Schuldenprobleme bei jungen Menschen
Zahlungsmoral verschlechtert sich

Handyrechnungen und Handelskredite werden immer häufiger zu spät oder gar nicht bezahlt. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa). Die Kreditauskunft Schufa, die im Auftrag von Banken und Händlern bundesweit Informationen über Kredite von Privatpersonen sammelt, hat gestern in Wiesbaden den so genannten Schulden- Kompass vorgestellt, der die Daten aus dem Jahr 2003 zusammenfasst.

HB WIESBADEN. Die Zahl der Personen mit neu gemeldeten Zahlungsstörungen ist im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent gestiegen. Als Zahlungsstörung gelten bei der Schufa offene Forderungen, die mehrmals gemahnt und unbestritten sind – und solche, bei denen bereits Insolvenz angemeldet wurde oder der Kunde eine eidesstattliche Versicherung abgegeben hat. Dabei ist die Zahl der noch offenen Forderungen deutlich stärker gestiegen als etwa die Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung oder die Eröffnung eines Privatinsolvenzverfahrens.

Vor allem bei jungen Menschen hat der Anteil der nicht bezahlten Kredite deutlich zugenommen. Sie führen zu einem Negativ-Eintrag bei der Schufa. „Bei den 20- bis 24-Jährigen hat jeder Zehnte schon einen Negativ-Eintrag“, stellt Rainer Neumann, Vorstandsvorsitzender der Schufa, fest. „Und die Hälfte davon hat schon eine eidesstattliche Versicherung abgegeben“.  

Grund für die Ersteinträge bei der Schufa sind bei jungen Menschen in den meisten Fällen unbezahlte Handyrechnungen. Diese werden im Gegensatz zu Strom- oder Wasserrechnungen bei der Schufa als Kredit gemeldet. Unter den 20- bis 24-Jährigen waren im vergangenen Jahr 280 000 Ersteinträge auf gemahnte Mobiltelefon-Rechnungen zurück zu führen. Dabei stehen die Handykunden mit durchschnittlich 500 Euro in der Schuld. Insgesamt ist die Zahl der Einträge wegen Handy-Rechnungen 2003 gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent gestiegen. Neumann betont jedoch, dass auch die Zahl der Nutzer von Mobiltelefonen ähnlich stark gewachsen sei.

„Bei den unter 30-Jährigen machen Handy und Schulden aus dem Einzelhandel oder von Online- Händlern den Großteil aus“, erklärt Neumann. Wie eine von der Schufa in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage unter 1 200 privaten Haushalten ergab, steigt gerade bei jungen Menschen der Hang zum Konsum auf Pump. „Vor allem jüngere Menschen zwischen 18 und 30 Jahren sind eher bereit, Schulden aufzunehmen, wenn sie etwas haben wollen“, erklärt Neumann. Der Handel – inklusive Versandhandel – weist eine leichte Zunahme der Zahlungsstörungen in allen Altersgruppen auf.

Bei den Verbraucherkrediten halten sich dagegen die Probleme noch in Grenzen. In der Gruppe der unter 34-Jährigen gab es bei diesen Krediten keinen Zuwachs, bei den 35- bis 64-Jährigen war dagegen eine leichte Zunahme erkennbar. Naumann weist jedoch darauf hin, dass die Ausfallquote der Konsumentenkredite mit unter 2,5 Prozent immer noch gering sei. Bei den Banken ließen sich die Folgen der schwachen Konjunktur ablesen: „In Brennpunkten, wo etwa Fabriken geschlossen wurden, fallen deutlich mehr Bankkredite aus“, stellt er fest. Nach dem Schuldenkompass waren neue Konsumentenkredite im vergangenen Jahr im Westen mit 8 533 Euro im Schnitt höher als im Osten Deutschlands (7 129 Euro). Das galt auch für ausgefallene Kredite: Sie machten im Westen im Durchschnitt 8 717 Euro und im Osten 7 280 Euro aus.

Trotz der zunehmenden Verschuldung – rund drei Millionen Haushalte in Deutschland gelten als überschuldet – drängen immer mehr Banken in das Geschäft mit Verbraucherkrediten. Kritiker warnen bereits vor hohen Ausfallquoten in den kommenden Jahren. Die Hinweise auf eine steigende Verschuldung nehmen zu: Immerhin haben allein im ersten Halbjahr dieses Jahres 21 000 Verbraucher ein privates Insolvenzverfahren beantragt. Das ist ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr.

Eine Prognose, wie die Daten im laufenden Jahr ausfallen werden, wollte der Schufa-Chef nicht geben. Aber auch er sieht keine Kehrtwende: „Ich nehme nicht an, dass wir lauter Landkreise haben werden, bei denen die Zahlen rückgängig sind“, sagte er. Im Ländervergleich schnitt Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr am schlechtesten ab: Jeder fünfte Bewohner hat in dem Land einen negativen Schufa-Eintrag. Gefolgt wird NRW von Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin. Das Land mit den wenigsten Negativ-Einträgen war Thüringen. Dort hat nur jeder zehnte Bürger einen Negativ-Eintrag bei der Schufa.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%