Schuldenquote
Deutschland kommt beim Schuldenabbau voran

Die Schuldenstandsquote des deutschen Staates wird laut eines Berichts von Bundesfinanzminister Schäuble im laufenden Jahr sinken – auf 71,5 Prozent. Warum der Abbau der Staatsschulden schneller vorangeht als geplant.
  • 2

BerlinDer deutsche Staat kommt dank der guten Wirtschaftslage und der Bereinigung von Milliardenlasten aus der Finanzkrise beim Schuldenabbau rascher voran als geplant. Die Schuldenquote - der Anteil der Staatsschulden von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialkassen an der Wirtschaftsleistung - werde 2015 auf 71,5 Prozent sinken, geht aus einem Bericht von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zur künftigen Haushalts- und Finanzplanung an die EU-Kommission hervor. Das aktualisierte „Stabilitätsprogramm“ wird an diesem Mittwoch vom Kabinett zur Kenntnis genommen.

2014 lag die Schuldenquote bei 74,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) – erlaubt sind nach dem Maastricht-Vertrag aber nur 60 Prozent. Schäuble will nach derzeitiger Prognose nun aber bereits 2019 – und fast vier Jahre früher als angestrebt – mit 61,5 Prozent in die Nähe des Grenzwertes kommen. Zum Vergleich: In den 18 Euro-Staaten betrug der öffentliche Schuldenstand am Ende des dritten Quartals 2014 im Schnitt 92,1 Prozent, in den 28 EU-Ländern 86,6 Prozent.

„Die positive Entwicklung der Haushalte von Bund, Ländern und Kommunen sowie der fortgesetzte Portfolioabbau bei den Abwicklungsanstalten führen auch mittelfristig zu einem kontinuierlichen Rückgang der Schuldenstandsquote bis auf rund 61,5 Prozent des BIP im Jahr 2019“, heißt es in dem Bericht für Brüssel. Mit Abwicklungsanstalten sind zwei „Bad Banks“ gemeint, die unter staatlicher Regie die Milliarden-Altlasten der früheren West LB und des Finanzkonzerns HRE abtragen sollen.

Für 2016 wird ein Schuldenstand des Staates von 68,75 Prozent angepeilt. Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD mit dem Unterschreiten der 70-Prozent-Marke erst 2017 gerechnet. Der deutsche Staat steht insgesamt mit rund 2,15 Billionen Euro in der Kreide.


dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Schuldenquote: Deutschland kommt beim Schuldenabbau voran"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Deutschland hatte über zwei Billionen EURO Schulden.
    Deutschland hat auch aktuell über zwei Billionen EURO Schulden.
    Sparer hatten Zinsertzräge.
    Sparer haben aktuell nahe 0,5% Zinsen.
    Wer bezahlt also überproportional die "Schuldenreduzierung"?
    Nicht die Politiker die sich bei 0,2% Teuerung 10% Diäten erhöhung zugebilligt bagen.
    Aber durchaus auch Kleinrentenbezieher die mit ~fünf EURO Erhöhung diese 0,2% nicht ausgleichen konnten.

  • Die ganze schwarze Null wird schnell Schall und Rauch sein, wenn der nächste Schuldenschnitt für Hellas und andere Krisenländer ansteht. Probleme machen zudem die Kommunen. Zwar steigt deren Gewerbesteueraufkommen im Ganzen noch ordentlich. Dies verdeckt aber, dass dabei die Großstädte wie München und Frankfurt profitieren, während die 15000-50000 Einwohner Kleinstädte zunehmend Schwierigkeiten bekommen. So muss selbst das bis dato bei der Gewerbesteuer verwöhnte Unterschleißheim bei München 20 Millionen Euro Gewerbesteuer zurückzahlen. Karlsfeld schlägt sich mit einer Gewerbesteuer von weniger als 3 Millionen jährlich rum nach mehr als 20 Millionen jährlich anfangs des neuen Jahrhunderts, und die wegen ihrer Geschichte (Konzentrationslagerstadt, Wahlfälscherstadt, Amtsgerichtsmordstadt, wiedererwachter Neo-Nazi-Geist) gelegentlich als Täterstadt bezeichnete Kommune Dachau ist schuldenmäßig sowie in den nächsten Jahren Land unter. Selbst im bis dato haushaltsmäßig so erfolgreichen Süden der Republik baut sich unter der Oberfläche also insbesondere bei den Kommunen schon viel Budgetverzweiflung auf. Es gilt deshalb die Dinge nicht zu rosig zu sehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%