Schuldenstreit
Merkels teure Griechenland-Rechnung

Kanzlerin Merkel hat einst beteuert, die Griechen-Rettung werde die Deutschen nichts kosten. Das ist nach den geplatzten Verhandlungen kaum mehr zu halten. Top-Ökonomen haben nur noch wenig Hoffnung für Griechenland.
  • 84

BerlinNach den gescheiterten Verhandlungen zur Lösung der griechischen Schuldenkrise könnte das Land im schlimmsten Fall in die Pleite rutschen  – und als Folge daraus sogar aus dem Euro ausscheiden. Die Hilfsmilliarden, die Athen bis dato am Leben hielten, wären damit verloren. Selbst wenn noch in letzter Minute eine Einigung zwischen Athen und den internationalen Geldgebern gefunden würde, kämen auf die Geldgeber hohe Kosten zu.

Insgesamt stehen 240 Milliarden Euro Hilfen auf dem Spiel. „Für Deutschland stehen 70 Milliarden Euro im griechischen Feuer“, sagte der Präsident des Steuerzahlerbunds, Reiner Holznagel, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Ein Umstand, der aus Holznagels Sicht eigentlich niemanden überraschen dürfte. „Es war von Anfang klar, dass mit der milliardenschweren Stützung Griechenlands Zeit gekauft wurde“, betonte er. „Dabei war bereits mit dem Bruch der No-Bailout-Klausel offensichtlich, dass das Konzept der Euro-Retter, die griechische Schuldenmisere mit noch mehr Schulden bekämpfen zu wollen, nicht aufgehen kann.“

Die Bundesregierung hatte dagegen nie ernsthaft damit gerechnet, dass sich die Dinge irgendwann so entwickeln, dass die jetzt diskutierten Horrorszenarien als Optionen in Frage kommen könnten. Im Gegenteil: Sie erklärte immer wieder, die Griechen-Rettung werde deutsche Steuerzahler nichts kosten.

Sätze wie dieser von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vom 16. Oktober 2010 kommen jetzt wie ein Bumerang zurück: „Alle Experten bestätigen“, erklärte Merkel damals, „dass Griechenland und auch Irland die Schuldenlasten, also Zins und Tilgung, auf Dauer schultern können.“ Und auch am 22. Juli 2011 versicherte die Kanzlerin in der „Bild-Zeitung“: „Was wir in diesen Zeiten aufwenden, bekommen wir um ein Vielfaches zurück.“

Als Griechenland-Optimist gab sich auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), als er am 19. Mai 2010 sagte: „Natürlich gehen wir davon aus, dass jeder seine Schulden auch zurückzahlt.“

Noch deutlicher formulierte Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU), als er am 30. April 2010 versprach: „Es wird kein Steuergeld aus dem Haushalt fließen. Im Gegenteil: Durch die Verzinsung der Darlehen entstehen sogar noch Einnahmen.“

Und der frühere CDU-Chefhaushälter Norbert Barthle glaubte schon am 13. April 2010, noch zehn Tage bevor Griechenland das erste Hilfsprogramm beantragte, dass die Hilfen „für den Bund ein gutes Geschäft“ seien - wegen der hohen Zinsen, die Athen zahlen müsse.

Dass Merkel falsch lag, habe sich „bereits mehrfach bestätigt“, sagte der Fachbereichsleiter Wirtschafts- und Fiskalpolitik am Centrum für Europäische Wirtschaftspolitik (CEP), Matthias Kullas, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). So habe es im Jahr 2012 einen Schuldenschnitt für Griechenland gegeben, da die Schuldenlast nicht mehr tragfähig gewesen sei.

Zudem seien die Laufzeiten der Kredite, die Griechenland insbesondere von den Euro-Staaten erhalten hat, verlängert und Zinsen gesenkt worden. „Dieser weitere faktische Schuldenschnitt war notwendig, da die Schuldenlast nicht mehr tragfähig war“, betonte Kullas.

Kommentare zu " Schuldenstreit: Merkels teure Griechenland-Rechnung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • tja, soviel zu Merkels und Schäubles wirtschaftspolitischen Fähigkeiten. Die sind =0. die diplomatischen Fähigkeiten => Ukraine, IS, etc =0.
    Beide wären wohl nicht in der Lage nen Tante Emma Laden profitabel zu führen; spielen sich aber als die Gurus der EU auf. Das kommt raus , wenn der dt. MichelIn immer wieder alternativlose Politik wählt. Das hat man vor 1945 auch gemacht. Gelernt hat MichelIn nichts. Jetzt wird Merkel versuchen müssen nem nackten Griechen in die Tasche zu langen. Mal schauen was sie uns dazu erzählt, wenn sie merkt das die Tasche nur das Ars..loch war.

  • Jetzt sind also die Banken dafür verantwortlich, dass Griechenland seit Jahrzehnten noch viel grotesker als die anderen Länder in Europa über seine Verhältnisse lebt! Tatsache ist, dass eine Bank bzw. Versicherung, die Geld investiert in ein von z.B. Siemens gemietetes Gebäude diese Investition mit 25% Eigenkapital hinterlegen muß. Wird dagegen in Staatsanleihen investiert, die lt Regulierung der Gesetzgeber (!) risikolos sind, ist 0 Eigenkapital erforderlich. Erst also betreibt die Politik massive "Investitionsförderung" - irgendjemand muß ja all die Wahlversprechen finanzieren - und zeigt dann mit dem Finger auf die verabscheuungswürdigen Investoren? Die zweite Gruppe der Dummen sind die Sparer, die mittels Nullzinsen enteignet werden. Der Fall Griechenland offenbart auch noch dem uninteressiertesten Zeitgenossen, was hier wirklich gespielt wird.

  • Tatsache ist: mit oder ohne GREXIT - Griechenland wird seine Schulden nicht zurückzahlen. Zu behaupten, nur bei einem GREXIT wären die Kredite verloren, ist deshalb eine typische Misinformation der sog Euroretter! Wenn Frau Merkel ein Wahlergebnis der AfD von über 20% sehen will, dann soll sie weiter unser gutes Geld, das von der Groko eh für Sozialklimbim verschleudert wird, ins das schwarze Loch Griechenland werfen. Griechenlands einzige Chance, wieder auf die Beine zu kommen (und sich an die eigene Nase eigenverantwortlich zu fassen), ist der GREXIT, da ist Prof Sinn uneingeschränkt zuzustimmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%