacht haben, worauf sie nicht den geringsten Einfluss hatten?
    Würden alle Nationen der Welt endlos belangt werden, für irgendwann geführte Kriege, dann kommen wir bei Adam und EVa an. Welche Entschädigungen zahlen eigentlich die USA heute noch für die Ausrottungskriege,was zahlen die anderen Länder, die in den letzten Jahrhunderten blutige Kriege geführt haben?
    Die Geschichte ist voll Vernichtungskriegen übelster Art, wer will da die Busszahlungen aufrechterhalten?
    Jeder hat Niederlagen und Siege, bestialische Morde, Raub und Plünderungen auf seiner Zeitreise-in seiner Geschichte.
    Wer leistet eigentlich Entschädigiung für die Nachkommen der geknechteten Palästinenser? Leistet Israel Wiedergutmachtung?
    Leistet die USA Wiedergutmachung -z.B.Vietnam und an all die zerbommbten Länder-Indianerstämme u.s.w.?
    Hören sie doch endlich auf mit dieser
    Büßerhemdmasche. Es kann keine Dauer-Haftung über Generationen geben. Israel soll endlich mal Ruhe geben
    statt permanent nachzufordern. Wo liegt da noch eine Berechtigung. Von USA u.Deutschland werden sie unterstützt, aber sie kriegen nie genug.
    Aber irgendwann muß Schluss sein, wenn wir eine friedliche Welt wollen.
    Nonstopp wird uns diese Geschichte vorgeführt, natürlich nur als Erinnerung, man kann es nicht mehr hören. So erreicht man genau das Gegenteil dessen, was man damit versucht zu erreichen.

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