Schuldenschnitt
Ökonomen trommeln für radikale Griechen-Lösung

Die Politik tritt bei der Griechenland-Frage auf der Stelle. Dabei ist es aus Sicht vieler namhafter Ökonomen höchste Zeit, endlich zu einer Lösung der Schuldenkrise zu kommen. Und sie skizzieren, wie sie aussehen kann.
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DüsseldorfMan muss nur das Verhalten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Euro-Schuldenkrise beobachten, um zu sehen, woran es hapert, wenn es darum geht insbesondere die Probleme Griechenlands adäquat in den Griff zu bekommen. Die Politik diskutiert alle möglichen Varianten, findet aber keinen gemeinsamen Nenner. Merkel geht sogar noch weiter. Ihren Sprecher Steffen Seibert lässt sie mitteilen, dass sie derzeit keine Lösungsvorschläge für die Euro-Krise sehe, die einen EU-Sondergipfel rechtfertigen würden. Ein Sondertreffen der Staats- und Regierungschefs solle nur dann stattfinden, wenn es Ergebnisse bringen könnte, sagte der Sprecher am Freitag in Berlin. „Es gibt noch keinen Termin.“ Entscheidend sei, dass die Beteiligten mit Sinn für den Ernst der Situation nun ein neues Hilfspaket für Griechenland vorbereiteten.

Ursprünglich war ein Krisentreffen der europäischen Staats- und Regierungschefs bereits für heute erwogen worden; danach wurde über andere Termine am Wochenende oder kommende Woche spekuliert.

Das Finanzministerium betonte, dass eine Arbeitsgruppe derzeit über Lösungsansätze für die griechische Schuldenkrise berate. Vereinbart sei eine zügige Beratung. Doch gebe es keinen festen Termin für die Vorlage von Ergebnissen, sagte ein Ministeriumssprecher. Diese gebe es „dann, wenn sie fertig sind“.

Das Lavieren der Politik stößt mehr und mehr auf Unverständnis bei Experten. So dringen inzwischen zahlreiche führende Ökonomen in Deutschland, wie etwa die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro im Interview mit dem Handelsblatt, für eine Umschuldung Griechenlands. Während die Ökonomin ein Tauschangebot des europäischen Rettungsschirms EFSF an die privaten Gläubiger präferiert, plädieren andere Experten für deutlich radikalere Lösungen. „Griechenland ist pleite und wird um einen Schuldenschnitt nicht herumkommen“, sagte der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner, Handelsblatt Online. Die von der Politik favorisierte „sanfte“ Lösung werde nicht ausreichen. Wolle man private Gläubiger angemessen an den Kosten beteiligen, sei ein „schneller und umfangreicher“ Haircut erforderlich.

“Dass hierdurch private Investoren Verluste hinnehmen müssen, steht dem nicht entgegen und wird in Zukunft ein gewünscht vorsichtigeres Investitionsverhalten mit sich bringen“, sagte Fichtner. Möglich sei auch, dass einzelne Banken so geschädigt würden, dass zur Verhinderung von Dominoeffekten staatliche Gelder zugeschossen werden müssen. „Aber selbst dann ist es billiger, einzelne systemrelevante Banken zu retten als die griechische Regierung dauerhaft vor Zahlungsunfähigkeit zu schützen“, betonte der DIW-Experte.

Ähnlich äußerte sich der Konjunkturchef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Roland Döhrn. Es sei ein Fehler gewesen, dass die Politik eine Umschuldung Griechenland lange kategorisch ausgeschlossen hat, sagte Döhrn Handelsblatt Online. Wie eine solche Entschuldung konkret aussehen kann, müsse man sehen. „Bezüglich der Gestaltung des Schuldenschnitts habe ich keine klaren Präferenzen“, sagte er. „Da muss man die Folgewirkungen der verschiedenen Varianten zum Beispiel für die Eigenkapitalausstattung der Banken durchspielen.“

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  • Man sollte für die interne Wirtschaft der EURO-Länder die alten Landeswährungen wieder einführen und nur Geschäfte über die Landesgrenzen hinweg in EURO abrechnen. So kann jedes Land sich optimal aufstellen und die Vorteile einer international anerkannten Gemeinschaftswährung blieben erhalten.
    Die drohenden Insolvenzen sollten vorher auf die von jeher übliche Weise abgewickelt werden. Falls einige Banken mit Systemrelevanz dabei ins Staucheln kommen, na gut, das beherrschen wir doch jetzt schon aus Erfahrung

  • Wer das Schuldenproblem Griechenlands lösen will, muss in GR anfangen. Ein Schnitt 1:2 aller Assets und Schulden in GR, privat ebenso wie öffentlich, könnte dieser Anfang sein. Alle Sachwerte und Auslandsvermögen werden mit einem Lastenausgleich nach deutschem Muster (wer erinnert sich noch?)belegt. Die daraus fliessenden Mittel werden verbrieft und dienen zur Bedienung/Ablösung der GR-Auslandsschulden und als Basis für die Refinanzierung des GR-Staates.

    Die Folge wäre ein griechisches Wirtschaftswunder.

  • Ich bin für die DM

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