Schuldenkrise: Was kostet uns der Euro?

Schuldenkrise
Was kostet uns der Euro?

Für die Euro-Rettung werden immer höhere Summen bereitgestellt. Bislang ist aber kein Cent aus Deutschland abgeflossen - Steuerzahler und Wirtschaft verdienen sogar an der Unsicherheit. Das kann sich aber schnell ändern.
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DüsseldorfIfo-Präsident Hans-Werner Sinn hat recht behalten: Deutschland ist bisher der Gewinner der Euro-Krise. „Wir bekommen spiegelbildlich den Boom, den die Länder der europäischen Peripherie während der letzten eineinhalb Jahrzehnte hatten“, skizzierte er schon im Mai 2010 in einem Gespräch mit dem Handelsblatt die möglichen Folgen der Krise. Kapital werde in großem Umfang aus dem Ausland nach Deutschland fließen und einen Bau- und Investitionsboom bewirken.

Aber der Ökonom warnte zugleich vor Euphorie: Voraussetzung dafür sei, dass die Euro-Rettungspolitik die Zinsen innerhalb der Euro-Zone nicht egalisiere. Dann werde wieder Kapital aus Deutschland abfließen.

Der erste Teil von Sinns Szenario ist eingetreten. Europas größte Volkswirtschaft profitiert derzeit wie kein anderes Land von der Krise der Euro-Zone. Das liegt vor allem an den sehr niedrigen Kapitalmarktzinsen, die die Wirtschaft antreiben und dem Staat willkommene Einsparungen bringen. Doch der zweite Teil des Szenarios könnte bald folgen: Denn wenn Euro-Bonds eingeführt werden, würde das die Zinsunterschiede nivellieren.

Noch dazu kommen die enormen Haftungsrisiken, die Deutschland bisher im Rahmen der Euro-Rettung eingegangen ist. Sinns Ifo-Institut hat ermittelt, dass sie sich unter Einbeziehung aller Risiken auf 379 Milliarden Euro belaufen. Davon ist zwar noch nichts aus deutschen Staatskassen abgeflossen, aber das kann sich schnell ändern.

Einstweilen erfreuen sich aber Staat und Unternehmen in Deutschland gleichermaßen an den Niedrigzinsen. Nur noch 1,8 Prozent Rendite bringt heute eine zehnjährige Bundesanleihe – das ist weniger als die Inflationsrate von zuletzt 2,4 Prozent. Das bedeutet: Die internationalen Anleger nehmen sogar Negativrenditen in Kauf, nur damit ihr Geld in Sicherheit ist.

Das hilft vor allem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Am Mittwoch verkaufte der Bund bei lebhafter Nachfrage Anleihen mit zwei Jahren Laufzeit und nahm so fünf Milliarden Euro auf. Dafür musste er gerade mal 0,51 Prozent Zinsen bieten – so wenig waren es zuletzt im Juni 2010.

Kommentare zu " Schuldenkrise: Was kostet uns der Euro?"

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  • Die europäische Gemeinschaftswährung hat Deutschland bislang mehr als 2500 Milliarden gekostet:
    http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/tid-22479/debatte-der-verheimlichte-super-gau_aid_625051.html

    Das eigentliche Drama ist die bodenlose Lüge, dass Deutschland als Ganzes vom Euro profitiert habe. Der Euro hat uns in Wirklichkeit ein Jahrzehnt zum "kranken Mann Europas" gemacht. Kapital ist massiv aus Deutschland abgeflossen und wurde in den jetzigen Krisenländern investiert. Nun fordert man uns auf, die gigantischen Schuldenrechnungen der Südstaaten zu bezahlen, damit nach deren Gesundung wieder deutsches Geld dort investiert werden kann. Nochmal: Wir Deutschen haben nie vom Euro profitiert und werden es auch nie. Die Panikattitüden, eine neue D-Mark würde massiv aufwerten und unserer Wirtschaft schaden, sind ebenso ein Ammenmärchen. Denn jeder Nationalstaat mit eigenständiger Währung kann diese nach Belieben durch die Notenpresse im Wert beeinflussen. Die USA machen es uns mit dem Dollar vor. Deshalb ist das weiterhin gute US-Rating auch korrekt und mitnichten eine Bevorzugung. Wir dagegen müssen endlich Denkverbote aufheben: Fast alle Staaten des Euroraum würden unter der Wiedereinführung nationaler Währungen profitieren. Die einen könnten abwerten, die anderen als sicherer Geldhafen massiv Kapital binden und Bundesbankgewinne einfahren.

  • "Unter den Firmen, denen die griechische Regierung Geld schuldet, seien auch eine Reihe von deutschen, wie die Zeitung schreibt. Die Gesamtsumme beliefe sich auf geschätzte 500 Millionen Euro. Siemens zum Beispiel habe offene Forderungen in zweistelliger Millionenhöhe, die zum Teil noch von Aufträgen aus der Zeit vor den Olympischen Spielen im Jahr 2004 stammen. Hochtief warte ebenfalls darauf, dass der Staat einen hohen zweistelligen Millionenbetrag überweist. Grund der Forderung seien unter anderen zwei Mautstraßenprojekte. Auch Pharmakonzerne wie Bayer, Fresenius und Merck warten noch darauf, dass der Staat Rechnungen bezahlt. Die Forderung sind teilweise viele Jahre alt."

    http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/griechenland-athen-schuldet-deutschen-firmen-viele-millionen_aid_617927.html


    ****
    Siemes hat also wohl doch nicht in dem Ausmass von Griechenland profitiert wie Sie das hier darstellen...

  • Die Frage sollte heißen: wie-viel verdienen und profitieren wir über den Export in die EU?
    Weil die EU ohne Euro ist nicht möglich.
    Es ist vorgesehen dass alle Länder die in der EU sind auch den Euro, nach einer bestimmten Frist, einführen sollen.
    Die Eurozone war eigentlich eine Frühgeburt. Vorgesehen war zuerst eine richtige politische Union und eine Fiskalunion, erst dann sollte der Euro anstelle des ECU eingeführt werden.
    Nur dazwischen kam Gorbi und die Wiedervereinigung, aus Angst dass Deutschland nach der Wiedervereinigung sich an den Abmachungen nicht hält, wurde der Euro sofort eingeführt.
    Jetzt haben wir den Salat.
    Schuld also ist Gorbi. Ob das ein Schachzug der Sowjets war, werden wir nicht erfahren.

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